YoungMum

Nur das Beste für das Kind

Unsere YoungMum-Bloggerin Silvia Makowski wirft die Frage auf, ob ein Baby immer die besten und teuersten Babyartikel haben muss oder ob auch mal eine Zweitlösung genügt.

Bild: zvg/pixabay

Wir wollen alle nur das Beste für das Kind – das ist klar. Das Geschäft mit Babyartikeln boomt, je moderner, effizienter, sicherer, umso besser. Doch was ist das Beste? Muss es denn immer das Beste sein, oder ist auch mal eine Zweitlösung ok? Darüber scheiden sich die Geister. «Hauptsache, das Kind ist satt und angezogen» versus «nur das Beste für das Kind» - von diesen zwei Haltungen handelt der nachfolgende Artikel.

Was ist das Beste?

Eltern habe ihre eigene Vision, wie sie ihre Kinder erziehen möchten. Sollen die Kinder schön angezogen sein und Designerwindeln tragen? Soll man den Babybrei nur im neusten Dampfgarer zubereiten? Ist nur das neuste Babyphone mit integriertem Thermometer und Kamera gut genug für die Sicherheit des Kindes? Oder soll mein Kind eher bescheiden aufwachsen, keine Markenkleider tragen und einfache Apfelschnitze essen statt speziell für Kinder produzierte Früchteriegel?

Eltern müssen selber entscheiden, was das Beste für ihre Kinder ist und ob sie sich vom Geschäft mit Kinderprodukten mitreissen lassen möchten oder nicht. Vor allem scheint sich über die Jahre vieles verändert zu haben. Als ich ein Kind war, spielte ich mit den Nachbarskindern im Wald, wir hingen auf Bäumen und liefen im Sommer barfuss herum. Vor 25 Jahren trugen wir keine Velohelme beim Velofahren. Heute hingegen tragen Kinder schon beim Dreiradfahren mit lenkbarer Schubstange einen vom TÜV Rheinland zertifizierten Velohelm mit den besten Testergebnissen.

Kleider «zum Austragen» versus Petit Bateau und Co.

Kürzlich wurde in einer Facebook-Gruppe über den «Kleiderwahn» diskutiert. Eine Mutter verstand nicht, warum man seinen Kindern teure und schöne Kleider kauft. Es sei bei einem Kind doch egal was es trage, es würde sich ja sowieso schmutzig machen beim Spielen. Leider kann ich diese Meinung nicht teilen. Teuer muss es nicht sein, aber schön auf jeden Fall. Auch für den Spielplatz schaue ich, dass Leggins, Shirt und Kapuzenpulli farblich miteinander harmonieren. Warum auch nicht? Ich will, dass meine Kinder gepflegt aussehen und auch so wahrgenommen werden. Natürlich ist hier wie überall im Leben ein gesunder Menschenverstand gefragt. So macht es wohl wenig Sinn eine neue und teure Petit Bateau Hose für den Sandkasten zu wählen.

Apfelschnitze versus Kindersalami

Das Thema kann man beliebig auf andere Lebensbereiche ausweiten. Was essen meine Kinder? Mache ich mir die Mühe, spezielle Kindersalami zu kaufen, Früchtetee für Kinder und Kinderapfelmus? Ist nicht auch gewöhnliches Apfelmus ok? Wie weit geht man im Geschäft mit Kinderprodukten? Mein Kinderarzt meint beispielsweise, dass jegliches Geschäft mit Folgemilch für Kinder ab 12 Monaten pure Geldmacherei sei, da Kinder ab 12 Monaten herkömmliche Kuhmilch trinken können und auch sollen.

Einerseits sollte man sich vom Geschäft mit Kinderprodukten nicht zu fest mitreissen lassen, andererseits sollte es ja auch Spass machen, Kinder zu haben. Mir macht es jedenfalls Spass, kleine «JaMaDu» Mozzarella Sticks für meine Kinder zu kaufen. Und den Kindern macht das kleine JaMaDu-Äffchen auf der Packung auch Spass.

Eine Einstellungssache

Ob teure Ökowindeln, Velohelme oder Markenkleider – ich persönlich mag es, wenn meine Kinder bequeme und hochwertige Sachen tragen, z.B. damit sie nicht schwitzen und damit sich das Material angenehm auf der Haut anfühlt. Natürlich kann ein Kind zu kleine Hosen tragen, verwaschene Shirts und Jacken der älteren Geschwister – es wird nicht viel davon mitbekommen.

Auch als Erwachsener kann man keinen grossen Wert auf Kleider und Aussehen legen, auf eine harmonische Wohnungseinrichtung, weiche Badetücher, schönes Porzellan oder auf ein praktisches Smartphone. Wenn man es sich denn überhaupt leisten kann, so stellt sich die Frage, ob man «dabei sein» und die Vorzüge der Technik nutzen will, schön und gut angezogen sein will oder ob man nur „überleben“ statt „leben“ will.

Verwöhnte Kinder

Verwöhnt man seine Kinder irgendwann nicht zu sehr, wenn man sich immer nur für das Beste entscheidet? Was wird aus einem Kind, das immer nur in Watte gehüllt wird, die besten Protektoren hat, später die smartesten Smartphones, also immer nur das Beste hat? Wird es abgehärtet? Kann es aus seinen eigenen Fehlern lernen? Muss es innovativ denken?

Qualität ist für Sicherheit und Komfort wichtig und manchmal auch für einen gepflegten Auftritt. Zu verhindern ist aber, dass das Kind zu viel davon mitbekommt und in einer Welt voller Marken aufwächst. Qualität muss nämlich nicht immer teuer sein, ein Kind versteht das nicht unbedingt. Alles ist gut, aber im rechten Mass!

Herzlichst,

YoungMum (Zürcher Regionalzeitungen)

Erstellt: 12.09.2017, 12:57 Uhr

Über YoungMum

Silvia Makowski ist Mutter einer kleinen Tochter, Bankangestellte und nebenbei freischaffende Texterin. Sie ist Verfasserin des Blogs «YoungMum.ch», in dem sie regelmässig über das Muttersein und den Familienalltag berichtet. Sie hat eine grosse Leidenschaft für Wörter, Sätze und Geschichten und lebt mit ihrer Familie im Raum Zürich.

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