Gastro-Kolumne

Gelebte Gastfreundschaft bei grosser Speisekarte

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Ein Restaurant mit einer grossen Speisekarte, das sich rühmt, sieben Tage die Woche geöffnet zu sein und einen grossen Kinderspielplatz zu haben: Kann das gutgehen? Wir wagen die Probe aufs Exempel an einem Sonntagmittag und besuchen das Schwyzerhüsli im Horgenberg. Es ist gut besucht, wir sind froh, reserviert zu haben. Für den Fünfjährigen bringt die freundliche Bedienung sogleich ein Malheft samt Farbstiften. In der Kinderkarte steckt zudem die neuste Ausgabe der Kinderzeitschrift «Junior». Gegen den gröbsten Hunger ­erhalten wir das Brotkörbchen – mitzwei kleinen Töpfchen hausgemachter Leberterrine und Knoblauchbutter. Der Einstieg ist vielversprechend.

Ich entscheide mich für eines der drei Tagesmenüs – Filet Stroganoff vom Pferd mit Spätzli und Gemüse (42.50 Fr.). Auch das ist risikobehaftet, ist es doch eines jener Gerichte, das ich am liebsten so mag, wie ich es selbst zubereite. Zuerst erhalte ich eine Fenchelcremesuppe. Darüber freue ich mich umso mehr, als ich in meinem Umfeld die Einzige bin, die gern Fenchelsuppe isst. Normalerweise mag ich sie etwas sämiger, dafür verzichte ich auf den Schnittlauch zur Zierde, stelle aber fest, dass sie auch so gut schmeckt.

Zügig geht es mit den Salaten weiter, meinem Menüsalat und dem Nüsslisalat Mimosa (12.50 Fr.). Der Menüsalat ist kunstvoll angerichtet und gemahnt an ein Vogelnest. Die dezente und doch gut ­gewürzte Balsamicosauce wird in einer Sauciere gereicht. Sie unterstreicht sowohl den gemischten Salat als auch den Nüsslisalat mit Ei angenehm. Gleichzeitig erhält der Junior seine Chicken Nuggets mit Pommes frites, dekoriert unter ­anderem mit Ananasstücken (16.80 Fr.). Grosszügig lässt uns der Sohnemann probieren. Nuggets sind zwar nicht unsere Leibspeise, selten haben sie aber einen so klar erkennbaren Pouletgeschmack. Sie sind, im Gegensatz zu den Pommes frites, offensichtlich hausgemacht. Und wir ­können nur nicken zur rhetorischen ­Frage: «Guet, gäll?»

Die Hauptgerichte werden auf sehr heissen Tellern serviert. Die Mustangfiletspitzen Stroganoff überzeugen mich vom ersten Biss weg: Das Pferdefilet ist wunderbar zart – mein Gegenüber hätte es ein bisschen besser durchgebraten lieber gehabt, ich finde es aber genau richtig. Meine Bedenken, die mich als Reiterin beim Verzehr von Pferdefleisch unweigerlich heimsuchen, werden mit jeder Gabel kleiner. Auch die Sauce vermag meine Skepsis zu entkräften, sie ist fein aus­tariert im Geschmack und nicht zu mastig. Die Pilze und Peperoni sind so fein ­geschnitten, dass der positive Gesamteindruck auch dadurch nicht beeinträchtigt wird, dass die Champignons offenbaraus der Dose stammen. Schmackhaft sind auch die hausgemachten Spätzli. Mein Gegenüber freut sich an seinem Rindsentrecôte Madagaskar, eine Spezialität des Hauses (41.50 Fr.). Dieses ist gebraten wie bestellt, à point. Zwar fehlen in der Pfefferrahmsauce die Pfefferkörner, dem Geschmack tut dies aber keinen Abbruch. Gut gefällt uns die knusprig gebratene Rösti.

Dazu wählen wir beide einen Wein aus der breiten Hausweinpalette: der mittäglichen Stunde entsprechend einen leichteren Rocca Rubia (7 Fr./dl) und einen ­etwas gehaltvolleren Barbera (7.50 Fr./dl) und sind zufrieden.

Obwohl wir satt sind, verzichten wir nicht auf ein Dessert. Wir entscheiden uns für die obligate gefüllte Glacefigur – sie ist im Preis für die Chicken Nuggets inbegriffen –, eine Coupe Karibik (12 Fr.) und ein Blutorangensorbet mit Prosecco (12.50 Fr.). Alles ist wohltuend erfrischend, aber gross. Während wir genüsslich löffeln, überlegen wir uns, dass unsere Skepsis in jedem Punkt unbegründet war: Die Klaviatur des Kochens beherrscht die Küche trotz umfangreicher Speisekarte virtuos. Das Personal wirkt nicht, wie wenn der durchgehende Betrieb sie auslaugen würde, und voller ­lärmender Kinder ist das Schwyzerhüsli auch nicht. Rundum zufrieden verlassen wir das Restaurant – zuerst Richtung Spielplatz, dann Richtung Horgner ­Bergweiher.

Restaurant Schwyzerhüsli Bergstrasse 125, 8815 Horgenberg. Öffnungszeiten:
364 Tage im Jahr, Montag bis Samstag 11 bis 23 Uhr, Sonntag 11 bis 22.30 Uhr. Reservationen: Telefon 044 725 47 47. Weitere Infos im Internet unter www.rest-schwyzerhuesli.ch.

Erstellt: 20.03.2017, 16:19 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See. (Bild: ZSZ)

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