Garten-Blog

Liebe auf den zweiten Blick

Der Garten unserer Bloggerin liegt vorwiegend im Schatten. Doch auch dort wächst weit mehr als bloss Moos und Efeu.

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Es gibt ja Stauden, die thronen so richtig in den Beeten. Kräftiges Blattwerk, üppig und in leuchtenden Farben blühend, oft den ganzen Sommer lang. Die sogenannten Prachtstauden wie Dahlien, Rittersporn, Kaiserkronen oder Fackellilien sind einfach unübersehbar. Und oft der grosse Stolz der Gartenbesitzer.

Ich bin kein Fan. Dieses schreiend Bunte ist mir einfach etwas zu aufdringlich. Als würde der Karneval von Rio durch den Garten ziehen. Wer will das schon? Nun gut, ich gebe es zu: Ich bin ein bisschen neidisch. Bei mir erinnerte die fröhliche Parade nämlich eher an einen Trauerzug – zumindest das, was die Schnecken davon übrig gelassen hatten. Mir fehlte etwas, was kein noch so guter Gärtner herbeizaubern kann: Sonne. Und das nahmen mir die Prachtstauden, erklärte Sonnenanbeter, übel.

Als würde der Karneval von Rio durch den Garten ziehen. Wer will das schon? 

Aber wie heisst es so schön? Wenn Dir das Leben Zitronen gibt ... In meinem Fall beglückte mich das Leben mit einem halbschattigen Garten. Und so ergab ich mich meinem Schicksal und wurde Schattengärtnerin. Erst widerwillig, dann mit wachsender Begeisterung. Abseits der Sonne wächst nämlich weit mehr als nur Moos und Efeu. Kunterbunt, Pomp und Glorie sind zugegebenermassen dünn gesät. Dafür sind sich Schattenstauden viel zu vornehm. Sie enthüllen ihre Vorzüge erst auf den zweiten Blick: filigrane Blüten, ein betörender Duft oder interessantes Blattwerk. Letzteres wird übrigens völlig unterschätzt – dabei ist das Spektrum an Farben und Formen riesig.

„Hosta“ und „Heuchera“ zum Beispiel mögen nach Erkältungskrankheiten klingen, als sogenannte Blattschmuckstauden zeigen sie aber mindestens „Fifty Shades of Grün“. Je nach Sorte variieren ihre Blätter sogar von goldgelb über purpur bis zu silbergrau. Und wenn morgens die Tautröpfchen wie glitzernde Perlen auf den samtigen Blättern des Frauenmantels liegen, könnte ich auf Blüten auch ganz verzichten. Ich könnte – muss aber nicht. Hortensien, Herbstanemonen, Johanniskraut, Wachsglocken oder Fingerhut stehen den Prachtstauden in Sachen Blüte nämlich in nichts nach. Und der Duft der Mondviole übertrifft den mancher Rose.

Und wenn jemand – so wie bei mir kürzlich geschehen – fragt, warum man das Unkraut da nicht ausrupfe, darf man das nicht persönlich nehmen. Nicht jeder weiss eben die Schönheit des „Nesselkönigs“ zu schätzen. Sonne kann jeder. Schatten aber ist was für Kenner.

Erstellt: 27.06.2017, 15:02 Uhr

Tipps fürs Gärtnern am Schatten


  • Schatten ist nicht gleich Schatten: Im lichten Schatten unter Sträuchern und Bäumen fühlen sich andere Pflanzen wohl, als im kompletten Schatten einer Wand oder Mauer.

  • Viele Gehölze sind im Frühjahr noch kahl – ideal für Frühlingsblüher. Später lassen die Zweige da und dort Sonnenlicht durch. Der Boden ist humos und stets etwas feucht. Pflanzen, die hier gedeihen, trifft man in der freien Natur im Wald oder am Waldrand an. Sie kommen auch mit den konkurrierenden Wurzeln im Boden zurecht.

  • Unter Nadelgehölzen ist der Boden leicht sauer und sehr stark beschattet. Hier kommen wirklich nur Spezialisten zurecht.

  • Im Schatten von Mauern ist bei der Auswahl der Pflanzen zusätzlich zu beachten, ob der Boden eher feucht oder eher trocken ist. Kletterpflanzen gibt’s es ebenfalls für Wände jeder Himmelsrichtung.

  • Weiss und gelb blühende Pflanzen und solche mit weiss oder gelb panachierten Blättern hellen dunkle Gartenbereiche optisch auf.

  • Schnecken können in Schattengärten ein echtes Problem werden, da sie sich hier besonders wohl fühlen. Darum schon bei der Wahl der Pflanzen auf schneckenresistente achten. Bei den Funkien (Hosta) zum Beispiel gibt’s mittlerweile viele schneckenresistente Sorten.

  • Bei der Wahl und der Kombination von Pflanzen auch auf Farbe und Formen der Blätter achten.

  • Buchtipp: „Schattenstauden“ von Katrin Lugerbauer, Ulmer Verlag


Pflanzen für lichten Schatten unter Büschen und Bäumen


  • Busch-Windröschen Anemone nemorosa

  • Hortensien Hydrangea

  • Nessel-Glockenblume Campanula trachelium

  • Lilientraube Liriope muscari

  • Kaukasus-Vergissmeinnicht Brunnera macrophylla

  • Elfenblume Epimedium grandiflorum

  • Schaumblüte Tiarella wherryi, T. cordifolia

  • Kaukasus-Storchschnabel Geranium renardii

  • Berg-Storchschnabel Geranium nodosum

  • Grosses Salomonssiegel Polygonatum biflorum

  • Mondviole Lunaria rediviva

  • Wald-Geissbart Aruncus dionicus

  • Nesselkönig Lamium orvala

  • Aronstab Arum italicum


Blattschmuckstauden für lichten Schatten und Halbschatten


  • Farn (sämtliche Arten) – auch für Vollschatten

  • Funkien Hosta

  • Purpurglöckchen Heuchera

  • Kissen-Purpurglöckchen Heucherella Hybride

  • Frauenmantel Alchemilla mollis

Stauden für den Halbschatten


  • Herbst-Anemone Anemone hupehensis

  • Wachsglocke Kirengeshoma palmata

  • Johanniskraut Hypericum androsaemum (nicht zu feucht)

  • Akelei Aquilegia

  • Maiglöckchen Convallaria majalis

  • Bergenie Bergenia

  • Porzellanblümchen Saxifraga x urbium

  • Silberkerzen Cimicifuga

Kletterpflanzen für schattige Mauern


  • Kletterhortensie Hydrangea petiolaris

  • Efeu Hedera

  • Waldrebe Clematis (Halbschatten)

  • Geissblatt Lonicera caprifolium, L. henryi

  • Grossblättrige Pfeifenwinde Aristolochia macrophylla

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