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Der ÖV in der Corona-KrisePreisüberwacher kritisiert neue Ticketpreise der Bahnen

Es gebe keine generelle Preiserhöhung, versprach der Branchenverband des öffentlichen Verkehrs. Dennoch kritisiert Preisüberwacher Stefan Meierhans dessen Pläne.

Einzelne ÖV-Angebote werden wegen der Corona-Krise teurer. Der Preisüberwacher fürchtet, die Bahnen könnten so ihr Risiko auf die Pendler abwälzen.
Einzelne ÖV-Angebote werden wegen der Corona-Krise teurer. Der Preisüberwacher fürchtet, die Bahnen könnten so ihr Risiko auf die Pendler abwälzen.
Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Auf den ersten Blick klingt es für Passagiere gut: Es gibt keine generelle Erhöhung der Preise im öffentlichen Verkehr. So lautete die Botschaft von Alliance Swiss Pass, der Branchenorganisation des öffentlichen Verkehrs. Auch wenn neue Spartickets eingeführt und Hunde-GA günstiger werden: Ein Blick in die nun vorgestellten Details zeigt, dass es etliche Änderungen gibt, die zum Nachteil der Kunden sind. Dies ruft den Preisüberwacher auf den Plan.

Studenten sind die Verlierer. Das attraktive Studenten-GA wird abgeschafft. Statt im Alter von 25 bis 30 für 2650 Franken wie bisher ein GA zu erhalten, müssen sie neu ab dem 26. Lebensjahr mehr bezahlen – nämlich 3860 Franken in der 2. Klasse. Als Entschädigung erhalten sie eine einmalige Gutschrift von 500 Franken, mehr nicht.

Teurer wird auch die Tageskarte für Kinder und Jugendliche von 6 bis 16 Jahren. Statt 16 Franken wie bisher kostet diese nun 19 Franken. Dafür können die Kinder nun unbegleitet auf Achse gehen, bisher musste jeweils eine Begleitperson dabei sein.

«Statt der vielstimmig geforderten Flexibilisierung ist das Mittel der Wahl ‹Fesseln und Knebeln› der Kunden.»

Stefan Meierhans, Preisüberwacher

Eine Verschlechterung aus der Sicht der Kunden ist auch die Erhöhung der Mindestvertragsdauer für das Jahresgeneralabo. Neu beläuft sie sich auf sechs Monate statt vorher vier Monate. Ein Vorgehen, das Preisüberwacher Stefan Meierhans kritisiert. «Statt der vielstimmig geforderten Flexibilisierung ist das Mittel der Wahl ‹Fesseln und Knebeln› der Kunden», schreibt er in einem Blogeintrag.

Besonders unverständlich sei die Massnahme in Bezug auf Corona. «Hier findet eine massive Risikoverschiebung hin zu den Kunden statt. Diese Massnahme könnte dazu führen, dass sich Kunden mit unsicheren Zukunftsperspektiven und ohne Alternativen zum ÖV gegen das Produkt entscheiden und stattdessen auf höherpreisige, dafür aber flexible Alternativen umsteigen müssen», schreibt Meierhans.

Fehlende Innovation kritisiert

Kritik kommt auch vonseiten des Konsumentenschutzes. Die Sortimentsveränderungen würden nicht wirklich eine Strategie oder Innovationen erkennen lassen. «Auf die heutigen Herausforderungen muss mit neuen Angeboten geantwortet werden.»

Der Hintergrund: Der öffentliche Verkehr hat ein Problem wegen Corona. Bis Ende Jahr werden der Branche 1,5 bis 1,8 Milliarden Franken fehlen. Das berichtete die «SonntagsZeitung». Und das bei praktisch gleichbleibenden Kosten. Während des Lockdown wurde der öffentliche Verkehr zwar reduziert, doch nicht im gleichen Ausmass, wie die Passagierzahlen zurückgingen. Noch immer sind deutlich weniger Leute im ÖV unterwegs.

«Ich erwarte, dass den Kunden die Kostensenkung tatsächlich weitergegeben wird.»

Stefan Meierhans, Preisüberwacher

Wie SRF berichtet, ist eine mögliche Lösung vom Tisch: Kurzarbeitsgesuche von Postauto und SBB wurden abgelehnt. Entsprechend wird der Bund finanziell nun den Transportunternehmen unter die Arme greifen müssen. Es sollte aber bis zur Herbstsession eine Lösung vorliegen.

Ein Thema, das dann wieder aufkochen wird, ist die Frage nach dem Weitergeben der Einsparungen bei Trassepreisen. Die Nutzung der Bahninfrastruktur kostet in Zukunft rund 90 Millionen weniger. Geld, das den Kunden zugutekommen soll, wie Konsumentenschutz und Preisüberwacher fordern.

Alliance Swiss Pass sieht vor, diese Einsparung den Bestellern, also Kantonen und dem Bund, zu überlassen in diesem Jahr. Dies, um die Corona-Krise abzufedern. «Im nächsten Jahr erwarte ich – insbesondere mit Blick auf das geplante Hilfspaket –, dass den Kunden diese Kostensenkung tatsächlich weitergegeben wird», sagt der Preisüberwacher dazu.

15 Kommentare
    Nicki

    Als Rentnerin finde ich das GA sehr sehr teurer. In der 1. Klasse ist man komfortabler und es ist auch ruhiger. Aber zu teuer. Abwohl das Abo für AHV ein wenig billiger ist, bleibt es teuer.

    Son nimmt man die Tageskarte aber die ist dann immer schon verkauft ! Und 2 Wochen vorher weiss ich nicht wie den das Wetter sein wird.

    Wie denken die anderen BZ Leser ?

    Ich finde man tut enorm vieles für Kinder und Jugendliche aber kaum etwas für Leute welche das ganze Leben gearbeitet haben ?