Zum Hauptinhalt springen

Träum weiter

Der Mann will entspannen, die Frau will Blumen. Und die Kinder? Die haben andere Ideen. Unsere Autorin versucht, bei der Gartenplanung alle Bedürfnisse ihrer Familie unter einen Hut zu bringen. Und scheitert.

Von Rosen und Clematis überwachsene Rankelemente trennen in diesem prächtigen Garten in Freiburg das eine Zimmer, nämlich den sonnigen Steingarten, von der Ruhewiese.
Von Rosen und Clematis überwachsene Rankelemente trennen in diesem prächtigen Garten in Freiburg das eine Zimmer, nämlich den sonnigen Steingarten, von der Ruhewiese.
Sandra Weber, Berglegarten
Stauden wie der Nesselkönig und seine Hofleute, Akelei und Tulpen, sind keine Fussballfans. Darum wäre das Tschutten auf der Wiese hier nicht erlaubt.
Stauden wie der Nesselkönig und seine Hofleute, Akelei und Tulpen, sind keine Fussballfans. Darum wäre das Tschutten auf der Wiese hier nicht erlaubt.
Sandra Weber, Berglegarten
...aber viel lieber sind die Kleinen da, wo die Grossen sind. Die machen auch immer so spannende Sachen.
...aber viel lieber sind die Kleinen da, wo die Grossen sind. Die machen auch immer so spannende Sachen.
Sandra Weber
1 / 6

Ein Garten ist ein Wohnzimmer unter freiem Himmel. Ein Raum, den alle Familienmitglieder nutzen, oft gleichzeitig. Das macht seine Planung so schwierig. So träumt der Mann zum Beispiel vom Entspannen der Hängematte. Träumen ist hier das richtige Wort – schliesslich haben wir zwei Kinder.

Nicht nur verhindern diese allein kraft ihrer Präsenz jegliche Art von Entspannung, auch nutzen sie horizontal liegende Personen grundsätzlich als Hüpfburg. Aber im Freien essen, das sollte möglich sein, meint der Mann. Und vielleicht mal was auf den Grill hauen.

Und was wollen die Buben? Ein Gireitzi? Eine Rutsche? Klar. Meiner Erfahrung nach wollen sie aber vor allem fürchterlich brüllend herumrasen, was nicht niet- und nagelfest ist ausreissen, Löcher graben und Sachen unter Wasser setzen. Wünsche, die nicht sehr kompatibel sind mit meinen: Kräuter, Gemüse und Blumen. Ausser ich setze bei der Bepflanzung auf Robustes, das auch mal eine Begegnung mit einem Ball, Pneu oder Piratensäbel übersteht. Löwenzahn zum Beispiel. Oder Brennnesseln. Die würden sich auch gut zurückwehren. Schade ist es für Kakteen bei uns zu kalt.

Dass Kinder in ihrem Zimmer spielen, ist ein Mythos – genau wie der, dass sie in ihren Betten schlafen.

Noch besser: Ich teile den Garten in Zimmer auf – ein Bereich fürs Essen, einer fürs Entspannen, einer für Kräuter und Gemüse, einer für Blumen und einer für die Buben. Statt Wände könnten mit Clematis und Kletterrosen überwachsene Rankelemente, oder aus Weidenruten geflochtene, lebende Zäune die einzelnen Zimmer voneinander trennen. Ein Garten ist sowieso spannender, wenn er nicht alle seine Geheimnisse auf den ersten Blick verrät.

In meiner Fantasie wandle ich durch wildromantisch überwachsene Rosenbögen von einem Raum zum nächsten. Und während die Jungs ihren Spielbereich überschwemmen, pflanze ich nebenan Pulsatilla, Federgras und andere zarte Gewächse.

Soweit der Plan. Er hat nur einen Haken: Mit Kindern bewohnt man ja nicht mehr Küche, Kinder-, Wohn- und Schlafzimmer. Sondern Spielzimmer 1, 2, 3 und 4. Dass Kinder in ihrem Zimmer spielen, ist nämlich ein Mythos, genau wie der, dass sie in ihren Betten schlafen. Sie wollen da sein, wo wir sind. Und das tun, was wir tun. (Ausser wir wollen, dass sie das tun, was wir tun, dann wollen sie nicht.) Das wird im Garten nicht anders sein.

Seis drum. Immerhin kann ich, während sie den Salat ertränken, den Rosmarin von seinen Nadeln befreien oder Lastwagenladungen Kies ins Rosenbeet schaufeln, in Ruhe jäten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch