40'400 Blitze – zwei Swiss-Maschinen getroffen

Eine heftige Gewitterfront zog mit Hagel und Sturmböen über die Schweiz und sorgte für Ausnahmesituationen.

Blitze tanzen über den Zürcher Himmel. (Archivbild) Foto: Alessandro Della Bella/Keystone

Blitze tanzen über den Zürcher Himmel. (Archivbild) Foto: Alessandro Della Bella/Keystone

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In Teilen der Schweiz gab es am Dienstag kräftige Gewitter. Laut dem Wetterdienst Meteonews zuckten rund 40'400 Blitze am Himmel. Zwei davon trafen Flugzeuge der Swiss, und in Schaffhausen kam es wegen Blitzeinschlägen zu Bränden. Verletzt wurde niemand.

Die meisten Einschläge gab es seit Dienstag um Mitternacht und bis zum späten Abend im Kanton Bern, wie Meteonews am Dienstag mitteilte. Dahinter folgten die Kantone St. Gallen und Zürich.

Ausserdem kamen an einigen Orten grosse Mengen an Niederschlägen zusammen. Am meisten regnete es in den letzten 24 Stunden in Oberneunforn TG mit 53 Millimetern. Am Flughafen Zürich-Kloten wurden 49 Millimeter Niederschlag registriert. Dies entspricht knapp der Hälfte der im August üblichen Regenmenge von 108 Millimetern. Vor allem in der Westschweiz und im Berner Oberland zeigte sich zwischen den Gewitterwolken vom Morgen und jenen am Nachmittag und Abend auch die Sonne. Dabei kletterten die Temperaturen rasant in die Höhe; in Genf wurden 30,2 Grad gemessen.

Flugzeuge von Blitzen getroffen

Ein paar wenige der rund 40'400 Blitze sorgten für Unruhe: Zum Beispiel mussten zwei A321-Maschinen der Swiss nach dem Start in Zürich umkehren, nachdem sie von Blitzen getroffen worden waren. Für die Passagiere bestand nach Angaben der Fluggesellschaft keine Gefahr. Die erste Maschine war auf dem Weg nach Amsterdam. An Bord befanden sich 165 Passagiere. Wegen eines Gewitters über dem Flughafen war der Airbus A321 mit mehr als anderthalb Stunden Verspätung um 9 Uhr gestartet, wie Swiss-Mediensprecherin Meike Fuhlrott zu einer Meldung von 20min.ch sagte. Anderthalb Stunden später hätte die Maschine Amsterdam erreichen sollen.

Kurz nach dem Start wurde das Flugzeug jedoch von einem Blitz getroffen. Die Piloten stellten zwar keine Auswirkungen fest, entschieden sich aber, nach Zürich zurückzukehren.

Die Route des Fluges LX 724. Screenshot: Flightradar24

Das sei die normale Prozedur nach einem Blitzeinschlag, erklärte die Mediensprecherin. In Zürich gebe es die beste Wartungsinfrastruktur, um Flugzeuge nach Blitzschlägen auf allenfalls verborgene Schäden zu kontrollieren. Der getroffene Airbus setzte 40 Minuten nach dem Start wieder in Zürich auf. Die Landung verlief problemlos.

Maschine nach Lissabon ebenfalls getroffen

Am frühen Nachmittag wurde ein weiterer Airbus A321 ebenfalls kurz nach dem Start von einem Blitz getroffen. Die Maschine war mit 158 Passagieren an Bord nach Lissabon unterwegs. Auch in diesem Fall bemerkten die Piloten keine Auswirkungen, kehrten aber für eine Überprüfung zurück.

Flug LX2804 wurde kurz nach Bern von einem Blitz getroffen. Screenshot: Flightradar24

Die Maschine startete um 12.26 Uhr in Kloten und war bis zum Blitzeinschlag rund 20 Minuten unterwegs. Die Passagiere wurden danach vom Captain über die Rückkehr informiert, der Airbus landete um 13.06 wieder in Kloten.

Die Passagiere beider Flüge wurden auf andere Verbindungen umgebucht, auch solche von anderen Fluggesellschaften. Blitzschläge in Flugzeuge könnten bei bestimmten Wettersituationen vorkommen, sagte Fuhlrott. Zwei an einem Tag seien aber die grosse Ausnahme.

Gewitter und Starkregen

Der Flugbetrieb in Kloten war bereits seit dem frühen Morgen beeinträchtigt, weil heftige Gewitter über die Schweiz zogen. Es regnete vielerorts kräftig. Das könne laut Stefan Scherrer von Meteonews lokal zu Überschwemmungen führen, da es schon seit Stunden stark regnet. Insbesondere Unterführungen und tiefer gelegene Orte seien gefährdet. Auch muss weiterhin mit heftigen Sturmböen gerechnet werden.

Zwischen 6.57 Uhr und 8.12 Uhr herrschte am Flughafen Zürich ein sogenannter «Handlingstopp». Dies bedeutet, dass die Mitarbeiter das Aussengelände des Flughafens nicht betreten durften. Grund dafür war das anhaltende Gewitter.

Aus Sicherheitsgründen durften sich während des Gewitters keine Flughafenmitarbeiter im Freien aufhalten und die Flugzeuge startklar machen, erklärte Sonja Zöchling, Kommunikationschefin des Flughafens. Das Gewitter habe sich während dieser Zeit unmittelbar über dem Flughafen befunden. Als Folge konnten die Maschinen ihre Docks und Standplätze nicht verlassen.

Für die Maschinen selber hätten die Blitze keine Gefahr bedeutet, erklärte Zöchling. Deshalb konnten auch alle ankommenden Maschinen ohne weiteres landen. Vom Abfertigungsstopp betroffen waren etwa 40 Flugzeuge. Deren Passagiere mussten teilweise in den Kabinen warten.

Fast 3000 Blitze im Kanton Thurgau

Bereits in der Nacht auf Dienstag waren heftige Gewitter über die Schweiz gezogen. Die Gewitter gingen mit der Entladung tausender Blitze einher. Allein im Kanton Thurgau wurden 2955 Blitze gezählt, in Zürich waren es 2519 Blitze, wie der Wetterdienst Meteonews meldete. Im Aargau zählten die Meteorologen 1439 und im St. Gallischen 1149 Blitze.

Im Lauf des Morgens drangen Gewitterzellen auch in Gebiete zwischen dem Kanton Solothurn und dem Bodensee sowie ins Berner Oberland und die Zentralschweiz vor.

Kombiniert mit den zuckenden Blitzen am Himmel fielen zwischen Montag um 22 Uhr und Dienstag 8.20 Uhr lokal beträchtliche Mengen Regen. In Oberneunform TG etwa fielen 37 Liter pro Quadratmeter und in Amriswil TG 36. Über 30 Liter Regen fielen vor allem im Thurgau, aber auch Winterthur wurde mit 30 Litern tüchtig geduscht.

Für den Abend wurden von Westen her erneut Schauer und Gewitter erwartet. Dabei wurden Starkregen, Sturmböen und lokal Hagel nicht ausgeschlossen. Auch in der Nacht auf Mittwoch dürfte es weiter gewittern.

AKW Beznau wurde abgeschaltet

Der Block 1 des AKW Beznau im Kanton Aargau ist in der Nacht auf Dienstag abgeschaltet worden. Der Grund für die Schnellabschaltung ist gemäss Energiekonzern Axpo eine Störung im Unterwerk.

Die Anlage sei in stabilem Zustand, teilte Axpo mit. Der Reaktor solle in Absprache mit dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) im Laufe des Dienstagvormittags wieder hochgefahren werden.

Um 1.34 Uhr war gemäss Axpo im Unterwerk Beznau eine 220 Kilovolt- Sammelschiene – wahrscheinlich in Folge eines Blitzschlags – ausgefallen. Damit war der Abtransport des im AKW produzierten Stroms teilweise nicht mehr gewährleistet. Dies führte im Block 1 zu einer Schnellabschaltung und im Block 2 zu einem Lastabwurf, bei dem die Leistung auf den Eigenbedarf reduziert wurde. Ab 3.50 Uhr konnte im Block 2 die Leistung wieder erhöht werden.

Es wurde erwartet, dass Block 1 im Verlauf des Vormittags mit dem 220kV-Netz synchronisiert werden könne und die Produktion wieder aufnehme.

Die Anlage reagierte gemäss Axpo auslegungsgemäss und die Sicherheit der Mitarbeitenden sowie der Bevölkerung war jederzeit gewährleistet. Die Aufsichtsbehörde ENSI sowie weitere relevante Stellen wurden vorschriftsgemäss informiert.

Feuer in Schaffhausen

Die Blitzschläge verursachten auch Feuer: Am frühen Morgen löste ein Blitzeinschlag in Schaffhausen einen Brand im Dachstock einer Villa aus. Ein weiterer Blitz schlug in Schaffhausen ebenfalls am frühen Morgen in ein Mehrfamilienhaus ein. Der Dachstock fing Feuer und musste von der Feuerwehr gelöscht werden.

Die Gewitter vom Dienstagnachmittag sorgten im Kanton Bern für umgestürzte Bäume und überflutete Keller. Die Berner Kantonspolizei erhielt zwischen 15 und 17 Uhr 45 Schadensmeldungen. (aru/fal/sda)

Erstellt: 06.08.2019, 23:23 Uhr

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