Gastro

Wetteifer der Aromen

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Der Vorgänger hatte Tinguely an den Wänden. Jetzt hängen hier Bilder von Sonja Schmid. Eine Wetziker Künstlerin mit reger Ausstellungstätigkeit, falls Sie den Namen nicht kennen. Tinguely kennt jeder – doch der grosse Name half dem vorherigen Pächter des Restaurants Falken in Küsnacht auch nicht weiter. Nur gerade zweieinhalb ­Jahre war das Lokal unter ihm geöffnet; ab April 2015 stand es leer. Bis im vergangenen Juni ein frischer Wind Einzug hielt. Eine portugiesische Brise, um genau zu sein. Der neue Chef heisst Toni Al­bino, am Zürichsee vielen bekannt als Wirtim früheren Triangel in Zumikon. Gast­geberin im Falken ist dessen langjährige Mitarbeiterin Ana Batista. Und diechar­mante, jugendliche Bedienung an unserem Tisch stellt sich als Albinos Tochter heraus, die hier in Ausbildung ist.In der Küche steht wie zuvor im Triangel Lars Schwalenberg. Der «Gault-Millau» hat sein Wirken wenige Monate nachder Eröffnung bereits mit 13 Punkten ausgezeichnet.

Ein vertrautes Gespann also – und das spürt man als Gast. Warm wirkt nicht nur die Einrichtung, sondern auch der Empfang, und dies schon bei der Reservation am Telefon. Ein Tick zu warm ist dafür für meinen Geschmack der portugiesische Weisswein, den wir zum Auftakt trinken (7 Fr./dl). Er trägt den schönen Namen Esporão Reserva und eine leuchtend gelbe Etikette, die Lust auf Süden macht. Dazu passt das hervorragende portugiesische Olivenöl, das man in ein Schälchen giessen und mit Brot auftunken kann.

So gestärkt, ordern wir als Vorspeisen die Pastinakenschaumsuppe mit Flusskrebsschwänzen (14.50 Fr.) und den Artischocken-Eierschwämmchen-Salat mit Bresaola (21.50 Fr.). Das Süppchen ist herrlich samtig und reichlich mit Krustentieren bestückt. Der Salat schmeckt angenehm erdig und passt damit zur Jahres­zeit. Mein Begleiter macht gleich herbstlich weiter und isst als Hauptgang die Tranchen von der Rehnuss mit Rahmwirz und Rotweinkirschen (44 Fr.). Anstelle der klassischen Spätzli wählt er als Beilage einen Kräuterrisotto (8 Fr.), der mit dem gewünschten Biss daherkommt. Sein Urteil: eine geschmacklich feine, farbenfrohe und raffiniertere Kombination als der übliche Wildteller.

Vis-à-vis gibts eine Spezialität des Hauses, die täglich frisch zubereiteten Ravioli. Anstatt mich zwischen Limetten-, Kalbfleisch- und Kürbisfüllung zu entscheiden – jeweils von Cherrytomaten, Steinpilzen und Salbeibutter begleitet –, wähle ich die Variante Dreierlei, also alle Sorten zum Probieren (33 Fr.). Das entpuppt sich als Fehler. Nicht weil es an den herzhaften Ravioli irgendetwas auszu­set­zen gäbe, sondern weil für meinen Geschmack dann doch zu viele Aromen auf dem Teller wetteifern.

Dank dem angenehm zügigen Service und den nicht überbordend grossen Portionen bleibt noch Platz für ein Dessert. Wir wählen Crema Catalana da Falken (11.50 Fr.) sowie den Gratin von Rotweinzwetschgen mit Mandelcreme überbacken und Zimtglace (12.50 Fr.). Die warme, nach Marzipan schmeckende Creme auf dem Gratin ist ein Gedicht. Oder, um es mit Tinguely zu sagen, ein Gemälde.

Erstellt: 02.11.2016, 14:16 Uhr

Restaurant Falken

Dorfstrasse 22, 8700 Küsnacht, Telefon 044 910 66 88.
Öffnungszeiten: Montag–Freitag 11.30–14.30 Uhr und ab 17 Uhr bis Feierabend. Samstag ab 18 Uhr. Sonntag geschlossen.

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