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Kolumne «Miniaturen des Alltags»Pürieren geht über Studieren

Federkohl ist zugleich alte Kulturpflanze und trendiges Superfood. Doch wie bereitet man ihn zu?

Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Eine kleine Geschichte aus dem Alltag.
Illustration: Olivier Samter

Obwohl der Herbst viele warme, sonnige Tage übrig hatte, ist klar: Lange wird es so nicht weitergehen. Es wird kalt werden, regnen, und es drohen Husten und Schnupfen.

Doch gerade im Corona-Winter will ja niemand krank werden. Grippeimpfungen sind in dem Mass gefragt, wie öffentliches Hüsteln verpönt ist.

Das Motto heisst also: gesund bleiben, gesund essen. Doch im Winter wird es schwieriger, sich vitaminreich zu ernähren. Vor allem, wenn man saisonal einkauft. Dann bleibt neben Rüebli und Lauch noch: Kohl.

Doch Rot-, Weiss-, Rosenkohl und Wirz sind nicht gerade beliebt. Sie sind für das Gemüseregal, was der alte Wollmantel im Kleiderschrank ist: bewährt. Aber begehrt sind die Outdoorjacken daneben. Übersetzt auf die Wintergemüse wäre das der Federkohl. Oder Grünkohl im Deutschen. Oder «Kale» für die jüngeren Konsumenten. Mit seinen grossen Mengen Vitamin C und K gilt er als Superfood.

Federkohl hat seinen Namen von der Form seiner Blätter.
Federkohl hat seinen Namen von der Form seiner Blätter.
Foto: iStock

Kürzlich sollte ich Federkohl besorgen, doch ich musste warten, bis ein junges Paar ausgewählt hatte. Er fragte, wie viel Kale sie wohl brauchten, und sie meinte: «Nicht zu wenig.» Sie wolle jeden Morgen einen Smoothie aus Früchten und Kale trinken, das schütze vor Erkältungen. Er fragte, ob man noch was anderes damit machen könne, als ihn zu pürieren. «Kale-Chips im Backofen», sagte sie, und dann bezahlten sie.

Daran sieht man: Kohl hat einen schweren Stand. Selbst mit der trendigsten Sorte weiss kaum jemand etwas anzufangen. Dabei wird Federkohl seit 2300 Jahren in Europa angebaut. Federkohl-Eintöpfe brachten Generationen über den Winter. Doch es geht moderner, ohne gleich Smoothies oder Chips zuzubereiten: Zu Hause würfelte ich Zwiebeln und Knoblauch und dünstete sie in einem Topf in reichlich Olivenöl glasig. Den Federkohl wusch ich, schnitt Stängel und Blätter klein und gab ihn zu den Zwiebeln. Als er gar war, schmeckte ich ihn mit Salz und Pfeffer ab – einfach und köstlich. Der Winter kann kommen.