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Wenn es auf der Haut wuchert und spriesst

Eine schwere Akne kann die Jugend zur Hölle machen. Doch heute stehen wirksame Behandlungsmethoden zur Verfügung.

Akne: Weshalb sie bei einigen Menschen so stark auftritt und bei anderen weniger, ist bis heute nicht abschliessend geklärt.
Akne: Weshalb sie bei einigen Menschen so stark auftritt und bei anderen weniger, ist bis heute nicht abschliessend geklärt.
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Unreine Haut – bei diesem Begriff bekommt Severin Läuchli Pickel. Der Arzt leitet die Akne-Sprechstunde am Universitätsspital Zürich (USZ) und sieht tagtäglich Ratsuchende, die psychisch stark unter ihren Hautproblemen leiden. «Die kosmetische Industrie will uns suggerieren, dass Akne etwas mit mangelnder Hygiene zu tun hat», enerviert sich der Dermatologe. «Das ist falsch und bedenklich. Die Betroffenen sind schon genügend gestraft.» Es handle sich um ein schweres Krankheitsbild, das häufig mit Depressionen und Schwierigkeiten bei der Partnersuche einhergehe, weiss Läuchli.

Junge Männer sind häufiger betroffen

Vier von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 24 Jahren machen ihre Erfahrungen mit Akne. In der Pubertät setzt die Ausschüttung der männlichen Geschlechtshormone, der Androgene, ein. Schwere Verläufe sind deshalb bei Männern häufiger. Doch auch Frauen sind betroffen, weil auch der weibliche Körper eine kleine Menge Androgene herstellt.

Die Hormone führen zu einer verstärkten Produktion von Talg – in der Fachsprache Seborrhoe. Die Talgdrüsen befinden sich an der Wurzel der Härchen, die überall auf der Haut verteilt sind. Das natürliche Körperfett bildet einen Schutz für die Haut. Es hält sie geschmeidig und verhindert starkes Austrocknen.

Es bilden sich Ansammlungen

Doch wenn sich gleichzeitig die Hornzellen verdichten, verengt sich der Ausflussgang und der Talg kann nicht austreten. Es bilden sich Ansammlungen, die an der Hautoberfläche als Erhebungen sichtbar werden. In Kontakt mit Sauerstoff färbt sich der Talg dunkel und es entstehen die schwarzen Punkte namens Komedonen, besser bekannt als Mitesser.

Kommen Bakterien dazu, entwickeln sich daraus rote Papeln und mit Eiter gefüllte Pusteln. Am häufigsten treten sie im Gesicht, auf – an den Wangen, dem Kinn und der Stirn -, sowie an der Brust und am oberen Rücken; manchmal auch in den Körperfalten (Achseln, Intimbereich und Kreuzbein).

Bei jedem fünften ist eine Behandlung angezeigt

Bei den meisten löst sich das Problem nach der Adoleszensphase von selber wieder. Doch bei knapp jedem fünften dieser Altersgruppe ist die Ausprägung so stark, dass eine medizinische Behandlung angezeigt ist. «Viele gehen nicht zum Arzt, weil sie glauben, dieser interessiere sich nicht dafür», sagt Läuchli. Doch wenn man nichts unternehme, können aus den Pusteln Narben erwachsen, die das Gesicht dauerhaft entstellen.

Wieso Akne bei einigen Menschen so stark auftritt und bei anderen weniger, ist bis heute nicht abschliessend geklärt. Fest steht, dass eine genetische Veranlagung eine wichtige Rolle spielt. Wenn beide Elternteile an einer ausgeprägten Akne leiden, liegt die Chance bei 50 Prozent, dass auch der Nachwuchs betroffen ist. Auch ein Zusammenhang mit der psychischen Verfassung ist wahrscheinlich. Viele Betroffene berichten von besonders starken Schüben bei Stress, Schlafmangel oder in schwierigen Lebenssituationen.

Salami und Schoggi sind nicht schuld

Hingegen würden die meisten Ratschläge, die im Internet und im Volksmund kursieren, auf Mythen basieren, stellt Severin Läuchli klar. Die Meinung, dass Pommes Chips, Schokolade oder Salami Pickel spriessen lassen, ist weit verbreitet. «Man bekommt den Eindruck, was gut schmeckt, könne gar nicht gesund sein.» Doch ein klarer Zusammenhang mit einzelnen Lebensmitteln konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

Allerdings haben Forschende beobachtet, dass das Problem bei gewissen asiatischen Inselvölkern deutlich seltener auftritt als bei uns. Man geht davon aus, dass das Phänomen etwas mit den verschiedenen Ernährungsgewohnheiten zu tun hat. Ungünstig wirken sich wahrscheinlich grosse Mengen an Milchprodukten aus. Es gebe Hinweise darauf, dass Nahrungsmittel, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen, Anke begünstigen, sagt Brigitte Baru, Ernährungsberaterin am USZ. Dazu gehören etwa Weissbrot und Kartoffeln.

Omega-3-Fettsäuren können helfen

Omega-3-Fettsäuren, wie sie unter anderem in Fischölkapseln oder Baumnüssen enthalten sind, könnten zu einer leichteren Verbesserung führen, sagt Baru. Generelle Empfehlungen zum Essverhalten seien aber nicht möglich. «Am besten ist wohl eine ausgewogene Ernährung, kombiniert mit genügend Bewegung und einem angemessenen Körpergewicht.»

Die ganz schlimmen Bilder von roten Knoten und Pusteln, die das ganze Gesicht entstellen, sieht man bei uns heutzutage kaum mehr. Denn bei den Behandlungsmöglichkeiten wurden in den letzten Jahren grosse Fortschritte erzielt. Welche davon die richtige ist, hängt von der Stärke der Akne und dem individuellen Leidensdruck ab. Meist probiert man es zuerst mit sanfteren Methoden, die kaum Nebenwirkungen haben. Bei hartnäckigem Verlauf stehen wirksame Mittel zur Verfügung, die jedoch unter ärztliche Aufsicht gehören.

Der Artikel ist auf der Basis einer öffentlichen Informationsveranstaltung entstanden, welche das Universitätsspital Zürich durchgeführt hat.

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