Gartenblog

Problemzone Fassade

Ein braun gestrichenes Haus im Hintergrund verunstaltet noch den prächtigsten Garten, findet unsere Autorin. Und sucht nach Mitteln und Wegen, die Fassade zu verschönern. Zum Beispiel mit Kletterpflanzen.

Ganz ehrlich, beim Anblick unserer Hausfassade fällt mir nur ein Wort ein, welches ich hier niemals schreiben würde und welches laut ausgesprochen bei meinem Vierjährigen derzeit grösste Erheiterung auslöst. Wie übrigens so ziemlich alle Bezeichnungen für Geräusche und Ausscheidungen unterhalb der Gürtellinie.

Braun ist ja wirklich nicht jedermanns Sache. Ich persönlich mag Braun eigentlich nur in Schokoladenform. Wie jemand auf die Idee kommt, eine Fassade damit zu bemalen ist mir ein Rätsel. Um die Nachbarn zu ärgern?

Da auch Küche und Bäder unseres Hauses in Variationen von Braun gehalten waren, kann ich nur annehmen, dass die Vorbesitzer schlicht eine grosse Vorliebe für den Farbton hatten. Und er soll ja auch mal sehr in Mode gewesen sein. Leider beschränkte sich unser Budget auf die Eliminierung der Braunorgie im Hausinneren. Die Renovation der Fassade wird noch ein paar Jahre warten müssen.

Kletterpflanzen kaschieren mit ihrem Blattwerk nicht nur unschöne Fassaden, sie bieten auch Nahrung, Nistplatz und Unterschlupf für viele Vogel- und Insektenarten.

„Wir sehen sie ja nicht, wenn wir drinnen sind“, meinte mein Mann pragmatisch. Wenn wir drinnen sind. Ich bin aber gern und oft draussen. Und im Garten bin ich fast gezwungen, die Fassade anzuschauen. Bereits streiten wir über die zukünftige Farbe. In unserem Quartier ist ja von zartgelb über knallorange bis pink alles vertreten. „Schwarz“, meint mein Mann. „Rot“, wünscht sich der ältere, „blau“ der jüngere Sohn – wobei dies die einzige Farbe ist, die er schon benennen kann.

Und ich? Bin für grün. „Hell oder dunkel?“ will mein Mann misstrauisch wissen. „Beides. Und gelb, rot und blau noch dazu.“ Denn das lässt sich vergleichsweise rasch umsetzen. Mit Pfeifenwinden, Spalierobst, Blauregen oder Wildem Wein, der zudem eine sensationelle Herbstfärbung zeigt. Kletterpflanzen kaschieren mit ihrem Blattwerk nicht nur unschöne Fassaden, sie bieten auch Nahrung, Nistplatz und Unterschlupf für viele Vogel- und Insektenarten. Und wenn wir schon dabei sind, könnten wir auch gleich den überaus hässlichen Maschendrahtzaun begrünen. Und das (selbstverständlich) dunkelbraune Gartenhäuschen.

Beim Rundgang durch den Garten fällt mir übrigens auf, dass bereits eine Pflanze dabei ist, das Haus zu erklimmen. Ein Schlingknöterich, der rund 8 Meter wachsen kann – pro Jahr. Im Volksmund werde er auch „Architektentrost“ genannt, lese ich. Es scheint, als hätte unseren Vorgängern das Braun dann doch auch nicht so gefallen.

Tipps zur Fassadenbegrünung

Fassaden sollte man als vertikale Gärten betrachten. Natürlich kann man sie unbepflanzt lassen, aber bei der Vielfalt an Möglichkeiten wäre das fast schade. Allerdings brauchen sie, wie herkömmliche Gärten, regelmässige Pflege, vor allem regelmässigen Rückschnitt. Und es gilt, sich vor dem Pflanzen genau über die entsprechenden Eigenschaften zu informieren, um Schäden am Haus zu vermeiden.

Grundsätzlich sollten Kletterpflanzen nur an intakten Fassaden wachsen, denn selbstklimmende Arten wie Efeu und Wilder Wein suchen in jeder Ritze Halt und können so zu weiterem Abbröckeln der Fassade führen. Zudem bilden sie Haftwurzeln, welche nur durch Abflammen von der Fassade entfernt werden können.

Schlingende Pflanzen wie Blauregen (Wisteria), Baumwürger (Celastrus orbiculatus) und Schlingknöterich (Fallopia aubertii) können Balkongitter, Dachrinnen und Fallrohre zusammendrücken und verkrümmen. Sie sollten daher an einem Drahtseilsystem oder gar an Edelstahlstangen gezogen und regelmässig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen nie bis ganz zum Dach wachsen lassen, sie können die Konstruktion beschädigen und das Dach undicht machen.

Wer um sein Haus fürchtet, lässt die Kletterpflanzen über Zäune, an Gartenmauern oder über abgestorbene Bäume ranken.

Erstellt: 15.11.2017, 15:57 Uhr

Pflanzentipps...


  • ...für sonnige Fassaden


Rankende Jungfernrebe Parthenocissus vitacea

Gleicht Wildem Wein, ist aber kein Selbstklimmer sondern benötigt Spalierführung, schädigt Fassaden nicht! Wächst 1 – 3 m pro Jahr, bis in10 m Höhe, Rückschnitt selten nötig. Sehr schöne, tiefrote Herbstfärbung. Keine Ansprüche an Boden. Nektarquelle, Beeren bei Vögeln beliebt.

Weitere: Kiwi, Kletterrosen, Spalierobst, Wisteria, Clematis (benötigen alle eine Kletterhilfe)



  • ...für schattige Fassaden


Kletterhortensie Hydrangea petiolaris

Selbstklimmer (bildet Haftwurzeln), im Frühsommer schön weiss blühend mit attraktiver gelber Herbstfärbung. Bevorzugt schattige Wände und gut feuchte Böden. Eher langsam wachsend bis auf ca. 6 m Höhe. Schnitt im Frühjahr fördert Verzweigung.

Weitere: Efeu (Haftwurzeln bildend, erst nach ca. 10 Jahren blühend, dann aber wertvoller Lebensraum für unzählige Gartenlebewesen)



  • ...für überall


Pfeifenwinde Aristolochia tomentosa

Schlingpflanze bis 20 m Höhe. Wächst am liebsten vertikal an schattigen bis vollsonnigen Wänden mit ausreichend Feuchtigkeit, bevorzugt windgeschützt. Braucht Klimmhilfe in Form von Drähten. Dichtes Grün, grosse, herzförmige Blätter. Kaum Schnitt nötig, alle zwei bis drei Jahre etwas auslichten.

Weitere: Wilder Wein Parthenocissus tricuspidata und Parthenocissus quinquefolia (bilden Haftscheiben) wunderbare Herbstfärbung und fast an jedem Standort wachsend.


Weitere Infos:

stadt-zuerich.ch
fassadengruen.de

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben