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Prozess in RusslandPhysiker soll Waffenpläne verraten haben – Haft im Straflager

Ein russisches Gericht hat einen Wissenschaftler verurteilt, weil er geheime Informationen an ein westliches Forschungszentrum weitergegeben haben soll.

Ein Aktivist der linken Gruppe «Set» («Netzwerk»), gestikuliert bei der Urteilsverkündung hinter einer Glasscheibe. Ein russisches Militärgericht hat zwei linke Aktivisten wegen «Mitgliedschaft in einem Terrornetzwerk» zu fünfeinhalb und sieben Jahren Straflager verurteilt. Foto: David Frenkel/Keystone
Ein Aktivist der linken Gruppe «Set» («Netzwerk»), gestikuliert bei der Urteilsverkündung hinter einer Glasscheibe. Ein russisches Militärgericht hat zwei linke Aktivisten wegen «Mitgliedschaft in einem Terrornetzwerk» zu fünfeinhalb und sieben Jahren Straflager verurteilt. Foto: David Frenkel/Keystone
Keystone/AP/David Frenkel

Ein russisches Gericht hat einen Wissenschaftler wegen Hochverrats zu sieben Jahren Straflager verurteilt. Er solle geheime Verschlusssachen an ein der Nato nahestehendes Forschungszentrum weitergegeben haben, meldete die Agentur Interfax am Montag nach dem Richterspruch.

Dabei sei es um Angaben zum Bau neuer Waffen gegangen. Bei dem Prozess in Moskau war die Öffentlichkeit wegen geheimer Informationen nicht zugelassen worden. Deshalb seien auch zentrale Punkte der Anklage nicht öffentlich geworden, hiess es.

Der Physiker habe erklärt, schon seit mehr als 20 Jahren keinen Zugang mehr zu Verschlusssachen gehabt zu haben, sagten seine Verteidiger. Der Wissenschaftler hatte für ein auf Maschinenbau spezialisiertes Forschungsinstitut in Russland gearbeitet. Er wurde vor einem Jahr festgenommen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Pussy Riot-Aktivist zu 15 Tagen Arrest verurteilt

Der russische politische Aktionskünstler Pjotr Wersilow ist zu 15 Tagen Arrest in einer Gefängniszelle verurteilt worden. Er sitze die Strafe dort ab, wo er schon 2018 wegen einer Aktion im Stadion während der Fussball-Weltmeisterschaft den Arrest abgesessen habe, teilte der 32-Jährige am Montag in Moskau mit. Diesmal sei er für lautes Schimpfen bestraft worden, schrieb er im Kurznachrichtendienst Twitter. Die Justiz warf ihm offiziell leichtes Rowdytum vor. Er habe öffentlich Schimpfwörter gerufen, hiess es.

Pjotr Wersilow am 7. September 2018 in Moskau.
Pjotr Wersilow am 7. September 2018 in Moskau.
Foto: Alexander Zemlianichenko/Keystone

Wersilow, der auch Herausgeber des kremlkritischen Internetportals Mediazona ist, macht immer wieder durch politische Aktionen mit der Künstlergruppe Woina und der Punkband Pussy Riot auf sich aufmerksam. Am Sonntag hatte von ihm über Stunden jede Spur gefehlt. Zudem hatte es bei Wersilow, der nach einem mutmasslichen Giftanschlag 2018 in der Berliner Charité behandelt wurde, auch eine Razzia gegeben. Dabei sei es zunächst um Extremismus-Vorwürfe gegangen, sagte er.

Bilder von den Schäden in der Wohnung hatte er im Internet veröffentlicht und sich dann auch mit einer kurzen Video-Botschaft aus der Polizeistation gemeldet. Dort war er insgesamt 13 Stunden lang festgehalten worden. Wersilow und andere Aktivisten haben immer wieder Ärger mit der russischen Polizei und Justiz.

Zwei Frauen der Punkband Pussy Riot waren 2012 nach einem gegen Kremlchef Wladimir Putin gerichteten Gebet in einer Kirche zu Straflager verurteilt worden. Ein dritte Aktivistin kam auf Bewährung frei. Das Vorgehen gegen kremlkritische Künstler löste in der Vergangenheit wiederholt internationale Kritik aus. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg verurteilte nach dem Anti-Putin-Protest in der Kirche den russischen Staat zu Strafen wegen des Vorgehens gegen die drei Pussy-Riot-Frauen.

2018 war Wersilow beim Finalspiel der Fussball-WM mit drei Mitstreitern in Uniformen aufs Spielfeld gelaufen, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Alle vier wurden zu 15 Tagen Arrest verurteilt.

(red/sda)