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Sport in Corona-ZeitenSpieler bejubeln ihre Tore vor Fans auf gigantischen Bildschirmen

Ein dänischer Club erfindet sich neu: Zuschauer können dank eines Videoportals das Spiel ihres Vereins von einem virtuellen Sitzplatz aus verfolgen – und die Fussballer sehen ihren Jubel.

Spieler jubeln vor Leinwänden: Der Aarhus GF reagiert kreativ auf die Corona-Krise.
Spieler jubeln vor Leinwänden: Der Aarhus GF reagiert kreativ auf die Corona-Krise.
agf.dk

Fussball-Europa überlegt sich in diesen Tagen und Wochen, wie es weitergehen soll. Mit Fans? Ohne Fans? Oder gar nicht? Und wenn, gibt es einen Meister? Einen Absteiger? Wer nimmt an der Europa League teil? Und überhaupt: Wer bezahlt den ganzen Spass, wenn die Clubs die Auswirkungen der Corona-Krise nicht mehr selbst stemmen können?

In Dänemark hat man sich geeinigt: Es wird gespielt, aber ohne Fans, es ist das Szenario, das schlussendlich wohl die meisten Ligen anwenden werden. Der dänische Erstligist Aarhus GF hat sich nun aber etwas einfallen lassen, um trotz Krise Fans im Stadion begrüssen zu können. Zumindest virtuell. Auf der Website als Weltneuheit angekündigt, kooperiert der Club mit der Videoplattform Zoom, einem Tool, das auch in der Schweiz in diversen Firmen für Sitzungen zum Einsatz kommt.

Anhänger können virtuelle Eintritte erwerben und so das Spiel aus einem Sektor ihrer Wahl verfolgen. Die Tickets sind gratis, in nur einem Tag wurden 3000 verschenkt. Noch soll das erst der Anfang sein, im Schnitt empfängt Aarhus fast 11’000 Zuschauer pro Spiel. Wer mehrere Tickets ergattert, kann das Spiel über Zoom in einer Art Gruppenchat verfolgen. So ist auch das Problem mit dem Social Distancing überwunden.

«Eine historische digitale Initiative»

Das nächste Spiel findet voraussichtlich am 29. Mai statt, Aarhus empfängt den Randers FC, es ist das erste Fussballspiel im Land seit März. Und die Fans der Gäste? Auch sie dürfen zuschauen, es können auch Plätze im virtuellen Gästesektor gebucht werden. «Es ist in vielerlei Hinsicht ein historisches Spiel, da es das erste Turnierspiel seit langer Zeit sein wird. Wir feiern dies mit einer historischen digitalen Initiative und sind stolz darauf, der erste Club der Welt zu sein, der dies testet», wird Peter Froulund, der Kommunikationsleiter des Clubs, auf der Website zitiert.

Nun, ein Spiel am Laptop aus einer Ecke des Stadions zu verfolgen, mag nicht sehr spannend klingen. Für etwas haben ja auch die Dänen einen Fernseher in ihrer Stube stehen, einen, auf dem auch die Spiele der Superliga übertragen werden. Die Aktion des Clubs soll aber eben nicht nur den Zuschauern dienlich sein, sie soll auch den Spielern auf dem Platz eine möglichst reale Spielatmosphäre ermöglichen. Und so werden vor dem Spiel zig Leinwände im Stadion aufgestellt, auf der die Akteure die Fans sehen, die sich ein Ticket ergattert hatten. Die Bilder, auf denen Spieler vor gigantischen Bildschirmen ihre Tore bejubeln? Bestimmt unbezahlbar.

(mro)