Online-Sommerserie (4)

Wenn ein Frisbee Golf erschwinglich macht

Im Zeitalter der Übersiedlung sind Sportarten, die sich der Umgebung anpassen besonders attraktiv. Eine ebensolche ist der jüngste amerikanische Trendsport-Import, Disc Golf.

Die Mitglieder des Adliswiler Disc Golf-Vereins, «Big Birdies», führen ZRZ-Onlineredaktor Paul Steffen in die Welt des Frisbee Golfs ein.
Video: Paul Steffen

Denk ich an Golf, so kommt mir unweigerlich ein Zitat des Amerikanischen Autors Mark Twain in den Sinn: «Golf is a good walk spoiled». Golf mit Langeweile und Verstaubtheit zu assoziieren mag ein Klischee sein; Eines jedoch, dem auch ich mich nur schwer zu entziehen vermag.

Als ich im Rahmen unserer ZRZ-Sommerserie den Auftrag fasste eine sogenannte Trendsportarten auszuprobieren und bei meinen Recherchen auf die Frisbee Golf stiess, war ich sofort fasziniert. Was verbirgt sich hinter dieser, auf den ersten Blick zufälligen, Mischung zweier Freizeitaktivitäten? Und ist es jemandem tatsächlich gelungen die Sportart Golf interessant zu machen? Weitere Recherchen ergaben dann, dass Frisbee Golf, wie so viele Trendsportarten, aus den USA stammt und dort Disc Golf genannt wird. Dies wohl, da auch dem Frisbee ein eher altbackener Ruf anhaftet.

Was mir aber sofort klar wurde ist, dass der Sport sich in den USA einer enormen Beliebtheit zu erfreuen scheint und sich auch in der Schweiz bereits etliche Disc Golf-Vereine formiert hatten. Grund genug, mir den Sport selbst einmal anzuschauen.

Nur die Nomenklatur bleibt

So ging ich also, mit einer ungefähren Vorstellung was Disc Golf ist und einer nicht unerheblichen Prise Skepsis an ein Training des Adliswiler Disc Golf Vereins, «Big Birdies».

Innert Minutenfrist wurde mir klar, dass meine Vorurteile dem blossen Wort «Golf» gegenüber fehl am Platz waren. Zu meiner Überraschung beinhaltet die Trainingsgruppe der Adliswiler Disc Golfer fast die komplette Bandbreite aller Altersklassen. Zudem zeichnete sich das Training der «Big Birdies» durch eine kollegiale Ausgelassenheit aus, wie ich sie sonst nur von anderen Mannschaftssportarten kenne. Was also ist dieser Trendsport, bei dem 12-Jährige mit über 60-Jährigen einen Frisbee hinterher laufen?

Wie beim normalen Ball-Golf, wie die Disc Golfer ihr berühmteres Pendant nennen, besteht der Parcours aus entweder 9 oder 18 Bahnen. Der Spieler versucht dabei mit möglichst wenigen Würfen die Scheibe in metallene, mit Ketten ausgestattete Zielkörbe zu werfen. Wie im Golf gibt es einen Ausgangspunkt, das «Tee». Anstelle eines Balls verwenden Disc Golfer aber aerodynamische Wurfscheiben aus Plastik; Frisbees eben. Je nach Zieldistanz, Gelände und Wettereinfluss wählen Disc Golfer ihre Scheiben aus.

Was wie ein Futterkorb für Rehe aussieht, ist in Wirklichkeit ein Zielkorb für Disc Golfer.

Ein halbwegs ambitionierter Disc Golfer kann deshalb gut und gerne 20 verschiedene Scheiben bei sich haben. Dabei unterscheiden sie in erster Linie zwischen «Driver-», «Mid Range-» und «Putter-Scheiben», welche verschiedene Flugverhalten aufweisen. Während Driver für weite Distanzen gedacht sind, benutzt man den Putter nur für kurze Distanzen, um die Scheibe im Korb «einzulochen».

Ein Scheibe für jede Situation: Obwohl Disc Golfe spezielle Schheiben haben, kann der Sport auch mit handelsüblichen Frisbees gespielt werden.

Erschwinglich und Umweltfreundlich

Ich würde Disc Golf nicht per se als einfach oder simpel bezeichnen. Und trotzdem war ich erfreut, wie schnell ich beim eigentlichen Training mithalten konnte. Die Wurftechniken beim Disc Golf sind meist intuitiv und verhältnismässig gut zu meistern. Einzig das «Driven», also der Abwurf mit der flächsten, Diskus-ähnlichen Scheibe, hat mich anfänglich vor einige Schwierigkeiten gestellt.

Ein weiterer Grund warum Disc Golf im Zeitalter der Übersiedlung an Beliebtheit gewinnt, ist sein kleiner ökologischer Fussabdruck. Wie Martin Angermann, Präsident der «Big Birdies», erklärt, ist Disc Golf ein Sport, der sich dem Gelände anpasst und nicht umgekehrt. Man brauche bloss irgendwo im Wald oder auf einer Wiese einen Korb aufstellen und schon kann man loslegen.

Anders gesagt: Für einen Disc Golf-Parcours muss die Natur nicht umstrukturiert werden um das Spielen zu ermöglichen. Demnach müssen Hindernisse wie Bäume oder Laternen miteinbezogen werden. Die eigens für den Sport konzipierten Scheiben kosten lediglich zwischen 8 und 20 Franken. Disc Golf ist somit nicht nur erschwinglich, sondern eliminiert auch elitäre Untertöne, die dem herkömmlichen Golf zweifelsohne anhaften.

Nach dem Trainingsbesuch bei den «Big Birdies» und mit ein paar Tagen Distanz, kann ich Disc Golf ohne Vorbehalte empfehlen. Obwohl sich der kompetitive Umgang mit Frisbees als überraschend ansteckend herausgestellt, hat mir vor allem die Tatsache gefallen, dass alle Disc Golf-Spieler, egal ob Schweizermeisterin oder blutiger Anfänger, gleichzeitig und ohne auf einander warten zu müssen, als Einheit den Parcours bewältigen können. (zsz.ch)

Erstellt: 10.08.2017, 10:54 Uhr

Rund um die Sportanlage Tal in Adliswil gibt es 9 Disc Golf-Bahnen

Martin Angermann, Präsident des Disc Golf-Vereins «Big Birdies»

Tabea Wallus, Disc Golf-Schweizermeisterin aus Adliswil

Paul Steffen, Redaktor ZRZ-Online, während seiner ersten Partie Disc Golf.

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