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Edel und bodenständig

Was für ein Vergnügen für meine Tochter, als Kind auf dem Pflugstein in Erlenbach herumzuturnen. Das Klettern auf dem imposanten und grössten Findling des Kantons Zürich, der noch aus der Eiszeit stammt, war auf Spaziergängen wichtiger als der versprochene Nussgipfel im Restaurant Pflugstein. Das ehemalige Rebbauernhaus unterhalb des Steins, erbaut in der Mitte des 18. Jahrhunderts, war zu dieser Zeit eine einfache Wirtschaft.

Inzwischen hat Jeannine Meili, Gastgeberin seit dem Jahr 2002, dem Haus neues Leben eingehaucht. Elemente aus der Vergangenheit hat sie stilvoll mit Design und Kunst kombiniert. Die grossformatigen Bilder des deutschen Künstlers Djawid C. Borower sind ein wahres Farbenspektakel und ein erfrischender Kontrast zu Täfer und Kachelofen. Haus und Garten des Pflugsteins sind im Advent mit unzähligen Lichtern geschmückt – und wirken märchenhaft. Gutgelaunt und gastfreundlich heisst uns das Servicepersonal im Pflugstein willkommen. Wir tauchen ein in die üppig geschmückte Gaststube und lassen uns gerne auf die Adventsstimmung ein. Nicht alle Tische des gemütlichen Raums sind an diesem Abend besetzt.

Die Speisekarte ist überschaubar, wie sympathisch. Küchenchefin Maria Appel empfiehlt ein herbstlich-adventliches Menu. Der Auftakt kommt überraschend: der Lehrling serviert gekonnt eine Sellerie-Vanille-Mousse mit geräucherten Lamm-Chips. Der Gruss aus der Küche ist dezent und erfrischend. Ebenso genüsslich sind die Vorspeisen. Meine Begleiterin hat sich für Nüsslisalat mit einem Hauch Speck und Datteln an Feigendressing (CHF 17 Fr.) entschieden. Ich selbst für Chicoréesalat mit Orangen, Granatapfel und Baumnüssen an weissem Balsamico (17.50 Fr.). Beide Vorspeisen sind vorzüglich, optisch schön und grosszügig. Das Wienerschnitzel meiner Begleiterin ist hauchdünn, zart, knusprig, sehr gross und dennoch leicht. Der dazu servierte lauwarme Kartoffelsalat (35.50 Fr.) wird ebenfalls sehr gelobt. Auch mein Seeteufelmédaillon auf Kürbis-Mascarponerisotto ist eine Spitzenwahl (49 Fr.). Der kostbare weisse Fisch ist zwar klein, doch von dezentem Geschmack. Der Risotto, etwas flüssig serviert, ist köstlich. Zum Hauptgericht passen der erdige Landwein Sada IGT aus der Toskana (Fr. 9/dl) bzw. der leichte rote Pinot noir Clevner ( 7.50 Fr./dl) von Kaspar Meyenburgs Herrliberger Weingut Schipf. Das Finale des festlichen Nachtessens: eine Glacé-Kugel mit Zimt-Note (5 Fr.), hergestellt von Lipp Artisanales in Berikon, schmeckt tatsächlich hausgemacht. Mit gebrannten Mandeln versüsst die Küche unseren Heimweg - eine nette Geste aus der Küche.

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