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KommentarPostenschacher untergräbt den Zusammenhalt

Vetterliwirtschaft zugunsten von Ex-Politikern ist gang und gäbe geworden. Der Grund liegt im Aufstieg der Berufspolitiker.

Der im letzten Herbst abgewählte SP-Nationalrat Corrado Pardini wird von Parteikollegin Simonetta Sommaruga als Verwaltungsrat der Post vorgeschlagen. Dies kommt nicht bei allen gut an.
Der im letzten Herbst abgewählte SP-Nationalrat Corrado Pardini wird von Parteikollegin Simonetta Sommaruga als Verwaltungsrat der Post vorgeschlagen. Dies kommt nicht bei allen gut an.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Simonetta Sommaruga will ihrem Parteigenossen, dem abgewählten SP-Nationalrat Corrado Pardini,
einen lukrativen Nebenjob verschaffen. Sie schlägt ihn als Verwaltungsrat bei der Post vor. Der Postenschacher im Departement für Umwelt, Verkehr und Kommunikation ist nichts Neues.

Die Aufsichtsbehörde der Post präsidiert die ehemalige SP-Ständerätin Géraldine Savary. Sommaruga führte damit fort, was ihre Vorgängerin Doris Leuthard vorgemacht hatte. Diese platzierte enge Parteifreunde an der Spitze der Post und der SRG. Sommaruga ist nicht die einzige Departementschefin, die so verfährt. Bundesrat Alain Berset berief seinen abgewählten Parteikollegen Stéphane Rossini an die Spitze des Bundesamtes für Sozialversicherungen.

Auch Bundesräte anderer Parteien sind vor Vetterliwirtschaft nicht gefeit. Karin Keller-Sutter platzierte ihren FDP-Kollegen Fabio Abate in der Spielbankenkommission. Und der frühere SVP-Nationalrat Jürg Stahl wurde von Guy Parmelin an die Spitze des Nationalfonds gesetzt. Allen diesen Besetzungen haftet der Geruch an, dass da jemand einen Posten bekommen hat, für den er eigentlich nicht geeignet ist. Es verschärft den Eindruck, «die da oben» machten, was ihnen passt. Vetterlischaft gefährdet den Zusammenhalt.

«Milizparlamentarier können gut mit einer Abwahl umgehen und wieder einem ordentlichen Beruf nachgehen.»

Die Bürger erwarten, dass Leistung zählt, nicht Beziehungen. Dies wäre nur mit einem transparenten Verfahren gewährleistet. Dann käme Sommaruga kaum auf die Idee, den in Bern geborenen Pardini als Vertreter der italienischsprachigen Schweiz zu verkaufen.

Es gäbe aber noch eine andere Lösung: Pardini und andere Berufspolitiker könnten sich an das gut-schweizerische Motto «servir et disparaître» («dienen und dann abtreten») erinnern – und einfach abtreten. Ein Milizparlamentarier kann mit einer Abwahl gut umgehen und nach dem Dienst am Land wieder einem ordentlichen Beruf nachgehen – wie alle anderen Bürger auch. Einen Chefposten braucht er nicht.

"In einer früheren Version dieses Kommentars stand, dass Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga eine "Genossin" an die Spitze des Bundesamtes für Umwelt gehievt habe. Die fragliche Person war nie Mitglied der SP."