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Bei Eisvogel und Wasseramsel

So gemächlich wie der Doubs durch den Jura fliesst, so beschaulich ist eine Spätherbstwanderung seinem Ufer entlang. Im Reich von Wasseramsel und Eisvogel regiert die Wildnis, im Städtchen St-Ursanne mittelalterlicher Charme. Und wären da nicht immer wieder menschliche Spuren, man wähnte sich im Niemandsland.

Wo ist die Wasseramsel? Am Doubs lassen sich Vögel beobachten und die Ruhe geniessen.
Wo ist die Wasseramsel? Am Doubs lassen sich Vögel beobachten und die Ruhe geniessen.
Daniel Fleuti
Wenig Dorf, viel Natur: In Soubey geht die Wanderung dem Doubs entlang los.
Wenig Dorf, viel Natur: In Soubey geht die Wanderung dem Doubs entlang los.
Daniel Fleuti
Mittelalterliches Flair in St-Ursanne.
Mittelalterliches Flair in St-Ursanne.
Daniel Fleuti
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Der Doubs ist einer der Grossen. In unzähligen Kehren und Windungen schlängelt sich der Fluss durch den Jura, 450 Kilometer umfasst sein Lauf. Die Thur bringt es auf knapp einen Drittel, die Aare auf gut die Hälfte. Dass der Doubs trotz seiner Grösse eher unbekannt ist, rührt von seiner Abgeschiedenheit und seinem kurzen Besuch hierzulande.

Ursprung in Frankreich

Der Fluss entspringt in Frankreich und beendet dort auch seine Reise, an der Mündung in die Saône. Ab Les Brenets im Neuenburger Jura gibt er sein Schweizer Gastspiel. Erst bildet er auf über 40 Kilometern die Grenze zu Frankreich und formt den 27 Meter hohen Wasserfall Saut du Doubs.

Dann, in der Gegend um das mittelalterliche Städtchen St-Ursanne, zieht es ihn für einen kurzen Abstecher ganz auf Schweizer Boden, bevor er in einem weiten Bogen das Land verlässt.

Clos du Doubs heisst die Region mit der charakteristischen Flussschleife, der Doubs hat sich hier tief in die Landschaft eingegraben und ein schluchtenartiges Tal geformt. Die 400 bis 500 Meter hohen Hänge sind mancherorts so steil, dass der Doubs unzugänglich ist.

Menschen sind hier rar

In solch wilder Gegend macht der Mensch sich rar. Am schmalen Uferstreifen weiden seine Nutztiere – Kühe und Freibergerpferde – wo der Streifen etwas breiter ist, stehen charmante Jurahöfe.

Für den Wanderer indes hat der Doubs immer Platz. In vier Tagesetappen kann man seinem Lauf folgen, von seinem Eintritt in die Schweiz bis zu seinem Weggang. Wir entscheiden und für den Teil zwischen Soubey und St-Ursanne, er soll der schönste und eindrücklichste sein.

Die Fahrt dorthin erhält das Prädikat «eindrücklich» auf jeden Fall. Für eine Strasse hat es neben dem Fluss keinen Platz. Also klettert das kleine Postauto von St-Ursanne nach Soubey oben durch, erst die steilen Hänge hoch, dann wieder runter. Soubey macht neugierig.

150 Menschen leben hier in der Abgeschiedenheit; ein Drittel im Ort, der Rest weit verstreut. Ein Dorfladen und drei Restaurants werben um die Gunst der Besucher, die ein paar Mal pro Tag dem kleinen Postauto entsteigen. Und man scheint Erfahrung mit ihnen zu haben. Im Laden rät man uns eindringlich, dem Doubs auf seiner rechten Seite zu folgen, «sonst braucht ihr eine Kletterausrüstung».

Ist da noch die Schweiz?

Der ersten Dreiviertelstunden bis La Charbonnière fordern Durchhaltewillen; statt zu klettern mühen sich die Füsse auf Hartbelag ab. Dafür kann man die Landschaft in sich aufsaugen und den Blick über die dicht bewaldeten Talhänge schweifen lassen, die immer mehr zusammenrücken und einen zu verschlucken drohen.

Soweit wird es nicht kommen, doch je länger man wandert, desto mehr staunt man über die Wildnis und Urtümlichkeit. «Sind wir noch in der Schweiz?» Die Frage geht uns immer wieder durch den Kopf.

Die paar Bauernhöfe am Wegrand zeigen, wovon man lebt in Soubey: Viehwirtschaft. Kühe, Rinder und Pferde werden bis St-Ursanne immer wieder unseren Weg kreuzen, einmal warnt man gar vor einem Stier. Sie sind alle friedlich, und der Stier hat sich offenbar verzogen. Bei La Charbonnière wechseln wir die Flussseite und verabschieden uns vom Hartbelag.

Ein verwunschener Trampelpfad führt nunmehr mal durch den urwüchsigen Wald, mal durch den Matsch direkt am Doubs. Von der Zivilisation ist nichts mehr zu sehen, die felsüberzogenen Hänge und der gemächlich fliessende Fluss dominieren das Bild.

Und dann erblicken wir ihn, den Eisvogel. Pfeilschnell schiesst er übers Wasser auf der Jagd nach kleinen Molchen, Fröschen oder Fischen. Fliegender Diamant nennt man ihn seines leuchtend blauen Federkleids wegen. Wer ihn entdecken will, braucht Geduld und Glück.

Einfacher zu erspähen ist die Wasseramsel, auch sie auf der Jagd im dunkeln Wasser des Doubs. Sie ist der einzige Singvogel, der hervorragend schwimmen und tauchen und sich dank der schweren Knochen und der speziellen Flügelform unter Wasser auch fortbewegen kann.

Bedrohtes Paradies

So harmonisch das Leben auf dem Doubs wirkt: Der Fluss ist schwer belastet. Kraftwerke, Abwässer, die Landwirtschaft und die Industrie in seiner Umgebung setzen ihm zu. Dem König unter den Tieren des Flusses, dem Roi du Doubs oder Apron, bekommt das schlecht.

Der sehr seltene Fisch lebt in der Schweiz nur noch am Clos du Doubs, und dieser Lebensraum ist bedroht. Mittlerweile hat man den Ernst der Lage erkannt. Ein grenzübergreifender Aktionsplan soll dem Ökosystem des Doubs wieder auf die Beine helfen.

A propos Beine. Während vier Stunden und 16 Kilometern Wildwestwandern haben sie uns nach St-Ursanne getragen, über die Brücke aus dem Jahr 1728 bringen sie zum Schluss ins noch viel ältere Herz des mittelalterlichen Städtchens.

Flanieren, einkaufen oder die Stiftskirche aus dem 12. Jahrhundert bewundern könnte man jetzt. Oder den Gaumen erfreuen mit frischer Forelle, die jedes Restaurant auf der Speisekarte führt.

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