Reisen

Wandern zwischen Funken und Schwefeldämpfen

Auf den sieben Liparischen Inseln trifft man auf eine grosse Vielfalt: mediterrane Pflanzen, blaues Meer, aber auch ein faszinierendes Schauspiel aktiver Vulkane.

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Da unten im Tyrrhenischen Meer ist die Erde nicht ganz dicht. Es raucht und funkt, Schwefeldämpfe treten hervor, und heisse Gase blubbern im Wasser. Die faszinierenden Phänomene lassen erahnen, was sich hier vor langer Zeit abgespielt haben muss: Unter gewaltigem Getöse brachen Vulkane aus und schleuderten Material durch die Lüfte, aus denen sich ein Archipel bildete.

Während Teile davon schon vor rund 360?000 Jahren entstanden sind, wurden die höchsten Erhebungen von Lipari, Alicudi und Filicudi sowie der Stromboli etwa vor 160?000 Jahren aufgetürmt. Historisch dokumentiert ist die Entstehung der kleinen Halbinsel Vulcanello: Die drei Kegel bildeten sich zwischen 183 vor Christus und dem 6. Jahrhundert nach Christus.

Die sieben Inseln – wegen der heftigen Winde auch nach dem Windgott Äolus Äolische Inseln genannt – stellen ein reizvolles und abwechslungsreiches Wanderparadies dar. Als Ausgangspunkt bietet sich das pittoreske Städtchen Lipari mit seinen Läden, Restaurants und der Akropolis an. Vom Hafen aus verkehren Schiffe regelmässig in alle Destinationen.

Wellnesskur in der Natur

Ein absolutes Muss ist Vulcano. Bereits an der Anlegestelle steigt Ankömmlingen ein Duft nach faulen Eiern in die Nase. Der Aufstieg zum 391 Meter über Meer gelegenen Gran Cratere verläuft zuerst durch Buschlandschaften; weiter oben präsentiert sich der Berg kahl und unwirtlich. Es geht ein strammer Wind.

Durch schroffe Gesteinslandschaften erreicht man den Kraterrand, wo man von warmen Schwefelschwaden eingehüllt wird. An den Austrittsstellen bilden sich giftgelbe, brüchige Kristallformationen. Der Blick in den monströsen runden Vulkankegel ist atemberaubend. Man kann sich plastisch vorstellen, wie der Boden jederzeit wieder Funken und Gestein ausspucken könnte. Und tatsächlich rechnen Vulkanologen mit einem baldigen Ausbruch. Bei der letzten grösseren Eruption im Jahr 1888 soll die Asche bis nach Sizilien und Kalabrien geregnet haben. Zersplitterte, runde Steine von bis zu fünf Metern Durchmesser – sogenannte Brotkrustenbomben – zeugen von der Wucht.

Nach dem Abstieg steht ein Bad im Fangoteich an. Das mineralreiche Wasser im natürlich beheizten Becken soll heilsam sein bei Rheumatismus und Hautkrankheiten. Um die Wirkung voll entfalten zu lassen, reiben sich manche Badende am ganzen Körper mit der hellgrauen, lehmigen Masse ein. Nach spätestens 20 Minuten steigt man zur Reinigung ins nahe Meer. Dabei muss man aufpassen, dass man sich nicht an heissen Sprudeln (Fumarolen) verbrennt.

Feuerwerk aus der Erde

Den Aufstieg zum Stromboli beginnt man am besten am späten Nachmittag. Die gut 900 Höhenmeter sind in rund drei Stunden zu bewältigen. Während des Eindunkelns ist die Sicht vom Grat aus auf den 200?Höhenmeter ­weiter unten gelegenen Krater am eindrücklichsten. Es ist ein wenig wie am 1. August: Immer wieder ertönt ein dumpfes «Wwrrummm», worauf Rauchfahnen aufsteigen und Funken oder ganze Feuersalven emporschiessen.

Seit ein paar unvorsichtige Touristen dort oben verunfallten, darf man den Berg nur noch in einer geführten Gruppe besteigen. An manchen Tagen ist der Wellengang zu hoch, um die Insel anzufahren, an anderen die Sicht schlecht. Bei idealen Verhältnissen pilgern die Schaulustigen deshalb ameisengleich dicht hintereinander bergan. Die Zeit am Grat ist auf eine halbe Stunde ­beschränkt. Ein sinnliches und knieschonendes Erlebnis ist der Abstieg auf dem Weg mit schwarzem, feinem Lavasand. Eine Stirnlampe ist zu empfehlen.

Der höchste Punkt der Liparischen Inseln ist mit 962 m?ü.?M. der Monte Fossa auf Salina. Weil es auf der Insel eine Süsswasserquelle gibt, findet man hier eine üppige Pflanzenwelt. Auf den anderen Inseln stammt das Trinkwasser von gesammeltem Regen oder Wasserschiffen vom Festland. Nicht minder grün ist die Wanderung auf den Punto del Corvo auf Panarea. Ausserhalb des überteuerten Luxusorts mit seinen protzigen Jachten locken Wanderwege mit steil ins Meer abfallenden Felsen, in der Ferne der Stromboli mit seiner stetigen Rauchfahne. (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 23.08.2016, 14:06 Uhr

Liparische Inseln: Alle vulkanischen Ursprungs, aber jede wieder anders. (Zum Vergrössern der Karte bitte auf Bild klicken)

Infos

Die Reise wurde von Imbach Reisen unterstützt. www.imbach.ch.
Nächste Wanderreise auf die Liparischen Inseln: 1. bis 11. Oktober 2016.

Anreise und Tipps

Fliegen: Auf den Inseln gibt es keinen Flughafen. Von Kloten aus kann man nach Catania an der Ostküste Siziliens fliegen. Per Bus oder Mietauto weiter nach Milazzo, von wo Fähren und Tragflügelboote fahren.

Zug: Milazzo erreicht man auch per Nachtzug ab Mailand. Über die Meerenge bei Messina wird der Zug aufs Schiff verladen.

Unterkunft: Sehr angenehm ist das Viersternhotel Gattopardo in Lipari. Die Zimmer sind rund um einen üppig bewachsenen Park mit Schwimmbad angelegt.

Essen: Typisch italienische Kost mit sizilianischen Einflüssen (z. B. Pfefferminze und Mandeln). Der Fisch wird meist paniert. Allgegenwärtig ist der süsse Dessertwein namens Malvasia.

Besonders gut haben wir im Restaurant Al Bivio in Terme S. Calogero auf Lipari gegessen: Vorspeisen ohne Ende, hausgemachte Teigwaren und Pizzas mit frischen Kapern.

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