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Wenn das Bushäuschen auch ein Ausflugsziel ist

Die Landschaft im Vorarlberg erinnert ans Appenzellerland. Doch anstelle der typischen Appenzellerhäuser, die wirken als wären sie über die Hügel gestreut, fallen hier die modernen Bauten auf – mitten im Dorf oder einsam an der Strasse.

Zugegeben. Wir wären nicht in Krumbach unterwegs, wenn hier nicht das Projekt «BUS:STOP» gebaut worden wäre. Denn was gäbe es da schon zu sehen? Ausser der grünen, hügeligen Landschaft und den etwas abgelegenen Weilern? Doch die Krumbacher haben ihre Heimat zu einem Ausflugsziel für Touristen gemacht.

Als das Dorf im Bregenzerwald 2010 die Bushalstestellen erneuern musste, entschieden sich dessen Bewohner nicht für praktische, unauffällige Bauten. Nein, sie beauftragten Dietmar Steiner, den damaligen Direktor des Architekturzentrums Wien, sieben internationale Architekten zu engagieren. Sie sollten sieben ausgefallene Bushaltestellen entwerfen.

Bretterbeige mit Splittern

Und so stehen heute in Krumbach am Strassenrand auffällige Bushäuschen. Einige bieten den Wartenden Wetterschutz, wie sie es sollten, andere nicht. Durch die Bretterbeige der spanischen Architekten Anton Garcia-Abril und Debora Mesa, zum Beispiel, zieht der Wind und die Wartenden müssen damit rechnen, dass Holzsplitter in ihrem Mantel hängen bleiben.

Die Architekten waren zu einer Erkundungstour in den Bregenzerwald eingeladen worden. Die Spanier waren in einem Hotel einquartiert, das neben einer Holzwerkstätte stand, und derart fasziniert von den unbehandelten Eichenbrettern, dass sie ihr Bushäuschen genauso gestalten wollten. Mit allen Vor- und Nachteilen.

Eine Camera Obscura

Auch durch die filigrane Holzkonstruktion von Wang Shu und Lu Wenyu aus China bläst der Wind. Den Pritzker-Preisträgern war es wichtig, dass die Wartenden in beiden Richtungen freie Sicht auf die Landschaft haben: Sie planten einen konischen Raum, der sich zur Strasse öffnet und an der Rückwand ein Fenster hat. Dadurch wird der Blick in die Landschaft wie bei einer Camera Obscura gerahmt.

Rundumsicht hat man im Bushäuschen des Chilenen Smiljan Radic: In seinem Glashaus sind die Wartenden zwar vor Wind und Regen sicher, nicht aber vor den Blicken der Passanten oder der Sonne: Smiljan Radic Häuschen ist eine gläserne Stube, mit Kassettendecke (auch Felderdecke) und bäuerlichen Holzsesseln. Sie wirkt fast so, als wäre sie aus einem Bauernhaus herausgeschnitten und in die Landschaft gesetzt worden.

Zwölf Rundwege

Auch in den Dörfern trifft man überall auf zeitgenössische Architektur. Oft stehen die moderne Bauten direkt neben traditionellen Holzhäusern. Wie die Menschen hier ihr Leben gestalten oder gestaltet haben, erfahren Interessierte auf den zwölf Rundwegen des Projekts «Umgang Bregenzerwald».

In den Dorfrundgängen werden private und öffentliche Gebäude vorgestellt, moderne wie historische. Eine Box mit zwölf Foldern und Infosäulen vor den Gebäuden liefern die Details dazu. Die Rundwege brauchen etwas Zeit – laut Unterlagen je nach Dorf eineinhalb bis vier Stunden. Allerdings empfiehlt es sich, einen geführten Rundgang zu mitzumachen (Infos siehe Box).

Wir starten den Rundgang in Bad Reuthe ­— wegen des dicht gedrängten Programms — erst am Abend , und müssen ihn abbrechen. Wir können die Infosäulen nicht entdecken und Wegweiser gibt es nicht. Einziges Hilfsmittel sind die Folder, die ohne zusätzliche Karte für uns schwer lesbar sind. Die Infosäulen seien absichtlich dezent platziert, wird uns gesagt. Schade drum. Etwas weniger Zurückhaltung und eine deutlich sichtbare Ausschilderung wären wünschenswert.

Die Reise wurde ermöglicht durch Bregenzerwald Tourismus und Bodensee-Vorarlberg Tourismus.www.bregenzerwald.atwww.bodensee-vorarlberg.com

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