Flughafen

Zu viel Fluglärm in der Nacht

Erstmals hat der Flughafen Zürich einen Bericht über die Lärmbelastung vorgelegt. Er zeigt: Vor allem zwischen 22 Uhr und 24 Uhr wurden die Grenzwerte im Jahr 2015 massiv überschritten. Zusätzliche Massnahmen ergreift der Bund aber zumindest vorläufig noch nicht.

Landender Jet über Kloten: Der Fluglärmbericht 2015 des BAZL liegt vor.

Landender Jet über Kloten: Der Fluglärmbericht 2015 des BAZL liegt vor. Bild: Keystone

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Tagsüber werden die Grenz­werte für die Fluglärmbelastung um den Flughafen Zürich kaum überschritten. Dies geht aus einem ­Bericht hervor, in welchem die Flughafen Zürich AG über die Lärmbelastung informiert. Seit 2015 muss der Flughafen jährlich einen solchen Bericht jeweils auf September des nächsten Jahres abliefern und bei Abweichungen von den Grenzwerten erklären, wie es dazu gekommen ist. Er muss dabei auch aufzeigen, welche Verbesserungen er deshalb plant. Den ersten Bericht hat der Flughafen im letzten September über das Jahr 2015 eingereicht, und das Bazl hat am Donnerstag seine Beur­teilung dazu veröffentlicht.

Klar wird dabei: Während tagsüber die Grenz­werte weitgehend eingehalten werden, werden sie in den Nachtstunden zwischen 22 Uhr und 24 Uhr teils massiv überschritten. In der ersten Nachtstunde trifft es dabei vor allem den Süden. Grund dafür ist eine deutlich höhere Anzahl Landungen, als ursprünglich angenommen worden war. Effektiv fanden im Jahr 2015 rund 50 Prozent mehr Landungen zwischen 22 Uhr und 23 Uhr statt, als bei der Berechnung des vom Bund genehmigten Lärms prognostiziert worden war.

Am Abend wird am Flughafen normalerweise mit dem Ostkonzept geflogen, das bedeutet: Gelandet wird von Osten auf der Piste 28, gestartet in Richtung Norden auf den Pisten 32 und 34. Berechnet wurde, dass dabei in der ersten Nachtstunde nur 6 Prozent der Landungen wegen schlech­ten Wetters von Süden statt von Osten stattfinden. Tatsächlich waren es im Jahr 2015 nun aber rund 20 Prozent. Und die Anzahl der Ostanflüge lag dabei rund 37 Prozent über der prognostizierten Anzahl, was zu Überschreitungen der Grenzwerte im gesamten Gebiet östlich des Flughafens führte.

Im Bericht fehlen kurzfristige Massnahmen

Nach 23 Uhr gehört dann vor allem der Norden des Unterlandes zu den Leidtragenden. Grund dafür ist die Zahl der Starts und Lan­dungen in dieser Zeit, welche die Prognose um ein Vielfaches übertreffen: Knapp viermal mehr Starts und rund 35 Prozent mehr Landungen als erwartet wurden in dieser Zeit 2015 abgewickelt. Die Starts erfolgen dabei grundsätzlich nach Norden. Zu den Grenzwertüberschreitungen führte dabei auch der Umstand, dass die in dieser Zeit abfliegenden Langstreckenmaschinen oftmals grosse und schwere Flugzeuge sind.

Zum Bericht Stellung genommen haben die drei Kantone, welche am stärksten vom Fluglärm betroffen sind: Schaffhausen, ­Aargau und Zürich. Der Aargauer Regierungsrat kritisierte dabei die Art und Weise, wie der Flughafen gegen die Lärmüberschreitungen vorzugehen gedenkt. Der Flughafen will sich dabei nämlich am soge­nannten Balanced Approach der Internationalen Zivilluftfahrt­organisation (ICAO) ausrichten. Das bedeutet konkret: Lokale Flugeinschränkungen will man nur als allerletzte Massnahme in Betracht ziehen. Stattdessen will man lieber die zulässigen Grenzwerte anheben. Ein entsprechendes Gesuch hat der Flughafen ­bereits im neuen Betriebsreglement 2014 (BR 2014) beantragt.

Das stösst den Aargauern sauer auf. Der Balanced Approach sei wohl bei der Planung und Sanierung von Flughäfen anzuwenden, im Rahmen der Lärmkontrolle ­gehe es aber nicht darum, einen Ausgleich zwischen dem Schutz der Bevölkerung und den Interessen der Luftfahrt zu finden. Vielmehr gehe es um die Durch­setzung der festgelegten Regeln. Dabei könne der Flughafen in seinem Bericht keine Massnahmen aufweisen, die innert nützlicher Frist zu einer Einhaltung des genehmigten Lärms führen würden.

Aus ähnlichem Grund zeigt sich die Volkswirtschaftsdirektion des Kantons Zürich in ihrer Stellungnahme ernüchtert: Es würden ­keine Massnahmen aufgezeigt, die kurz- und mittelfristig einen Beitrag zur Einhaltung des genehmigten Lärms leisten würden. Stattdessen verweise der Flug­hafen wiederholt auf den bereits gestellten Antrag, die zulässigen Lärmimmissionen auszuweiten. Der Aufgabe im Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt komme der Flughafen somit mangelhaft nach.

Das Bazl selbst wertet den ­Be­richt als «gute und solide Grund­lage» für die Beurteilung der Fluglärmbelastung des Jahres 2015. Für den nächsten Bericht zum Jahr 2016 fordert der Bund aber einige Änderungen. So soll der nächste Bericht etwa zusätz­liche Nach­weise über die Ver­spä­tungs­situa­tion im gesamten Tages- und Nacht­betrieb enthalten. Der Flughafen muss ferner prüfen, wie die Situation sich verbessern würde, wenn am Abend weniger Slots zur Verfügung stünden. Abgesehen ­davon will das Bazl zum jetzigen Zeitpunkt keine zusätzlichen Mass­nahmen zur Einhaltung der Lärm­grenzwerte anordnen. (zsz.ch)

Erstellt: 03.08.2017, 21:27 Uhr

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