Digitale Zukunft

Schöne neue Welt? Eine Zeitreise in die digitale Zukunft

Jörg Eugster aus St. Gallerkappel bricht eine Lanze für die Digitalisierung. Der Internet-Unternehmer schildert in einem Buch eine Zeitreise in eine glänzende digitale Zukunft.

Über Kontaktlinsen ständig mit dem Internet verbunden?  Der Internet-Unternehmer Jörg Eugster zeichnet in seinem Buch ein Bild der digitalen Zukunft um das Jahr 2030.

Über Kontaktlinsen ständig mit dem Internet verbunden? Der Internet-Unternehmer Jörg Eugster zeichnet in seinem Buch ein Bild der digitalen Zukunft um das Jahr 2030. Bild: shotshop

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Im Jahr 2030 befördern selbstfahrende Elektro-Autos Passagiere, ohne je im Stau steckenzubleiben. Eingekauft wird online, Geschäfte dienen nur noch als Showroom. Drohnen liefern die Waren, die ein 3-D-Drucker produziert hat. Über Kontaktlinsen ist man ständig mit dem Internet verbunden.

Kinder werden am heimischen Computer von Avataren unterrichtet, Gleichaltrige treffen sie in Projektgruppen.Der Hausarzt ist eine App in der Matrix. Ein Roboter schiebt Nachtwache im Pflegeheim. Nach dem Tod wird man – programmiert aus seinen abgespeicherten Erinnerungen – selbst zum Avatar. Das beschreibt Jörg Eugster in seinem Buch «Übermorgen. Eine Zeitreise in unsere Digitale Zukunft.»

Ideen, die heute schon ausprobiert werden

Seine Vorhersagen beruhen auf Ideen, die heute schon ausprobiert werden. Fantasie hat er also nur gebraucht, um allen Versuchs-Projekten zu dem Erfolg zu verhelfen, den er ihnen wünscht. Der Wirtschaftswissenschaftler ist sicher, dass die Digitalisierung im Grossen und Ganzen ein Segen für die Menschheit ist.

Um davon auch andere zu überzeugen, hat er das Buch geschrieben. Am liebsten würde er jedem Politiker ein Exemplar überreichen, damit sich das Thema verbreitet: «Ich bin kein Missionar – das ist für mich durch die Kirche ein negativ besetzter Begriff – aber ich bin ein Botschafter der Digitalisierung. Ich will sie ins rechte Licht rücken. Und ich weiss aus meinen Vorträgen, dass die Menschen davon fasziniert sind.»

Oft ändern die Leute ihre Einstellung

Anfangs lehnten Viele digitale Dienstleistungen ab, sei es der GPS-Schrittzähler oder der Roboter-Assistent im Altersheim. Wenn man ihnen aber erkläre, was genau es damit auf sich habe, ändere sich die Einstellung oft. Eine Leserin habe ihm geschrieben, das Buch habe sie zum Nachdenken angeregt: «Das ist doch der Idealfall», sagt Eugster.

«Der Markt entscheidet – jedes Angebot verschwindet, wenn es keine Nutzer generiert.»

Jörg Eugster, Internet-Unternehmer und Autor

Ihm selbst macht keine der modernen Entwicklungen Angst. «Der Markt entscheidet – wenn es keinen Nutzen generiert, verschwindet jedes Angebot.» Eine Ausnahme macht allerdings auch der Optimist: «Digitalisierung in den Händen eines totalitären Regimes ist eine Gefahr. In den USA und bei uns in der Schweiz ist man sich dessen weniger bewusst.

In Deutschland geht man anders mit dem Datenschutz um

In Deutschland geht man mit dem Datenschutz aufgrund der historischen Erfahrungen vorsichtiger um.» Ein Staat, der seine Bürger kontrollieren wolle, könne das über digitale Medien leichter tun als früher, als er auf Spitzel und Denunzianten angewiesen gewesen sei.

«Das allerdings ist ein Horrorszenario, das ich gerne verdränge.» Unternehmen jedenfalls würden uns nicht über Gebühr ausforschen, solange wir Alternativen haben. «Wenn Google Datenmissbrauch betreibt, wechselt man eben zu Suchmaschine Swisscows.» Das sei den Konzernen durchaus bewusst, also benähmen sie sich korrekt.

Einige der heutigen Berufe werden verschwinden

Blauäugigkeit kann man Eugster nicht vorwerfen. Er sieht durchaus die Nachteile der Digitalisierung. Einige Jobs werde es nicht mehr geben, zitiert er aus der Forschung. Telefonverkäufer, Steuerberater, Schiedsrichter und Immobilienmakler müssten sich demnach nach einem neuen Betätigungsfeld umsehen. Archäologen, Choreografen, Mediziner und Psychologen werden dagegen wohl immer gebraucht.

Buchautoren gehören ebenfalls zu einer gefährdeten Spezies. Bots – spezielle Internetprogramme – können heute schon Nachrichten schreiben, bis zum Fachbuch ist es nur noch ein kleiner Schritt. Im sogenannten «postfaktischen Zeitalter» sorgen Algorithmen nicht nur für Fake News. Künstliche Intelligenz wird nach Eugster zukünftig dazu beitragen, online verbreitete Lügen zu entlarven.

Er beruft sich auf aktuelle Entwicklungen

Bei seinen Thesen zum Zustand der Arbeitswelt in 13 Jahren beruft sich der Internetpionier auf aktuelle Entwicklungen: «In der Logistik-Branche ist der Mensch dabei, sich selbst abzuschaffen. Es gab so viele Streiks, dass Versandhändler lieber in Roboter investierten.» Man stehe heute vor der Wahl, sich anpassen oder im «digitalen Tsunami» unterzugehen. «Die Veränderung kommt mit so viel Macht, dass man sich ihr nicht entziehen kann.»

Und da nicht jeder überflüssige Chauffeur zum Software-Entwickler umschulen könne, müsse man über kurz oder lang mit einer Zwei-Klassen-Gesellschaft rechnen: «Es wird Menschen geben, die arbeiten dürfen und andere, die vom bedingungslosen Grundeinkommen leben. Sie könnten über ein Belohnungssystem angeregt werden, soziale Arbeit zu leisten.» Auf diese Weise könne weiterhin jeder das Gefühl haben gebraucht zu werden.

Ein Meister der Selbstvermarktung

Jörg Eugster ist ein Marketing-Profi – auch in eigener Sache. So hat er sich schon vor Jahren eine Farbe als Markenzeichen ausgesucht: Bei ihm ist alles Türkis, von den Socken über die Brille bis zum Skihelm. «Angefangen hat das, als ich zwanzig war. Ich habe eine Farbanalyse machen lassen und erfuhr: ich bin ein Frühlingstyp. Als ich dann noch hörte, dass in der Farblehre Türkis mit universellen Verständnis und Kreativität verbunden wird und in der Esoterik Türkis ein neues Zeitalter einläutet, hatte ich meine ‹Corporate Color› gefunden.»

Seit ich mein Wissen öffentlich teile, muss ich keine Aufträge mehr akquirieren, weil ich als Experte wahrgenommen werde.Jörg Eugster, Internet-Unternehmer und Autor

Damals sei er mit der Farbpalette in der Hand in einen Laden gegangen, um ein türkises Hemd zu kaufen. «Die Verkäuferin hat mich angeschaut, als sei ich der Mann vom Mond.» Inzwischen ist er quasi zum Trendsetter geworden. «Normalerweise lief ich der Mode immer zehn Jahre hinterher, aber bei den bunten Socken war ich meiner Zeit ausnahmsweise voraus.»

Mit seinem Buch festigte er seinen Ruf

Als Marketing-Massnahme verteilt er einen Teil der Auflage an Unternehmer und Manager, denn mit dem Buch festigt er seinen Ruf als Internet-Experte, den er mit einem online veröffentlichten Ratgeber «Wie fischt man Kunden aus dem Internet» begründet hatte. «Seit ich mein Wissen öffentlich teile, muss ich keine Aufträge mehr akquirieren, weil ich als Experte wahrgenommen werde.»

Gleichzeitig ist der Autor nicht ganz uneitel. Der spezielle Lack auf dem Buchdeckel hat ihn pro Exemplar sieben Rappen gekostet, das Papier ist für edlen Vierfarbdruck ausgelegt, damit die Abbildungen wirken. Die Entscheidung für das Titelbild haben die Facebook-Freunde von Eugster mitübernommen. «Eigentlich war ein anderes Bild geplant. Ich habe es zur Diskussion gestellt, und es wurde verworfen.»

Auch inhaltlich war die Online-Gemeinde beteiligt. «Ich hatte auf Facebook gepostet, dass ich zum Schreiben nach Gran Canaria fliege, und ich bekam sehr interessierte Kommentare. 40 Menschen wollten vorab lesen, was ich schrieb. Zwanzig von ihnen haben mir detailliertes Feedback zu ihren Spezialthemen gegeben, so dass ich ihre Sicht der Dinge noch in das gedruckte Buch einbringen konnte.» Wer sich jetzt noch an der Diskussion beteiligen möchte, kann das über den Blog https://uebermorgen.vision machen.

Das Buch «Übermorgen. Eine Zeitreise in die digitale Zukunft» von Jörg Eugster kann man online unter //wifimaku.com/uebermorgen kostenlos lesen. Kaufen kann man es für 33 Franken im Buchhandel oder als E-Book über Online-Shops. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 05.07.2017, 17:19 Uhr

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