Bezirksgericht

Messung der Laserpistole angezweifelt

Ein 63-Jähriger soll ausserorts bei Ossingen 113 Stundenkilometer gefahren sein – sofern die Laserpistole der Polizei richtig gemessen hat. Am Dienstag sollte ein Experte am Bezirksgericht Andelfingen Klarheit bringen.

Wie zuverlässig war das Lasermessgerät? Diese Frage galt es am Bezirksgericht Andelfingen zu beantworten.

Wie zuverlässig war das Lasermessgerät? Diese Frage galt es am Bezirksgericht Andelfingen zu beantworten. Bild: Nathalie Guinand

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40 Fragen in mehr als fünf Stunden: So lange hat das Bezirksgericht Andelfingen am Dienstag gebraucht, um einen Fragenkatalog abzuarbeiten. Die Fragen stammen vom Verteidiger und seinem Mandanten sowie dem Gericht selbst. Letztendlich ging es darum, herauszufinden, ob ein bestimmtes Lasermessgerät richtig funktioniert und gemessen hatte. Und ob es das fragliche Fahrzeug auch angepeilt hatte. Nämlich jenes, dessen Lenker am Dienstag vor Gericht stand.

Die Tat liegt zwei Jahre zurück: Der Beschuldigte, ein 63-jähriger Manager aus dem Bezirk Dietikon, fuhr im September 2016 gegen 18.30 Uhr mit seinem BMW auf der Steinerstrasse ausserhalb von Ossingen in Richtung Waltalingen. Beim Weiler Gisenhard führte die Kantonspolizei eine Geschwindigkeitskontrolle durch. Mit einer Laserpistole nahm sie das Fahrzeug des Beschuldigten buchstäblich ins Visier. Hinter ihm fuhren drei weitere Autos. Die Messung ergab, dass der BMW mit einer Geschwindigkeit von 113 Kilometern pro Stunde unterwegs war anstatt den erlaubten 80 Stundenkilometern.

Gutachten genügte nicht

Am 19. April 2017 stand der Beschuldigte wegen dieser Sache schon einmal vor Gericht. Er musste sich wegen «grober Verletzung der Verkehrsregeln» verantworten. Anhand einer Powerpoint-Präsentation hatte er aufzuzeigen versucht, dass das Lasergerät ein anderes Auto gemessen haben könnte. Daraufhin beantragte der Verteidiger die Klärung technischer Fragen durch einen Experten – obwohl bereits ein Gutachten vorlag. Das Gericht unterbrach die Verhandlung und setzte sie am Dienstag fort.

«Die Frage stiftet nur Verwirrung.»Staatsanwalt

Die Strategie der Verteidigung war es offenbar, Unregelmässigkeiten beim Gerät und der Messung nachzuweisen. So hatten mehrere Fragen die Entfernung zwischen Gerät und Fahrzeug zum Inhalt. Sie betrug knapp 500 Meter. Kann das Gerät in so einem Fall überhaupt richtig messen?

Es kann. Der anwesende Experte, ein Sektionschef des Bundesamts für Metrologie (Metas), gab an, dass es gar Fahrzeuge in einer Distanz von bis zu einem Kilometer überprüfen könne. Das Bundesamt in Wabern bei Bern prüft solche Geräte regelmässig und bewilligt sie.

In der Schweiz sind die Lasermessgeräte immer auch mit einer Videokamera ausgerüstet. Anhand der Bilder lasse sich kontrollieren, ob die gemessene Geschwindigkeit plausibel ist, so der Experte. Dann stand die Frage im Raum, ob der Laserstrahl auch ein anderes Fahrzeug hätte treffen können. Eines, das hinter dem Beschuldigten herfuhr.

Grundsätzlich sei das möglich, sagte der Experte. Sobald es während einer Messung aber Schwankungen gebe, würden die Daten gelöscht, die Messung wäre ungültig. Sei es, weil der Polizist das Gerät nicht ruhig gehalten hat, oder sei es, weil der Strahl von einem Objekt zum anderen gesprungen ist.

«Sie werfen mir querulantisches Verhalten vor?»Verteidiger

«Kann es sein, dass das Visier nicht mit dem Strahl übereingestimmt hat?», lautete eine weitere Frage. Anders ausgedrückt: Kann es sein, dass der Polizist auf das erste Auto, der Strahl aber auf ein anderes gezielt hat? Denn dieser trifft nicht als Punkt, sondern als ein lang gezogenes Rechteck auf das Fahrzeug. Vor jeder Messung müsse der Beamte das Gerät justieren, sagte der Experte. «Und wir haben keinen Hinweis darauf, dass es nicht justiert war.» Verteidiger und Staatsanwalt lieferten sich zeitweise einen Schlagabtausch. «Diese Frage tut nichts zur Sache, Sie stiftet nur Verwirrung», sagte etwa der Staatsanwalt. Und der Verteidiger antwortete: «Aha, Sie werfen mir querulantisches Verhalten vor?» Und an den Gerichtsschreiber gewandt: «Protokollieren Sie das nur.»

Urteil vertagt

Zu einem Urteil kam es am Dienstag nicht. Das an der Verhandlung erstellte Protokoll wird den Parteien nun zugestellt. Diese können ihre Stellungnahme dazu abgeben. Darauf abgestützt fällt der Richter sein Urteil, das er schriftlich eröffnen wird. Er wird beurteilen müssen, ob die Messung ohne erheblichen Zweifel korrekt abgelaufen ist.

Laut dem Antrag des Staatsanwaltes soll der Beschuldigte mit einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 150 Franken (4500 Franken) bestraft werden. Wobei er nur die Hälfte davon bezahlen müsste. Die andere Hälfte würde dann fällig, wenn er innerhalb von drei Jahren wieder straffällig würde. (Landbote)

Erstellt: 24.10.2018, 16:22 Uhr

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