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Wo der Gast sich wohlfühlt wie die Made im sardischen Käse

Familien geniessen Ferien auf Sardinien genauso wie Sportler und Gourmets, auch in der Nebensaison. Dies dank einem breiten Freizeitangebot sowie herzlichen Gastgebern und deren Spezialitäten.

Touristen schätzen die langen Sandstrände Sardiniens wie diesen nahe Orosei. Im Mai sind die Strände noch fast leer, zieht es in der Nebensaison doch nur wenige Badetouristen auf die Insel – dafür viele Velofahrer.
Touristen schätzen die langen Sandstrände Sardiniens wie diesen nahe Orosei. Im Mai sind die Strände noch fast leer, zieht es in der Nebensaison doch nur wenige Badetouristen auf die Insel – dafür viele Velofahrer.
Kathrin Morf
Ricotta und Honig gibt Guide Simone Dessena  (l.) aufs Pan Carasau, das sardische Brot der Hirten, das Schafhirte Antonio Sio für Wanderer bereit hält.
Ricotta und Honig gibt Guide Simone Dessena (l.) aufs Pan Carasau, das sardische Brot der Hirten, das Schafhirte Antonio Sio für Wanderer bereit hält.
Kathrin Morf
Sardinien.
Sardinien.
Quelle d-maps, Grafik mb
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In Sardinien scheint auf den ersten Blick alles etwas klein geraten, die Häuser genauso wie die Sarden selbst, und auch Flora und Fauna streben nicht nach Höherem: Die Kühe auf den Weiden sind von kleinem Wuchs und die Büsche und Bäume sind gedrungen, als würden sie sich vor dem Wind ducken. Ein Besuch auf der italienischen Insel zeigt jedoch, dass sich dort durchaus Grosses finden lässt.

Viele Hotels auf Sardinien erwachen bloss während dreier Monate im Hochsommer aus ihrem Dornröschenschlaf, ein Besuch der Insel lohnt sich aber auch in der Nebensaison. Im Frühling und Herbst trifft man beispielsweise auf zahlreiche Motorrad- und Velofahrer, die schätzen, dass ihnen die Hitze nicht innert Sekunden allen Schweiss aus den Poren treibt.

Als Residenz von April bis Oktober bietet sich das Tirreno Resort des Schweizer Ferienvereins in Orosei an (siehe Kasten). Die Ferienanlage verfügt über einen riesigen Pool, der anmutet, als könnte dort die Fähre verkehren, die Sardinien mit dem Festland verbindet. «Fünf Tage dauert es, den Pool mit zwei Millionen Liter Wasser zu füllen», erklärt Direktor Luc Schwarz.

Staubaufwirbelnde Exkursion

Auch wenn das Resort alleine Familien, Erholungssüchtige und Sportler glücklich macht: Die Umgebung nicht zu erkundigen, wäre ein Versäumnis. Auf einem Ausflug lernt die Schweizer Reisegruppe beispielsweise das Städtchen Orosei kennen, wo Marmor abgetragen und in alle Welt verschifft wird. Sie wandert weissen Stränden entlang, vor denen das Mittelmeer türkisfarben funkelt, als wolle es der Karibik Konkurrenz machen. Und sie erkundigt per Quad den 860 Hektar umfassenden Naturpark Biderrosa.

Die stinkenden Benzinschlucker seien kein Widerspruch zur schützenswerten Natur, versichert Guide Simone Dessena. «Mithilfe der Quads sorgen wir dafür, dass die Pfade für die Feuerwehr immer frei sind.» Und so brausen die Touristen auf ihren Gefährten über die holprigen Wege und atmen dabei den schweren Duft der überall gedeihenden Wildkräuter ein, wobei Atemschutzmasken dafür sorgen, dass sich jener Duft nicht mit zuviel vom aufgewirbelten Staub mischt.

Von Seide und Wandbildern

Mit dem Jeep geht es weiter ins Bergdorf Orgoloso, das Touristen anzieht wie der Sardische Käse die Maden, doch zum Kulinarischen später. In Orgoloso wird gelbe Seide produziert, aber die Touristen kommen in erster Linie der Murales wegen. Die Geburtsstunde jener Wandbilder mit politischen oder philosophischen Botschaften war ein Protest im Jahr 1969: In der Gegend war ein NATO-Truppenübungsplatz geplant, was das Volk friedlich bekämpfte – mit Blockaden, Gesang und besagten Murales.

Die Pazifisten zeitigten gewissermassen doppelten Erfolg: Soldaten und Panzer blieben der Gegend fern und stattdessen kamen bald die Touristen, um die Wandbilder zu bestaunen. Diese widmen sich heutzutage Problemen aus aller Welt: An einer Wand wird gegen das Abschlachten von Haien protestiert, an einer anderen macht sich Einstein höchstpersönlich gegen die Atomkraft stark.

Zu Gast beim Bergvolk

Dass die Sarden sich gegen die NATO wehrten, kommt nicht von ungefähr: Sie haben gelernt, Grossen die Stirn zu bieten. All den fremden Mächten zum Beispiel, die ihr Eiland im Laufe der Geschichte begehrten. Um nicht vor ihren Feinden überrascht zu werden, zogen sich die Sarden ins hügelige Innere der Insel zurück. «Wir sind eigentlich ein Bergvolk, keine Insulaner», sagt Dessena.

Und in diesen Bergen lässt es sich gut wandern, weswegen der Jeep der Touristengruppe weiter ins Landesinnere ruckelt, über sattgrüne Ebenen, durch die sich Flüsse an Kakteen und Wildblumen vorbei winden. Sehr hoch ist kein Berg in Sardinien, eine Wanderung vermag einem folglich kaum den Atem zu rauben.

Wohl aber tut dies die Aussicht auf das Hinterland mit seinen dicht bewaldeten Canyons, wo sich einst Gesetzlose versteckten. Auf dem Rückweg legen die Wanderer eine Rast bei einem Schafhirten ein, wo unter knorrigen Bäumen eine gedeckte Tafel wartet. Hungrig verschlingen sie unter anderem Pan Carasau, das Brot der Hirten, mit frischem Ricotta und Honig.

Von Kaviar, Wurst und Maden

Da die Gruppe nun Lust auf die sardische Küche erhalten hat, lässt sie sich während einer Degustation im Tirreno Resort zeigen, wie beeindruckend die Bandbreite an Würsten oder auch Weinen von der Insel ist. Pflicht ist auch die Verkostung des «Nationalgetränks» Mirto, einem Beerenlikör. «Wird einem Gast Mirto angeboten, sollte er ihn trinken. Sonst wird er nie wieder eingeladen», sagt Direktor Schwarz schmunzelnd.

Berühmt sind die Sarden für ihren Pecorino Sardo, den Schafskäse, und geradezu berüchtigt für die verdorbene Variante, den Casu Marzu. In jenen Käse legen Fliegen während der Herstellung ihre Eier ab, sodass die Maden einem beim Verzehr regelrecht entgegenhüpfen.

Vielleicht sind lebende Maden im Essen nicht jedermanns Geschmack, aber jedermann lernt Sardinien zu schätzen. Denn auf der Insel, auf der so vieles auf den ersten Blick klein wirkt, erweist sich vieles als gross: Die Möglichkeit zur Freizeitgestaltung beispielsweise, die Herzlichkeit der Gastgeber und die Auswahl an leckeren Spezialitäten, die dem Touristen aufgetischt werden, bis auch sein Bauch nicht mehr so klein ist wie zu Beginn der Ferien.

Zu dieser Reise hat der Schweizer Ferienverein eingeladen.

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