Gastro

Fischküche mit spanischem Touch

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Wer das Schützenhaus in Stäfa betritt, der fühlt sich sogleich wohl. Das Holztäfer unterstreicht die heimelige Stimmung in der Gaststube, während liebevoll ausgesuchte Accessoires wie Kissen mit Anker, ein kleines Segelschiff oder Bilder mit verschiedenen Fischarten für maritime ­Atmosphäre sorgen. Wasser ist allgegenwärtig im Stäfner Traditionslokal: Nicht nur, dass der Blick aus dem Fenster auf den See und auf den Schiffssteg fällt;auch die Karte verspricht allerlei Getier aus dem feuchten Nass. So soll es denn für mich und meine Begleitung ein durch und durch fischiger Abend werden. Doch bevor wir Messer und Gabel zücken, geniessen wir einen spanischen Cava (7.50 Fr.). Dass Wirtin Simona Beetz beruflich ­bereits in Spanien tätig war, wird an diesem Abend immer wieder offensichtlich. Sie führt das Familienlokal seit diesem Frühling in vierter Generation.

Zum Essen lassen wir uns aber zwei heimische Tropfen kredenzen: einen Räusch­ling und einen Riesling-Silvaner aus den Stäfner Lattenberg-Trauben von Peter und Doris Menzi-Pfenninger (6.70 und 6.50 Fr.). Während der Räusch­ling frisch und fruchtig schmeckt, weistder Riesling-Silvaner einen leicht herben Nachgeschmack auf, der das Geschmackserlebnis erst richtig spannend macht. Dazu serviert die Kellnerin eine geräucherte Forelle auf kleinem Lauch-Kartoffel-Salat sowie Crevetten mit Öl und Knoblauch (18.50 und 18 Fr.). Letz­tere laufen unter dem Begriff Tapas. Schade ist nur, dass man sich für eine Tapas­sorte entscheiden muss: Spanische Tortilla oder gebratene kleine Peperoni wären eine andere Option gewesen. Die Gambas oder Crevetten munden indessen wunderbar, wenngleich ein bisschen mehr Schärfe angebracht gewesen wäre. Auch die Forelle ist zart und erhält durch den Lauch im Salat sowie die Vinai­grette eine angenehme Frische.

Gebratenes Felchenfilet an brauner Mandelbutter mit Bratkartoffeln undSpinat sowie Eglifilets à la mode du Papa Beetz (38 und 40 Fr.) haben wir als Hauptgang geordert. Der gebratene Egli wird eigentlich mit Langkornreis serviert, doch der Service zeigt sich flexibel und bringt auch dieses Gericht mit Spinat und Kartoffeln. Die Felchen sind ein Gedicht, wunderbar knusprig gebraten, während die Mandelbutter das natürliche Aroma des Fisches unterstreicht. Ein kleines bisschen Salz fehlt dem Zürichseefisch noch, aber auf Nachfrage bringt die Chefin persönlich sogleich eine Salzmühle. Und wie schmeckt Egli mit einer Kräuterbutterrahmsauce, die Spezialität von Papa Beetz? Die Gefahr, dass eine solche Sauce zu mächtig ist und den Eigengeschmack übertüncht, ist gross. Das Resultat lässt sich allerdings sehen und vor allem schme­cken: Geschmacklich ist das deli­kate Sösschen gut abgestimmt und mengenmässig nicht überdosiert. Die Kartoffeln wiederum sind gut im Biss und der Spinat aromatisch. Mit dem matschigen, zerkochten Kraut, das mancherorts serviert wird, hat er so gar nichts gemein – wir sind rundum zufrieden mit dem Hauptgang.

Wer Fleisch oder vegetarische Speisen bevorzugt, muss den Gang in die Schützenstube übrigens nicht scheuen, stehen doch etwa Poulet provençale oder hausgemachte Spätzli an einer Eierschwämmlirahmsauce auf der Karte. Zum Dessert gönnen wir uns ein warmes Schokoladenküchlein mit Vanilleeis sowieeine Crema Catalana (11.50 und 10.50 Fr.). Während Letztere mit dünner Zuckerkruste und cremiger Konsistenz überzeugt, fehlt meiner Begleitung beim Schokoladenküchlein der flüssige Kern. Auf Nachfrage bestätigt uns die Kellnerin, dass dieser sich eigentlich im Inneren offen­baren müsse. Doch nach diesem feinen Fischschmaus in gemütlicher Atmosphäre können wir den Wermutstropfen verschmerzen. «Die alten Schweizer tranken noch eins, eh den sie giengen»,steht auf der seeseitigen Fassade des Traditionslokals. Dem leisten wir an diesem Abend nicht Folge, nehmen es uns aber für das nächste Mal fest vor.

Restaurant Schützenhaus, Seestrasse 48, 8712 Stäfa, Telefon 044 926 13 58. www.schuetzenhaus-staefa.ch. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Montagvon 10 bis 23 Uhr. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.10.2017, 09:55 Uhr

An dieser Stelle schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erfahrungen in der Region.

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