Zum Hauptinhalt springen

Präzises Pflügen als Passion

Drei Männer aus der Region treten am Donnerstag in Diessenhofen bei der Schweizer Meisterschaft im Wettpflügen an. Am Samstag und Sonntag misst sich die europäische Elite. Der Sport kämpft in der Region jedoch mit Nachwuchsproblemen.

Volle Konzentration ist beim Wettpflügen gefragt. Hier bei den kantonalen Meisterschaften in Rickenbach 2016.
Volle Konzentration ist beim Wettpflügen gefragt. Hier bei den kantonalen Meisterschaften in Rickenbach 2016.
Archiv, Heinz Diener

Am Donnerstag ist wieder eine ruhige Hand am Lenkrad gefragt, in Diessenhofen TG findet die Schweizer Meisterschaft im Wettpflügen statt. Möglichst gerade und stets gleich tief müssen sie sein, die gezogenen Furchen mit dem Pflug. Nur so können die Teilnehmer beim Wettpflügen auf eine hohe Punktzahl der Jury und somit auf den Sieg hoffen. Schnelligkeit spielt ist weniger wichtig, jeder Teilnehmer hat gleich viel Zeit zur Verfügung. Es geht vor allem um Ästhetik.

Teilnehmer aus Gundetswil, Ellikon und Rickenbach

Mit dabei ist auch Landmaschinenmechaniker Roger Ernst aus Gundetswil bei Wiesendangen. «Zum ersten Mal selber gepflügt habe ich wohl mit zehn oder zwölf Jahren», sagt er, der vor seiner fünften Teilnahme an Schweizer Meisterschaften steht. Seinen ersten Wettkampf bestritt er anfangs der Neunzigerjahre. «Ich habe Freude, wenn man etwas genau machen kann.» Die Teilnehmer pflügen mit ihren Maschinen auf fünf Zentimeter genau. «Geradeaus fahren zu können ist schon mal eine Grundvoraussetzung», sagt Ernst.

«Es nützt nichts, wenn man einen Top-Wettkampfpflug besitzt, aber damit nicht umgehen kann.»

Sven Steinmann, Teilnehmer Schweizer Meisterschaft im Wettpflügen aus Ellikon an der Thur

Die Felder sind trapezförmig angelegt, besonders wichtig ist die erste Furche. Dabei dürfen die Fahrer entlang des Feldes drei Markierungsstäbe stecken. Der Fahrer hat wiederum eine Markierung am Traktor, mittels der er sich an den Stäben orientieren kann. Ein Teil des Feldes muss mit schrägen Linien, die nicht parallel zum Feldrand verlaufen, gepflügt werden.

Auch Sven Steinmann aus Ellikon an der Thur wird sich heute mit den besten der Schweiz messen. Der Flugzeugmechaniker findet das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine faszinierend. «Es nützt nichts, wenn man einen Top-Wettkampfpflug besitzt, aber damit nicht umgehen kann.» Die speziell für die Wettkämpfe gemachten Pflüge unterscheiden sich vor allem durch die feineren Einstellungen von den herkömmlichen. «Wo man viel verstellen kann, kann man auch vieles falsch machen», sagt Steinmann. Aus seiner Sicht hat ein Teilnehmer einer Schweizer Meisterschaft mit einem normalen Pflug «zu 95 Prozent keine Chance».

Impressionen von der Weltmeisterschaft im Wettpflügen in Alberta 2013.

Das regionale Trio wird durch Stephan Frieden aus Rickenbach komplettiert. Alle drei sind Mitglied in der Pflügervereinigung Grüt-Rickenbach, Frieden gar im Vorstand, und von der Schweizerischen Pflüger-Vereinigung an die Meisterschaften eingeladen worden. Sonst wäre das Teilnehmerfeld wohl zu dünn ausgefallen. Der Sport ist vor allem im Norden der Schweiz populär, Wettpflüger aus dem Tessin, der West- oder Innerschweiz gibt es keine. Teilnehmer Ernst, sieht diesbezüglich auch ein Problem für die Zukunft: «Die Jungen fehlen uns, es ist ein bisschen ein Problem.» Denn der Zusammenhalt und die Geselligekeit ist neben dem Pflügen ein wichtiger Teil der Pflügervereinigung.

Europameisterschaft folgt am Wochenende

Vielleicht kann ja die Schweizer Meisterschaft oder die Europameisterschaft, die am Wochenende stattfindet, neue Teilnehmer anlocken. Zum vierten Mal und erstmals seit 18 Jahren findet der internationale Wettkampf auf Schweizer Boden statt. OK-Präsident ist der Thurgauer SVP-Nationalrat Hansjörg Walter, der von 2000 bis 2012 Präsident des Schweizerischen Bauernverbandes war.

«Geradeaus fahren zu können ist schon mal eine Grundvoraussetzung.»

Roger Ernst, Teilnehmer Schweizer Meisterschaft im Wettpflügen aus Gundetswil

Im letzten Jahr pflügten die Besten in Schottland um die Wette, der Ire Jer Coakley gewann. Neben ihm treten in Diessenhofen 23 Fahrer aus insgesamt zwölf Nationen an. Der Jüngste ist 19, der Älteste 56 Jahre alt. Die Schweiz wird von Beat Sprenger aus Wintersingen BL und dem Neeracher Peter Ulrich vertreten. Nationalratspräsident Jürg Stahl (SVP) wird als Ehrengast ebenfalls anwesend sein. Insgesamt werden rund tausend Zuschauer erwartet.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch