Gastro-Kolumne

Fische essen und Schwäne beobachten

Zum «Znacht» im Pier 8716 in Schmerikon.

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Auch wer es nur in die zweite Reihe schafft, sitzt im Pier 8716 kaum zwei Meter vom Wasser entfernt. Hier, an seinem Ende in Schmerikon, zeigt sich der Obersee von der schönsten Seite: Der bewaldete Buchberg erinnert an norwegische Fiordlandschaften, der Strassenlärm ist weit weg, nicht mal die vorbeifahrenden Züge beeinträchtigen die Idylle. Protzige Motorboote, wie sie andernorts den Blick aufs Wasser verstellen, gibt es hier keine. Dafür gleiten zwei Standup-Paddler lautlos herbei, gefolgt von einer achtköpfigen Schwanenfamilie.

Das Bistro Pier 8716 – nach der Postleitzahl des Seedorfs – ist an diesem Spätsommer-Sonntagabend voll besetzt. Wer auf der Seeterrasse keinen Platz findet, setzt sich ins Innere des hellen, modernen Betonpavillons. Die Glasfront zum See ist offen, der Blick bis zum Etzel, wo sich der Himmel langsam rötlich färbt, auch von hier aus frei. Wir wenden den Blick kurz ab, weil wir ja auch noch in die Speisekarte schauen möchten. Die Fischchnusperli hat eine Kollegin kürzlich als «die besten seit langem» gerühmt. Ich entscheide mich jedoch für einen Teller mit Egli-, Wolfsbarsch- und Kabeljaufilet in Butter mit Reis und Gemüse (45 Franken). Mein Begleiter schwankt zwischen Penne mit Rindsfiletwürfeln und Eglifilets à la meunière. Schliesslich gewinnt der Fisch (38 Franken) den Kampf gegen das Rindvieh. Die beiden Hauptgänge kommen fast zu schnell auf den Tisch. Weil wir noch mit den Vorspeisesalaten beschäftigt sind, stapeln sich kurzzeitig etwas gar viele Teller und Schalen auf dem Zweiertischchen.

Die Fischgerichte munden uns ausgezeichnet. Die Filets sind bissfest und saftig, jedes hat seinen charakteristischen Eigengeschmack. Dekoriert hat Küchenchef Herbert Federspiel mit frischem Thymian und Salbei, was überraschend gut passt. Über die mir verhassten Knoblauchscheiben sehe ich grosszügig hinweg, bis mich mein Gegenüber aufklärt, dass es sich um Ingwer handelt!

Aus der sehr anmächeligen Weinkarte lassen wir uns zunächst ein Glas weissen Bordeaux für sagenhafte 6 Franken pro Dezi einschenken. Und auch der anschliessende Rotwein, ein Pont de Gassac aus Südfrankreich, bietet mit 6.50 Franken ein unschlagbares Preis-Leistungs-Verhältnis. Doch wer will an so einem Abend lange über Ökonomischem brüten! Lieber geniesse ich noch ein Stück Himbeer-Mascarpone-Torte (8.50 Fr.), während mein Begleiter langsam seine Zigarre anzündet. Ja, auch das ist möglich in dieser feinen Strandbeiz! Sollten wir einige Gäste an Nebentischen vergrault haben, tut uns das natürlich leid. Und wir hoffen, dass die Schwanenfamilie nicht wegen der rauchgeschwängerten Abendluft irgendwann vom Seeufer Richtung Buchberg aufgebrochen ist.

Pier 8716, Seestrasse, 8716 Schmerikon, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, jeweils ab 10 Uhr, Montag Ruhetag, Tel. 055 292 10 00, www.pier8716.ch. (zsz.ch)

Erstellt: 04.09.2017, 13:35 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See.

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