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Bezirksgericht ZürichMutmassliche Pink-Panther-Räuber streiten Vorwürfe ab

Kriminaltouristen oder Profiräuber? Vor dem Bezirksgericht haben sich die drei Beschuldigten am Mittwoch von fast allen Vorwürfen distanziert. Sie hätten keineswegs einen grossen Coup in Lugano geplant.

Das Bezirksgericht Zürich befasst sich am Mittwoch mit Raubüberfällen auf Bijouterien.
Das Bezirksgericht Zürich befasst sich am Mittwoch mit Raubüberfällen auf Bijouterien.
Foto: Keystone

Für die Staatsanwaltschaft war klar, wer da in Zürich an Händen und Füssen gefesselt vor Gericht stand: drei Mitglieder der Pink Panther. Die kriminelle Organisation vom Balkan ist seit 2006 aktiv und führte in dieser Zeit weltweit 24 Überfälle auf Uhrengeschäfte und Juweliere durch, immer in anderer Zusammensetzung.

In Dubai beispielsweise machten sie 2009 eine Beute im Wert von 11 Millionen Franken. In Zürich war es 2016 immerhin eine Million. «Das Charakteristische an diesen Taten ist die exakte Planung und die präzise Vorbereitung», sagte der Staatsanwalt.

Die Aufgaben seien genau aufgeteilt, und es werde mit erheblichem Aufwand rekognosziert, so auch in diesem Fall in Lugano. Die mutmasslichen Pink Panther wollten gemäss Anklage im Februar 2018 ein Uhrengeschäft in der Via Nassa überfallen und hatten dazu akribische Vorarbeiten geleistet.

Schon startbereit auf dem Motorroller

Mit ihren Fahrzeugen fuhren sie etwa mehrmals die Strecken ab, die sie nach dem Coup zur Flucht nutzen wollten. Was sie nicht wussten: Die Polizei observierte sie seit Monaten und schaffte es unter anderem, in ihrem Auto ein Mikrofon anzubringen.

So konnten die Polizisten die Vorbereitungsgespräche live mithören. In einem Gespräch berieten die Serben etwa, dass sie auf 400’000 Euro Beute kommen, wenn sie neben Uhren auch noch Schmuck mitnehmen.

Am Tag, an dem der Coup hätte stattfinden sollen, schlug die Polizei zu: Die Männer sassen schon auf ihren Motorrollern, als die Handschellen klickten. Seither sitzen sie in Zürich und Winterthur im Gefängnis. An diesem Morgen wurde noch ein vierter Pink Panther verhaftet. Diesem Beschuldigten wird separat der Prozess gemacht, weil er als Einziger den versuchten Raub gestand.

Nur Autos gekauft im Tessin

Der Staatsanwalt verlangt für die drei Beschuldigten, die in Zürich vor Gericht stehen, wegen versuchten Raubes und weiterer Delikte Freiheitsstrafen zwischen fünfeinhalb und sieben Jahren, dazu Landesverweise von 10 beziehungsweise 15 Jahren.

Die Landesverweise sollen im Schengener Informationssystem ausgeschrieben werden. Das bedeutet, dass sie in dieser Zeit auch kein anderes Schengen-Land mehr betreten dürften.

Die drei Männer im Alter zwischen 39 und 44 Jahren waren vor Gericht wenig auskunftsfreudig. Einer sagte, er sei im Tessin gewesen, um Autos zu kaufen, die er dann in Serbien habe weiterverkaufen wollen. Ein anderer gab als Grund für seinen Aufenthalt das Einkaufszentrum Foxtown in Mendrisio an. Dort sei Ausverkauf gewesen.

Zwei Freisprüche und eine bedingte Strafe gefordert

Einer der Anwälte räumte ein, dass die Beschuldigten Kriminaltouristen seien. Aber sie würden aus einer der ärmsten Regionen Europas stammen. «Dass sie professionell an die Sache herangingen, wirkt sich zu ihren Gunsten aus.» So sei etwa nie angesprochen worden, dass jemand mit einer Waffe bedroht werde. Er forderte für seinen Mandanten deshalb nur eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren.

Die beiden anderen Anwälte forderten Freisprüche. Der Anwalt des 42-Jährigen stritt vehement ab, dass sein Mandant ein Pink Panther sei. «Die hätten einen solchen Überfall viel besser organisiert», sagte er. Das Gericht wird das Urteil am Donnerstag um 14 Uhr bekannt geben.

SDA