Zürich

«Weihnachten ist eine wohltuende Insel im Strom der Arbeitswelt»

Am 10. Dezember stellt die Zürcher Singer-/Songwriterin Maël im Kaufleuten ihr Album «Feels Like Christmas» – eine etwas andere Weihnachtsplatte – vor.

Maël hat  die USA mehrmals bereist. Das Land fasziniert sie, sie fühlte sich von Beginn weg wohl und heimisch. Deshalb singt und textet sie in Englisch.

Maël hat die USA mehrmals bereist. Das Land fasziniert sie, sie fühlte sich von Beginn weg wohl und heimisch. Deshalb singt und textet sie in Englisch. Bild: Martin Allemann

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Es ist für die Jahreszeit angenehm mild. So sitze ich mit Maël am Zürichseeufer, die buntbeleuchtete Fähre gleitet vorbei und viele Lichter spiegeln sich im Wasser – fast wie an Weihnachten. Doch vorher haben wir uns im gutbürgerlichen Lokal, der Steinburg in Küsnacht, über Musik, das Leben und Musik unterhalten.

Mit bürgerlichem Namen heissen Sie Marlis Bösiger. Klingt irgendwie nicht so musikbusinesstauglich. Deshalb Ihr Künstlername Maël, was bedeutet dieser?
Maël: In Bretonisch Prinzessin. Er kommt im Klang Marlis nahe, ist kurz und prägnant.

In welcher Situation sind Sie «Prinzessin» und wo eher das Gegenteil?
Wer hat als Kind nicht geträumt eine solche zu sein. Meine nicht so prinzessinnenlike Seite… nun ich bin ein Mensch, der den Unangenehmem mit Offenheit entgegentritt. Ich stelle mich darauf ein, das Beste daraus zu machen. Es gibt Dinge die neben dem Prinzessinenhaften – sinnbildlich Musikmachen – erledigt sein müssen. Wenn etwas schief läuft ist das auch spannend. Man lernt daraus und entwickelt sich weiter.

Ihre Wurzeln sind aber wohl nicht bretonisch...
Nein, gar nicht. Ich bin in Dietikon aufgewachsen. Mein Vater war in seinen Jugendjahren ein guter Pianist. Wir hörten – in unseren Ohren – gute Musik. Südstaatenrock, Country und Blues. Mit sechs Jahren bekam ich eine Ukulele geschenkt, ein Jahr später eine Gitarre. Singen war immer eine grosse Leidenschaft und das tat ich in einem klassischen oder Gospelchor. Wenn ich etwas anpacke dann mache ich es richtig. Folglich besuchte ich in Zürich die Jazzschule. Dort wurde ich ermuntert, selber Lieder zu komponieren. Ich fand es gibt so viel tolle Musik, wozu soll ich da auch noch mitmischen...

Bisher hat man Sie eher wenig in der hiesigen Musiklandschaft wahrgenommen. Woran liegt das?
Bei der Masse an Musik ist es schwierig aufzufallen und am Radio gespielt zu werden. Vor allem dann, wenn es der Musikerin nicht primär darum geht, einen Hit zu landen – wobei ich einen solchen natürlich nicht ausschlagen würde – sondern um die Freude am Musizieren. Mir reicht es, mich kreativ ausleben zu dürfen.

Sie haben sich mehrfach in die USA «abgesetzt», sich dort musikalisch zu verwirklichen?
Vor vier Jahren hatte mein Mann sechs Autofahrstunden von Nashville entfernt ein berufliches Meeting. Ich fand das ist ein Katzensprung in die Musikmetropole, da will ich hin. Also setzte ich mich mit Noten, drei fertigen Songs – einen Refrain schrieb ich über den Wolken – in den Flieger. Ich wusste noch am Morgen vor der Aufnahme nicht, welchen Song ich den Musikern im Studio vorlegen möchte. Schliesslich entschied ich mich für «Hibernation» (Winterschlaf).

Wie muss man sich das vorstellen. Man klingelt bei einem Tonstudio und nimmt schnell mal einen Song auf?
Es geht in den Staaten diesbezüglich alles viel schneller als bei uns. Durch einen Bekannten meines Mannes kam der Kontakt zum Qounty Q Studio zustande. Es ist also nicht so – filmisch dokumentiert– dass man wie Johnny Cash eben mal in Memphis in ein Studio «latscht», ein Bündel Dollarnoten auf’s Mischpult schmeisst und aufnimmt. Die Studioverantwortlichen wollten erst wissen, was ich bisher so gemacht habe. Sie hörten sich mein erstes Album «Snake in the Desert» an und das hat sie schliesslich überzeugt, mit mir zu arbeiten. Extra für die wenig bekannte Maël aus der Schweiz wurde eine Band aus Studiomusikern zusammengestellt. Darunter auch der Keyboarder Dane Bryant, welcher derzeit mit Olivia Newton John in deren Las Vegas Show Erfolge feiert.

Und dann...
Ich kam ins Studio, die Musiker sassen bereit und ich verteilte Musiknotenblätter. Wir gruppierten uns um einen Flügel und arrangierten den Titel. Ich erklärte wie ich beispielsweise den Schlagzeug-Groove haben will und dass das Lied offen, also fliessend enden soll. Kaum zehn Minuten später verzog ich mich zum aufnehmen der Pilot-Gesangspartie (wird nur für die Musiker verwendet) in die schalldichte Box. Die Band spielte ihren Part wenige Male aufs «Band» und ich sang schliesslich auf diese Spuren. Nach eineinhalb Stunden gingen wir Mittagessen. Als wir zurückkamen war der Song abgemischt und fertig. Mein Produzent Philippe Kuhn war erst skeptisch, schliesslich aber vom Resultat begeistert.

Also seid ihr ein Jahr später hingeflogen um ein ganzes Album aufzunehmen?
Wir produzierten in zweieinhalb Tagen zwölf Songs zu «Cookin’ Music». Mit meinem Mann verbrachte ich Weihnachten in Houston. Amerika fasziniert mich, ich fühlte mich von Beginn weg wohl und heimisch.

Deshalb singen Sie nicht Mundart?
Aus diesem Gefühl der Verbundenheit heraus singe und texte ich in Englisch. Mundart nicht aber wenn, dann Hochdeutsch.

Ist man in den Staaten nicht ein noch kleineres Pünktchen als hierzulande auf der Musikkarte. Wird man überhaupt wahr-genommen?
Wenn Musiker zusammenkommen nehmen sie dich ernst, man respektiert einander. Dann heisst es «jammen» bis sich alle spüren, einander verbunden fühlen und eins werden.

Wenn Sie komponieren, kommt da erst die Geschichte und dann die Melodie?
Beides gleichzeitig. Ich habe eine Idee, ein Lebensthema welches ich verarbeiten möchte. Ich setzte mich ans Klavier und zu den gedachten Lyrics fliessen die Töne.

Sind Ihre Lieder also autobiografisch?
Ja, sie wiederspiegeln mein Leben mit allen Hochs und Tiefs.

Also ist Komponieren auch Psychotherapie?
Sicher, eine Art musikalisches Tagebuch.

Die Idee eine Weihnachts-CD zu produzieren kam Ihnen in Houston. Wie feierten Sie dort Weihnachten, abgehoben am «Weltraumfahrtsbahnhof»?
Am 23. Dezember badeten wir am Strand. Einen Tag später, im kleinen Skiörtchen «Snowmass» bei Aspen (Colorado), gefror uns bei minus 40 Grad der Weisswein. Das Fest dort ist fröhlich, lustig und man tanzt, während es hier besinnlich, fast schon melancholisch, gar etwas traurig zu und her geht. Es gibt Christmas-Shops die das ganze Jahr offen haben und die verlasse ich nicht, ohne eine schöne Weihnachtskugel erworben zu haben.

Was war denn die Motivation eine CD mit eigenen Weinachtsliedern aufzunehmen?
Gerade weil ich weniger bekannt bin muss ich nicht auch noch bekannte Weihnachtslieder covern. Ich habe zu dieser Zeit passende eigene Gedanken ­– eben «Feels Like Christmas». Die Themen der Lieder beschreiben nicht allein das Fest, manche fühlen sich einfach wie Weihnachten an. Glück und Leid. Ich bin ein ängstlicher Mensch, beschreibe das im Song «Fear Is A Killer». Dieser steht aber auch sinnbildlich dafür, Angst zu haben, Gefühle zuzulassen, sich zu öffnen. Ich möchte mit meinen Liedern nicht aufringlich sein, sondern anstubsen, eigene Geschichten wieder zu entdecken.

Wie haben Sie als Kind dieses Fest erlebt?
Traumhaft. Ich legte mich unter die Tanne betrachtete die Kugeln, diesen Glanz, dieser Kitsch und fühlte den Zauber. Heute singe ich die Liedzeile «Island in the stream» – Weihnachten als wohltuende Insel in der hektischen Arbeitswelt. Auf welcher ein Vater mal mit seinen Kindern ein «Nussknacker-Balett» besucht und eine Träne vergiesst. Hat die Menschheit einen gemeinsamen Fokus fühlen sie sich zusammengehörig, wohl und verstanden.

So unterschiedlich die Lieder auf «Feels Like Christmas» sind, werden sie von einem roten Geschenkband zusammen-gehalten?
Von Maël, meinem Leben.


Mael – «Christmas Special»Samstag, 10. Dezember, 17 Uhr,
(Tür 16 Uhr). Kaufleuten, Zürich.
Tickets: www.kaufleuten.ch.
Infos: www.mael-music.ch.

Erstellt: 02.12.2016, 14:59 Uhr

Ticketverlosung

Maël – Die «Zürichsee Zeitung» verlost 2x2 Tickets (inkl. CD) für dieses Konzert. Die Gewinner werden per Mail informiert.
Kennwort: Maël
Teilnahme: kostenlos per E-Mail an ticketverlosung@zsz.ch bis Montag, 5. Dezember, 8 Uhr. Über die Verlosung wird keine Korrespondenz geführt. Die Teilnahme ist nur einmal pro Person möglich; Mitarbeiter von Tamedia sowie deren im selben Haushalt lebende Angehörige sind nicht teilnahmeberechtigt.

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