Gastro-Kolumne

Fleisch, Fisch und freie Seesicht

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Die Steinburg in Küsnacht hat beste Voraussetzungen, um eine Topadresse für Feinschmecker zu werden: tolle Lage am See, separate Bar an der Promenade, einladende Terrasse, gediegene Ambiance und eine Crew mit Ansprüchen. Mit einem vielfältigen Fleisch-, Fisch- und Pastaangebot inklusive Degustationsmenü, einer opulenten Weinkarte und einer «zeitgemässen Küche» wollen Geschäftsleiter Stephan Roth, Sommelier Björn Hilmert und Küchenchef Fabien Kaiser ihre Gäste verwöhnen. So lautet die Ansage auf der Website des 2016 neu eröffneten Traditionslokals.

Wie diese Ambitionen an einem Sommerabend umgesetzt werden, ist zwar nicht ganz überzeugend, aber durchaus vielversprechend. Das Servicepersonal bringt uns zügig an einen Tisch mit Seesicht und versorgt uns ebenso rasch mit dem gewünschten Apéro – einer hervorragenden Assemblage des Küsnachter Weinhauses Diederik (8.50 Fr./dl). Der als Appetizer gereichte Wassermelonen-Gazpacho kann mit der Rasse des Weissweins natürlich nicht mithalten, zumal dem rötlichen Saft die nötige Würze fehlt. Dann gehts aber flott weiter mit den Vorspeisen: einer Zürichsee-Bouillabaisse (24 Fr.) für meinen Kollegen, die mit diversen Fischstücken – unter anderem vom Egli – und einer frisch zubereiteten Rouille daherkommt. «Schmeckt gut», meint der Kollege, der sich indes ein wenig über die hohe, dunkle Schale mokiert, in der die Fischsuppe badet. «Tja, trendy halt», raunt er mir augenzwinkernd zu.

Ich verspeise derweil ohne Rücksicht auf Trends, dafür mit Heisshunger die Taglierini (24 Fr.), die dank Kaninchenragout, Salsiccia und deftiger Tomatensauce eine veritable Geschmacksbombe hergeben. Ich hätte glatt die doppelte Portion verputzen können. Doch zum Glück dauert es nicht lange und schon stehen die Hauptgänge auf dem Tisch: Der Kollege hat ein Puschlaver Lamm «hoch 4» (54 Fr.) geordert, das mit einer Gemüseconsommé mit Innereien des Tiers beginnt. Auf dem danach gereichten Teller locken drei verschiedene Fleischstücke inklusive Filet. Darum eben «hoch 4», wie uns die Dame vom Service erklärt.

Der Kollege schlürft und kaut zufrieden, findet allerdings, dass die Beilagen weder saisongerecht (Spargel) noch besonders spannend (Kartoffel) sind. «Der hat aber auch immer was zu meckern», denke ich und freue mich über mein gut portioniertes Rindsfilet (59 Fr.), das wie gewünscht schön medium und mit leckerem Madagaskarpfefferschaum auf den Tisch kommt. Sehr gut! Und besser als die eher einfallslosen Beilagen (fades Gemüse und sehr würzige Fritten).

Warum nicht einen feinen, frischen Gratin auf den Teller zaubern? Nun, wir trinken noch zwei, drei Gläser Wein, probieren auch den blumigen Portugiesen vom Douro (9.50 Fr./dl) und sind schliesslich doch sehr angetan vom Ausflug an den See. Wenn die Küche noch mutiger und saisongerechter ans Werk geht, kann das mit der Topadresse noch was werden.

Seerestaurant Steinburg Seestrasse 110, 8700 Küsnacht. Geöffnet Di bis Fr 11.30bis 14 Uhr und 18.30 bis 24 Uhr; Sa 18.30bis 24 Uhr. Telefon 044 910 06 38. www.seerestaurant-steinburg.ch

Erstellt: 25.07.2017, 09:18 Uhr

In der Gastro-Kolumne schreiben Redaktorinnen und Redaktoren der ZSZ über ihre kulinarischen Erlebnisse rund um den See.

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