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«Ich setze um, was ich persönlich lustig finde»

Er kann gute Hefezöpfe backen, aber noch viel besser kann er mit seinen Cartoons Menschen unterhalten: Ralph Ruthe – zum Beispiel mit «Shit happens!».

Ralph Ruthe ist in seinem Herzen Komiker und tut, was ein guter Komiker zu tun pflegt: Er bringt Leute zum Lachen.
Ralph Ruthe ist in seinem Herzen Komiker und tut, was ein guter Komiker zu tun pflegt: Er bringt Leute zum Lachen.
zvg

Welchen Comic oder Cartoon mögen Sie besonders gern?Ralph Ruthe:Ich muss gestehen, dass ich selbst seit vielen Jahren keine Comics und Cartoons mehr lese. Tendenziell finde ich die Medien Film, Serien und Live-Show viel interessanter, weil meine Arbeit sich auch immer mehr in diese Richtungen entwickelt hat. Grundsätzlich schätze ich aber die Arbeit meiner Kollegen, wie zum Beispiel Joscha Sauer, Perscheid, Rattelschneck und Haderer.

Was macht für Sie einen guten Cartoon oder Comic aus? Da es sich dabei um zwei unterschiedliche Medien handelt, lässt sich das nicht so einfach beantworten. Ein Comic ist eine sequentielle Erzählung, die in mehreren Bildern eine Geschichte transportiert. Die Qualität hängt hier zum einen von der grafischen Umsetzung ab, aber auch von der Art und Weise, wie die Handlung erzählt wird. Ein guter Cartoon hingegen übermittelt in einem einzigen Bild eine Pointe und das, im besten Fall, möglichst knackig und auf den Punkt.

Warum Cartoons und nicht eine andere zeichnerische Richtung? Ich wollte als Kind eigentlich lange Comicerzählungen im Stil von «Tim und Struppi» texten und zeichnen, habe dann aber als Teenager die Werke von Gary Larson entdeckt und war begeistert davon, dass man mit dermassen begrenzten Mitteln eine komische, vielschichtige Situation transportieren kann. Das wollte ich auch machen!

Sie sind aber nicht ausschliesslich beim Cartoon geblieben. Allerdings habe ich in der Vergangenheit auch Comics getextet und gezeichnet, ausserdem produziere ich heute Animationsfilme. Ich bin und war also in zahlreichen unterschiedlichen zeichnerischen Richtungen unterwegs.

Sprechen wir nun über Ihre Serie «Shit happens!», dessen kurze Episoden als Animationsfilme unter anderem auf Youtube zu sehen sind – wo sie übrigens beachtliche Besucherzahlen verzeichnen. Worauf führen Sie diesen grossen Erfolg zurück? Die Gründe für meinen Erfolg auf Youtube sind meiner Ansicht nach: 1. dass ich seit zehn Jahren kontinuierlich Material nachliefere, 2. dass ich dabei eine gewisse Qualität halte, mich weiter entwickle und mit Herzblut bei der Sache bin, 3. drittens Glück.

Nebst den «Shit happens!»-Serien haben Sie einige weitere Themen humoristisch behandelt – Werbung und Weihnachten, zum Beispiel. Was inspiriert Sie zu immer neuen Episoden und Charakteren? Das Leben. Und andere Medien.

Oft sind Tiere in vermenschlichten Rollen Protagonisten in Ihren Videos. Weshalb lassen Sie Tiere statt Menschen sprechen? Das ist das klassische Fabelprinzip. Menschen lieben es, Tieren zuzuschauen und darin sich selbst wieder zu erkennen. Ausserdem macht es viel mehr Spass, einen Biber zu zeichnen als Personen.

«Die Kunstformen suchen sich mich aus, nicht umgekehrt.»

Ralph Ruthe

Nicht selten bewegen Sie sich lustvoll am Rande der Political Correctness oder auch mal unter der Gürtellinie. Was macht den Reiz dieser Grenzüberschreitungen aus? Es gibt ja keine allgemeingültigen Grenzen des guten Geschmacks oder der Political Correctness, das ist immer und ausschliesslich subjektives Empfinden. Worüber der eine sich total aufregt, findet der nächste vollkommen harmlos und witzig. Ich versuche da nicht, bewusst zu provozieren – ich setze um, was ich persönlich lustig finde. Grundsätzlich gibt es für mich keine geschmacklichen Grenzen, ausser mein eigens Humorempfinden. Wie der Betrachter darauf reagiert, steht dann auf einem anderen Blatt.

Sie sind nebst Cartoonist auch Autor, Musiker und Filmemacher. Weshalb diese Diversifizierung, und welcher Sparte gehört nun Ihr ganzes Herz? Ich bin im Herzen Komiker. Mein Antrieb ist – und war immer –, Menschen zum Lachen zu bringen. Angefangen habe ich mit Zeichnungen, dann mit Animationen (bei den ich auch alle Figuren spreche) und dann kam vor zehn Jahren die Bühne dazu. Songs schreibe und komponiere ich bereits seit frühester Kindheit. Die Kunstformen suchen sich mich aus, nicht umgekehrt. Das ist aber eine alles andere als ungewöhnliche Kombination, wenn man sich zum Beispiel die Arbeit von Loriot oder Otto Waalkes anschaut.

Zurzeit touren Sie im deutschsprachigen Raum mit Ihrem neuen Bühnenprogramm. Da profilieren Sie sich zusätzlich als Comedian. Haben Sie noch andere verborgene Talente? Ich backe einen ausgezeichneten Hefezopf.

Sie stehen auf der Bühne, performen und … niemand lacht. Was würde das bei Ihnen auslösen? Ein herzliches Lachen. Nichts ist für mich persönlich lustiger, als menschliches Versagen – vor allem mein eigenes.

Wie wissen Sie denn, dass ein Programm funktioniert? Das weiss ich nicht. Ich schreibe meine Geschichten und Gags für mich und kann nur hoffen, dass andere auch darüber lachen. Aber diese Art zu arbeiten hat mich da hingebracht, wo ich heute bin, und Millionen Menschen haben Spass an meinen Ideen. Irgendetwas scheint also richtig gelaufen zu sein. Aber bitte fragen Sie mich nicht, was – ich habe absolut keine Ahnung.

Nun lacht also das Publikum bei Ihnen ausnahmslos… Was löst das bei Ihnen aus? Tiefe Dankbarkeit.

Ralph Ruthe – «Shit happens!» Mittwoch, 1. November, 20 Uhr. Volkshaus, Zürich. Tickets: www.dominoevent.ch.

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