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Spielen ohne Zeug

Rutschen sind was Tolles. Trotzdem brauchen Kinder im Garten keine, um glücklich zu sein.
Rutschen sind was Tolles. Trotzdem brauchen Kinder im Garten keine, um glücklich zu sein.
Sandra Weber
Ein Kletterturm? Braucht`s auch nicht. Eine Bockleiter ist doch viiiel spannender.
Ein Kletterturm? Braucht`s auch nicht. Eine Bockleiter ist doch viiiel spannender.
Sandra Weber
Am allerliebsten aber helfen Kinder, bei dem was die Grossen machen. Zumindest bis zu einem gewissen Alter.
Am allerliebsten aber helfen Kinder, bei dem was die Grossen machen. Zumindest bis zu einem gewissen Alter.
Sandra Weber
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Eine Schaukel,eine Rutschbahn und sicher ein Sandkasten. Vielleicht noch ein Spielhäuschen? Oder lieber eine Baumhütte? Und dazu ein Riesentrampolin. Und ein Goal zum Tschutten ... Alles Sachen, die bei der Planung unseres neuen Gartens auf der Liste stehen, damit sich unsere Buben dann auch sicher draussen verweilen können. Blöd nur, dass unser Budget vorläufig nicht mehr die kleinste Ausgabe erlaubt.

Was nun? Occasionen suchen? Ich stosse auf wurmstichige Spieltürme mit morschen Leitern und ausgebleichten Rutschen, der Plastik spröde wie Hühnerknochen, rostige Schaukelgestelle und Trampoline, denen die Schutzwand in Fetzen vom Gerippe hängt. Andere Fundstücke sind zwar in besserem Zustand, lassen aber Eltern und Kindern die Haare zu Berge stehen: den Kleinen, weil sie sich bei jeder Benutzung statisch aufladen, uns beim schieren Anblick der quietschbunten Plastikmonstrositäten.

Die andere Möglichkeit: Selber kreativ werden. Mein mit Schweiss, Sägemehl und Baustaub garnierter Mann verschluckt sich bei dem Vorschlag fast an den M-Budget-Hörnli. Erst müsse jetzt mal unser Haus fertig werden, bevor er Dependancen im Garten errichten könne. Und das sei sicher nicht vor Weihnachten der Fall.

Kinder wollen vor allem spielen. Dafür brauchen sie gar nicht viel.

Weihnachten? Wenn ich etwas aus dem Kauf eines alten Hauses und mittlerweile sieben Monaten Umbauerfahrung gelernt habe, dann dass es sich bei dem Termin auch gut erst um die Weihnacht handeln könnte, an welcher unser jüngster Sohn seine Volljährigkeit erreicht – und damit vermutlich zu alt ist für eine Baumhütte.

Während ich draussen Zweige für die Grünabfuhr bündle, beobachte ich die Buben. Sie bemalen mit Kreide den Weg, das Haus, einander. Sie schichten Zweige in einen Wagen und ziehen ihn herum. Sie buddeln Löcher. Sie stochern mit Stecken in der Feuerstelle. Sie klettern auf den Apfelbaum. Sie werfen Steine in den Gully. Sie pflücken Blumen. Sie jagen Katzen. Sie singen. Sie bohren in der Nase. Kurz: Sie sind beschäftigt. Ganz ohne Spielhaus, Rutsche und Schaukel!

Und ich realisiere: Kinder wollen vor allem spielen. Dafür brauchen sie gar nicht viel. Im Gegenteil. Je weniger Spielgeräte desto besser. Dafür mehr Steine, Holz, Sand und Wasser. Und Freiheit. Zum Erkunden. Und zum laut und wild und dreckig sein. Für alles andere gibt’s schliesslich Spielplätze.

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