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Was Salz und Silber am Inn bewirkt haben

Das Inntal unterhalb von Innsbruck ist eine wichtige Transitachse mit hohem Verkehrsaufkommen. An deren Rändern aber liegen einige Städte, deren einzigartige Geschichte ihnen ein touristisch wertvolles Erbe hinterlassen hat.

Das Fuggerhaus in Seilberstadt Schwaz, von wo aus die Financiers des Kaisers die Fäden zogen.
Das Fuggerhaus in Seilberstadt Schwaz, von wo aus die Financiers des Kaisers die Fäden zogen.
Peter Granwehr

Wer den Zug auf der Inntalstrecke in Hall oder in Schwaz verlässt, hat nicht den Eindruck, am Nabel der Welt angelangt zu sein. Niemand käme auf die Idee, dass hier einmal alles ganz anders war. Ironischerweise war es gerade die Eröffnung der Eisenbahnlinie Kufstein – Innsbruck 1858, die den beiden Städtchen auch noch die letzte Aktivität einer einst glanzvollen Vergangenheit weggenommen hatte – die Inn-Schifffahrt.

Die Natur meinte es gut

Doch die verblieben Zeugen der einstigen Grösse lohnen einen Aufenthalt sowohl in Hall wie im 15 Kilometer flussabwärts gelegenen Schwaz, beides gemütliche Plätze mit rund 13‘000 Einwohnern. Die Natur meinte es gut mit dieser Gegend: Der Salzreichtum im Halltal, reiche Silber- und Kupfervorkommen in den Schwazer Bergen sowie der schiffbare Inn als Transportachse, der bei Hall leichter als anderswo überquert werden konnte, bildeten ein einzigartiges Bündel von Vorzügen.

1303 erhielt Hall das Stadtrecht und bald eine Brücke über den Inn, wodurch ein Verkehrskreuz auf Fluss und Strasse Richtung Brennerpass entstand. So wurde Hall zum wichtigsten Handelszentrum in Nordtirol. Dort befand sich schon die Saline, wo die in Holzrohren in die Stadt geleitete Sole aus dem zehn Kilometer entfernten Salzbergwerk versotten wurde. Das dazu nötige Holz wurde sogar aus dem Engadin innabwärts getriftet und mittels eines parallel zur Brücke konstruierten Holzrechens aufgefangen.

Der Geburtsort des Talers

Das «weisse Gold» – damals war Salz eine Kostbarkeit – wurde bis in die Schweiz und an den Oberrhein exportiert und machte Hall reich, ebenso wie die Tatsache, dass der Holzrechen den Inn als Transportweg unterbrach, sodass die Waren umgeladen und von Haller Spediteuren und Schiffleuten weiterbefördert werden mussten.

Im Unterschied zu Schwaz war Hall gut befestigt, was 1477 wohl mit ein Grund für Erzherzog Sigmund war, die Münzprägestätte von Meran, der früheren Hauptstadt der Grafschaft Tirol, hierher zu verlegen. In Hall wurde 1486 der erste Taler geschlagen, der in Europa bis ins 19. Jahrhundert eine der bedeutendsten Silbermünzen war und im Wort «Dollar» weiter lebt.

Das Silber kam aus dem nahen Schwaz, das im 15. Jahrhundert innert weniger Jahrzehnte einen gewaltigen Aufschwung erlebte. Der Abbau löste ab 1420 eine massive Zuwanderung von Facharbeitern, Bergknappen genannt, aus Böhmen und Sachsen aus. Bis weit ins 16. Jahrhundert war Schwaz der weltweit grösste Silberproduzent und eine Grossstadt mit 20‘000 Einwohnern, im Habsburgerreich nur von Wien übertroffen. 1520 erwarben die Fugger aus Augsburg die Berganteile und stiegen zur reichsten Handelsfamilie auf.

Der Boom und die Kirche

Noch heute erinnern in Schwaz das Fuggerhaus an die Präsenz dieser Kaufleute und Bankiers sowie die Liebfrauenkirche an den ungewöhnlichen Boom: 1429 nach einem Brand erweitert, musste sie ab 1460 und erneut ab 1490 vergrössert werden.

Seither ist sie die grösste gotische Hallenkirche Tirols mit vier Schiffen, wovon zwei gleichrangig sind: das eine für die Bürger, das andere für die Knappen. Alle Rekorde brach auch die in Innsbruck angefertigte und 1502 gelieferte Glocke: 4,5 Tonnen wog sie und brachte im Lauf der Jahrhunderte den Kirchturm in eine schiefe Position. Deshalb wurde auf dem anliegenden ehemaligen Friedhof 1911 ein neuer Turm errichtet, in dem die alte Glocke heute noch läutet.

Sehenswürdigkeiten

Sehenswert in Schwaz sind auch der imposante Dachstuhl der Kirche, der angrenzende Stadtpark und die zweistöckige Totenkapelle. Ferner das Franziskanerkloster, dessen Bettelordenskirche als die schönste im Alpenraum gilt, das Rathaus, ein ehemaliges Handelshaus, sowie das Palais Enzenberg , das die städtische Galerie beherbergt.

Alle diese Sehenswürdigkeiten stammen aus der Boomzeit um 1500. Nicht auslassen sollte man schliesslich die Burg Freundsberg hoch über dem Städtchen, von wo aus man eine weite Aussicht über Schwaz und das Inntal geniesst. Dort kann man sich im Bergbau- und Heimatmuseum über die lokale Geschichte informieren.

Die Altstadt von Hall ist kompakter und nach Jahren des Verfalls als Ensemble bewahrt und behutsam restauriert worden. Das Zentrum bildet der Obere Stadtplatz mit dem Rathaus und der Pfarrkirche St. Nikolaus, eine gotische Hallenkirche. Ganz anders am Stiftsplatz im Südosten der Altstadt, wo mit der ehemaligen Jesuitenkirche und der Stiftskirche der Barock dominiert.

Zwischen Inn und Zentrum finden sich noch einige Gebäude der ehemaligen Saline mit neuen Funktionen. Östlich davon steht die Burg Hasegg mit dem Münzerturm, dem Wahrzeichen Halls. Stadt- und Münzmuseum befinden sich in der Anlage. Letzteres wurde 2003 neu gestaltet und enthält seither eine nachgebaute Walzenprägemaschine von 1595.

Rattenberg und Kufstein

Weiter innabwärts stösst man auf zwei Städte, deren Geschichte durch die Grenznähe und den Inn geprägt war: Rattenberg und Kufstein, die beide erst seit 1504 zu Tirol beziehungsweise Österreich gehören. Entsprechend gross war ihre militärische Bedeutung: Rattenberg, mit 440 Einwohnern Österreichs kleinste Stadt, liegt eingeklemmt zwischen einem befestigten Burgfelsen und dem Inn und hat ihr mittelalterliches Stadtbild weitgehend erhalten.

Sehenswert sind vor allem der Schlossberg, das Augustinermuseum sowie die Hauptgasse, die Südtiroler-Strasse. Die Stadt ist für ihre Glasherstellung und -veredelung bekannt, was ihr zahlreiche Einkaufstouristen beschert.

Kufstein schliesslich, weltweit durch das gleichnamige Lied als «Perle Tirols» bekannt, wird durch seine Festung geprägt.

Das massige Bollwerk ist in seiner Weitläufigkeit fast eine Stadt in der Stadt. Zu finden sind dort unter anderem drei Museen zu lokalen Themen, die «Heldenorgel» als grösste Freiorgel der Welt, die täglich um 12 Uhr gespielt wird, oder ein 60 Meter tiefer Brunnen, der in 26-jähriger Arbeit abgeteuft wurde. Eine mobile Überdachung eines Teils der Festung ermöglicht deren Nutzung für Konzerte und Veranstaltungen.

Die Stadt, die im Zweiten Weltkrieg viele historische Bauten verlor, vermarktet sich auch als Einkaufsort zum Flanieren und weist mit der Firma Riedel ebenfalls eine Glashütte auf, die gut geführte Werksbesichtigungen anbietet.

www.hall-wattens.at, www.silberregion-karwendel.com, www.kufstein.com, www.rattenberg.at

Diese Seite ist das Resultat einer von Tirol Werbung organisierten individuellen Pressereise.

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