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Wie Frau Meise vom Café zur Mode gekommen ist

Die Kleider sind schlicht, die Oversizeformen im Trend – und doch ist die Mode von Claudia Nabholz zeitlos. Die 36-Jährige ist eine Quereinsteigerin. Gerade darum ist sie wohl mit ihrem eigenen Modelabel und ihrem Café Frau Meise in Baden so erfolgreich.

Das Lieblingsstück von Claudia Nabholz aus der aktuellen Winterkollektion: der zweifarbige Wollmantel.
Das Lieblingsstück von Claudia Nabholz aus der aktuellen Winterkollektion: der zweifarbige Wollmantel.
Claudia Nabholz

Was sie beginnt, das gelingt. So scheint es zumindest. Doch ihr Erfolg kommt nicht von ungefähr. Claudia Nabholz ist eine Macherin. Ihr Café Frau Meise in Baden ist auch eine Boutique und eine Pension. Daneben stellt sie seit 2012 Mode für ihr eigenes Label her. Ihre Kleider, die sie bereits in diversen Geschäften verkauft, sind gefragt. Die 36-jährige junge Mutter ist offen, und wenn sie zu erzählen beginnt, folgt ein Gedanke dem andern. Die Wörter sprudeln nur so aus ihr heraus und die Fragen sind zum Teil schneller beantwortet, als sie gestellt sind.

Schon im Studium genäht

«Ich habe mich schon während meines Psychologiestudiums sehr für Mode interessiert und viel genäht», sagt sie. Und durch ihre Café-Boutique in Baden ist sie ins Designen von Kleidern «hineingerutscht». «Ich verkaufte Mode von jungen Schweizer Designern, dabei lernte ich viele interessante Leute kennen, die mir ihre Welt näherbrachten.»

«Ich merkte schnell, dass ich nicht für einen Nine-to-Five-Job gemacht bin.»

Claudia Nabholz

Studiert hatte sie allerdings etwas ganz anderes. Auf das Psychologiestudium folgten Sozial- und Wirschaftspsychologie mit Betriebswirtschaftslehre im Nebenfach. Nach ihrem Master 2008 verschlug es sieins Management-Development in einem grossen Energieunternehmen. «Die Arbeit war interessant und eigentlich war es ein Traumjob. Ich merkte aber schnell, dass ich nicht für einen Nine-to-Five-Job gemacht bin.» Am Morgen ins Büro, den Computer aufstarten, immer zur gleichen Zeit Znüni- und Mittagspause, das war nichts für sie.

Und so kam es, dass sie in Hamburg in einem Café sass ­­– sie war gerade zu Besuch bei ihrer Schwester, die dort arbeitete ­– und dachte: «Das wäre etwas für mich. So ein Café zu führen, würde mir gefallen.» Noch während ihrer Ferien begann sie sich Gedanken darüber zu machen, wie das Café aussehen könnte. «Auch die Speisekarte und die Preise hatte ich schon im Kopf.»

Der Zufall im Spiel

Wieder zu Hause, arbeitete sie zusammen mit ihrem Vater, einem Unternehmensberater, einen Businessplan aus. «Er stellte mir gute Fragen, wie zum Beispiel, wie lange ich überleben könnte, auch wenn das Café einmal nicht läuft.» Und wie es der Zufall so will, entdeckte sie kurz darauf in der Badener Altstadt Räumlichkeiten, die zum Mieten ausgeschrieben waren.

«Die Lage war ideal, der Vermieter von meinem Konzept begeistert und zwei Wochen nach meiner ersten Idee hatte ich den Mietvertrag unterschrieben.» Als sie realisierte, dass sie nun plötzlich Mieterin eines Cafés war, wurde es ihr schon etwas mulmig. «Aber ich hatte ja noch fünf Monate Zeit.» In denen sie das Wirtepatent machte, das Café umbaute und ihren Job kündigte. Das ist nun acht Jahre her.

Das Café Frau Meise

Inzwischen hat sich das Café Frau Meise in Baden etabliert. «Es war sicher nicht immer einfach, aber ich hatte Glück, auch mit meinen Mitarbeiterinnen, die mitdenken und ihre eigenen Ideen einbringen.» Derzeit beschäftigt sie 14 Mitarbeiterinnen in Teilzeitpensen, zusammengerechnet wären es etwa vier Hundertprozentstellen. Viele von ihren Mitarbeiterinnen sind Studentinnen – oder Künstlerinnen. Auch eine Yogalehrerin und die Mutter von Claudia Nabholz sind darunter. Sie backt alle Kuchen und kocht einmal in der Woche das Mittagessen.

Geführt wird der Betrieb von zwei der Mitarbeiterinnen. Denn: Zum Zeitpunkt des Gesprächs befindet sich Claudia Nabholz im Mutterschaftsurlaub. Mitte Juli wurde sie Mami von einer kleinen Tochter. Schon vorher pendelte sie nur noch für zwei Tage in der Woche nach Baden, um in der Café-Pension hinter der Theke zu stehen. Seit drei Jahren lebt Claudia Nabholz in Zürich und erledigt im Café vor allem noch alles hinter den Kulissen. In Baden ist sie noch immer als Frau Meise bekannt.

Eine Autodidaktin

Auch bei der Produktion ihrer Kleider habe sich vor der Geburt ihrer Tochter alles perfekt ineinandergefügt, erzählt sie weiter. «Die Winterkollektion war bereit, mein Geschäftspartner, der in Thailand die Produktion überwacht, über alles informiert.» Claudia Nabholz ist eine Autodidaktin. Zwar besuchte sie verschiedene Modedesignkurse im In- und Ausland, unter anderem an der London School of Fashion. Das Nähen hat sie sich aber selber beigebracht.

Die ersten beiden Kollektionen stellte sie von A bis Z selber her. «Das war wichtig, nur so konnte ich lernen, worauf es ankommt, wenn alle Teile gleich aussehen müssen.» Für sich selber zu nähen, sei viel einfacher, da könne man auch mal schummeln.

«Einer Quereinsteigerin wie mir fällt es manchmal vielleicht leichter, bekannte Pfade zu verlassen.»

Claudia Nabholz

Die dritte Kollektion liess sie im Tessin von traditionellen Schneiderinnen produzieren. Die Zusammenarbeit funktionierte jedoch nicht optimal. «Sie kamen mit meinen Ideen der Verarbeitung nicht immer klar», sagt Nabholz. Viele ihrer Teile haben keine Säume und sind unten oder an den Ärmelabschlüssen nur geschnitten – wie etwa bei ihrem Wollmantel der Winterkollektion. Claudia Nabholz ist überzeugt, dass es manchmal wichtig ist, bekannte Pfade zu verlassen. «Einer Quereinsteigerin wie mir fällt das manchmal vielleicht einfacher.»

Produktion in Thailand

Heute lässt sie ihre Mode in einem kleinen Atelier in Thailand nähen. Ein Freund, der in der Schweiz aufgewachsen und im Heimatland seiner Mutter eine Produktionsstätte gegründet hat, ist für die Überwachung der Produktion zuständig. «Das funktioniert perfekt. Da er selber Desi­gner ist, weiss er, was ich mir vorstelle. Die Arbeitsbedingungen vor Ort, das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Verarbeitung stimmen.» Die Schnitte und die Prototypen entwickelt die Unternehmerin noch alle selber, zu Hause in ihrem Atelier in ihrer Wohnung im Kreis 5 in Zürich.

Ihre Kleider sind schlicht und trendig übergross geschnitten und zeitlos. «Ich will Lieblingsstücke herstellen, die mehrere Jahre getragen werden können», betont sie. Nabholz gibt jeweils zwei Kollektionen pro Jahr heraus, eine für Frühjahr/Sommer und eine für Herbst und Winter. Die meisten Kleidungsstück nur in einer Grösse. «Da sie oversize geschnitten sind, können sie von Frauen mit den unterschiedlichsten Figuren getragen werden.» Die Kleider passen bei Konfektionsgrössen von 34 bis 42. «Sie sehen einfach an jeder Frau anders aus.»

Die Designerin hält ihre Kollektionen klein. Sie umfassen jeweils rund 15 Teile und jedes der Teile gibt es etwa 15- bis 20-mal. Denn: «Für das Lager im Kellerzu produzieren, habe ich keine Lust.» Bisher konnte sie ihre Kollektionen denn auch bis auf die letzten Stücke verkaufen. Die Macherin trägt ihre Kleider selber und hat in jeder ihrer Kollektionen ein Lieblingsstück. In diesem Winter ist es der zweifarbige Wollmantel.

Stoffe sind Inspiration

Ihre Inspirationen kommen mit den Stoffen. «Es sind die Farben und das Material, die mir die Ideen liefern. Die Stoffe anzufassen und sie zu fühlen.» Claudia Nabholz verarbeitet vor allem Naturmaterialien, im Winter hauptsächlich Merinowolle und feinen Cashmere, im Sommer Baumwolle, Leinen und Seide.

Auch Viskose (eine Cellulosefaser) ist darunter. «Viskose ist sehr vielseitig.» Manchmal sehe sie aus wie ein hochwertiger Baumwollstoff und dann falle sie weich und schmeichle dem Körper. Die meisten Stoffe bezieht sie von einem deutschen Produzenten, der diese in Europa anfertigt. Neu lässt sie zudem einmal pro Jahr bei einem italienischen Hersteller im Digitaldruck ihren eigenen Stoff herstellen.

Claudia Nabholz vertritt nicht nur bei den Kleidern ihren eigenen Stil. Ihre Frisur, ein Bob mit geraden und kurz geschnittenen Fransen, ist ihr ganz persönliches Markenzeichen. «Der Bob verändert sich, einmal ist er länger, einmal kürzer. Die Fransen aber sind immer gleich.» Nur zu Beginn ihrer Schwangerschaft, «als die Hormone verrückt spielten», liess sie die Fransen für kurze Zeit wachsen.

«Doch ich stellte schnell fest, das bin nicht ich.» Und so sind die Fransen beimGespräch wieder so, wie sie die letzten 20 Jahre waren – gerade geschnitten.

Nächste Woche, vom 2. bis 5. November, präsentiert Claudia Nabholz ihre Mode an der Designgut in Winterthur und vom 15. bis 18. November an der Blickfang in Zürich. Weitere Informationen auch unter:www.claudianabholz.ch, www.fraumeise.ch, www.blickfang.ch

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