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Zwischen Himmel und Erde in Thüringen

Auch ausserhalb der sehenswerten Hauptstadt Erfurt hat das Bundesland Thüringen viel zu bieten: Zahlreiche Kleinstädte mit bedeutsamer Vergangenheit sowie viel Natur. Lehrreich ist ein Besuch im Nationalpark Hainich.

Hoch oben verläuft der Baumkronenpfad, der vom Turm aus gut zu überblicken ist.
Hoch oben verläuft der Baumkronenpfad, der vom Turm aus gut zu überblicken ist.
Peter Granwehr

Möchten Sie einmal mit alten Bäumen auf Augenhöhe sein? Der Baumkronenpfad im Nationalpark Hainich macht’s möglich. An seinem östlichen Rand, zehn Kilometer von Bad Langensalza entfernt, erhebt sich ein runder Turm mit einer orangefarbenen Aussichtsplattform inmitten von Bäumen. Eine Wendeltreppe führt um den Turm, von der in zehn Metern Höhe der metallene Pfad abzweigt und in zwei Schleifen stetig leicht ansteigend auf Baumwipfelhöhe (24 Meter) führt.

Irgendwann auf diesem 534 Meter langen Pfad überkommt einen das Gefühl, zwischen Himmel und Erde zu schweben, gestreichelt von einem sanften Lüftchen und eingebettet in ein Meer von Blättern. Vor sich, beziehungsweise – von der 44 Meter hohen Plattform des Turms aus – unter sich, erstreckt sich das grösste zusammenhängende Laubwaldgebiet Deutschlands, 13 000 Hektaren (130 Qudratkilometer) gross, als Teil eines Muschelkalk-Höhenzugs namens Hainich. 7500 ha (7,5 Quadratkilometer) davon sind als Nationalpark ausgewiesen. Dieser ist seit 2011 Teil des Unesco-Weltnaturerbes «Buchenurwälder der Karpaten und Alte Buchenwälder Deutschlands».

Hier, im Grenzgebiet der ehemaligen DDR, konnten sich in den letzten 50 Jahren Wälder entwickeln, die den ursprünglichen Laubwäldern Mitteleuropas sehr nahe kommen. 49 Baumarten sind bisher nachgewiesen, darunter die dominierende Rotbuche, aber auch Esche, Ahorne, Eichen, Hainbuche, Linde oder Ulme. Ebenso 1600 Pilz- und 180 Vogelarten und sogar Wildkatzen. Spannend zu beobachten ist auch der Wiederbewaldungsprozess, der sich auf den Freiflächen des einstigen Militärübungsgebiets Kindel seit der Wende von 1989/90 abspielt.

Wartburg und Bad Langensalza

Ganz am Ende der Welt befindet man sich im Hainich aber nicht: Bei optimalem Wetter kann man von ihm aus die Wartburg erkennen – eine der prominentesten Burganlagen Deutschlands. Martin Luther übersetzte dort in «Sicherheitshaft» das Neue Testament aus dem Griechischen ins Deutsche. Und vor 200 Jahren fand dort das erste Wartburgfest statt, an dem die deutsche Einheit in Freiheit gefordert wurde.

Ein «Denkmal deutscher Geschichte und Kunst» nannte Grossherzog Alexander von Sachsen 1907 in einem Gedenkband die Burg, nachdem er sie während 50 Jahren umfassend restaurieren liess. Genau genommen ist die Wartburg eine Anlage, die primär das Geschichtsverständnis des späten 19. Jahrhunderts reflektiert. So oder so – ihre Popularität hat sie nicht eingebüsst: 350 000 Besucher finden sich jährlich auf der langgezogenen Burganlage ein.

Der zweite Bezugspunkt des Hainich ist Bad Langensalza, auf deren Gebiet sich der Nationalpark befindet. Die Stadt wurde im Mittelalter dank dem Handel mit Färberwaid, einer Pflanze zum Blaufärben, reich. Das zeigt sich noch heute an seiner grossen, mittlerweile weitgehend restaurierten Altstadt, die von der teilweise erhaltenen Stadtmauer umschlossen wird: Riegelhäuser teils aus dem 14. Jahrhundert, Bürgerhäuser aus dem heimischen Travertin, die gotische Marktkirche mit ihrem 81 Meter hohen Turm, die spätgotische Bergkirche St. Stephan und das Rathaus mit seiner prunkvollen Fassade prägen das Bild. Bemerkenswert ist auch Schloss Dryburg innerhalb der Mauern.

Anstelle des Färberwaids sorgen seit gut 200 Jahren Schwefelquellen für Wohlstand, die eine Kurtradition begründeten und Bad Langensalza zu einem staatlich anerkannten Kurort gemacht haben. Dank ihrer zehn Parks und Themengärten weist die Stadt ein zusätzliches Plus im touristischen Wettbewerb auf.

Das Land der Residenzen

Thüringen ist eines der kleinsten Bundesländer und war bis in die Moderne Inbegriff deutscher Kleinstaaterei. Dafür gilt es als «Herzland deutscher Kultur» und als «Land der Residenzen». Neben Weimar ist hier Gotha zu nennen, seit 1640 Regierungssitz der Wettiner Herzöge von Sachsen-Gotha. Ihnen ist die grösste frühbarocke Schlossanlage Deutschlands zu verdanken, Schloss Friedenstein.

Hier verkehrten Berühmtheiten wie Voltaire, Goethe oder Napoleon. In vier Museen erlebt der Besucher einzigartige Sammlungen der Herzöge aus Natur, Kunst und Geschichte sowie prunkvolle fürstliche Repräsentationsgemächer. In einem Turm befindet sich das barocke Ekhoftheater, das noch die originale Bühnenmaschinerie aufweist, die im Sommer im Rahmen des Ekhof-Festivals genutzt wird.

Das Schloss liegt im ältesten Englischen Garten des Kontinents, in dem sich auf der Südseite das Herzogliche Museum mit den Kunstsammlungen der Herzöge befindet. Auf der Nordseite des Schlossbergs öffnet sich die Parkanlage zur Altstadt: Entlang der Wasserkunst, einer dreiteiligen Wasserspiel- und Brunnenanlage, führt der Weg auf den Hauptmarkt mit dem historischen Rathaus und sorgsam restaurierten Bürgerhäusern, die vom einstigen Wohlstand der Stadt zeugen. Erwähnt seien auch die Margarethenkirche mit der Grablege der Herzogsfamilie sowie die Augustinerkirche, in der Luther predigte, mit dem ehemaligen Augustinerkloster und seinem gotischen Kreuzgang.

Bei Schiller in Rudolstadt

Goethe war auch in Rudolstadt, einem Städtchen, das ebenfalls von einer grossen Schlossanlage dominiert wird. Grund für sein Kommen war Friedrich Schiller, mit dem er sich am 7. September 1788 im Garten der Familie von Lengefeld traf. Schiller verbrachte 1788 den Sommer im Haus der Familie, wo er seine spätere Ehefrau Charlotte von Lengefeld und ihre Schwester Caroline kennenlernte.

Heute ist das «Schillerhaus» ein Museum, in dem diese Dreiecksbeziehung ausgebreitet wird. Wahrzeichen von Rudolstadt ist aber Schloss Heidecks­burg, das hoch über der Altstadt thront. Es zählt zu den prunkvollsten Barockschlössern Thüringens; zu besichtigen sind neben den fürstlichen Repräsentations- und Wohnräumen unter anderem eine Porzellangalerie, ein Naturhistorisches Museum sowie die Kunstsammlungen.

Der Schlosshof mündet in eine ausgedehnte Parkanlage mit zwei Gartenterrassen. Ein unglaublicher Reichtum, der sich hier ausbreitet in diesem Land der Residenzen.

Diese Seite ist das Resultat einer von Thüringen Tourismus organisierten individuellen Pressereise.www.nationalpark-hainich.dewww.thueringen-entdecken.de

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