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Liebe auf den zweiten Blick

Der Garten unserer Bloggerin liegt vorwiegend im Schatten. Doch auch dort wächst weit mehr als bloss Moos und Efeu.

Rittersporn und Rosen? Hatten auf der Nordseite des Hauses keine Chance. Dafür fühlen sich hier Funkien, Frauenmantel, Porzellanblümchen, Purpur-September-Silberkerze und Samtblatt-Hortensien wohl.
Rittersporn und Rosen? Hatten auf der Nordseite des Hauses keine Chance. Dafür fühlen sich hier Funkien, Frauenmantel, Porzellanblümchen, Purpur-September-Silberkerze und Samtblatt-Hortensien wohl.
Sandra Weber
Die Blüten des Porzellanblümchens sind winzig, dafür umso aparter. Die verschiedenen Blattformen und Farben der Stauden bilden einen reizvollen Kontrast.
Die Blüten des Porzellanblümchens sind winzig, dafür umso aparter. Die verschiedenen Blattformen und Farben der Stauden bilden einen reizvollen Kontrast.
Sandra Weber
Und noch ein blaues Wunder: Eine Smaragdeidechse, eigentlich ein Sonnenanbeter, mitten im Wald. Ihr Hochzeitskleid passt aber auch zu gut zu den Hortensien.
Und noch ein blaues Wunder: Eine Smaragdeidechse, eigentlich ein Sonnenanbeter, mitten im Wald. Ihr Hochzeitskleid passt aber auch zu gut zu den Hortensien.
Sandra Weber
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Es gibt ja Stauden, die thronen so richtig in den Beeten. Kräftiges Blattwerk, üppig und in leuchtenden Farben blühend, oft den ganzen Sommer lang. Die sogenannten Prachtstauden wie Dahlien, Rittersporn, Kaiserkronen oder Fackellilien sind einfach unübersehbar. Und oft der grosse Stolz der Gartenbesitzer.

Ich bin kein Fan. Dieses schreiend Bunte ist mir einfach etwas zu aufdringlich. Als würde der Karneval von Rio durch den Garten ziehen. Wer will das schon? Nun gut, ich gebe es zu: Ich bin ein bisschen neidisch. Bei mir erinnerte die fröhliche Parade nämlich eher an einen Trauerzug – zumindest das, was die Schnecken davon übrig gelassen hatten. Mir fehlte etwas, was kein noch so guter Gärtner herbeizaubern kann: Sonne. Und das nahmen mir die Prachtstauden, erklärte Sonnenanbeter, übel.

Als würde der Karneval von Rio durch den Garten ziehen. Wer will das schon?

Aber wie heisst es so schön? Wenn Dir das Leben Zitronen gibt ... In meinem Fall beglückte mich das Leben mit einem halbschattigen Garten. Und so ergab ich mich meinem Schicksal und wurde Schattengärtnerin. Erst widerwillig, dann mit wachsender Begeisterung. Abseits der Sonne wächst nämlich weit mehr als nur Moos und Efeu. Kunterbunt, Pomp und Glorie sind zugegebenermassen dünn gesät. Dafür sind sich Schattenstauden viel zu vornehm. Sie enthüllen ihre Vorzüge erst auf den zweiten Blick: filigrane Blüten, ein betörender Duft oder interessantes Blattwerk. Letzteres wird übrigens völlig unterschätzt – dabei ist das Spektrum an Farben und Formen riesig.

„Hosta“ und „Heuchera“ zum Beispiel mögen nach Erkältungskrankheiten klingen, als sogenannte Blattschmuckstauden zeigen sie aber mindestens „Fifty Shades of Grün“. Je nach Sorte variieren ihre Blätter sogar von goldgelb über purpur bis zu silbergrau. Und wenn morgens die Tautröpfchen wie glitzernde Perlen auf den samtigen Blättern des Frauenmantels liegen, könnte ich auf Blüten auch ganz verzichten. Ich könnte – muss aber nicht. Hortensien, Herbstanemonen, Johanniskraut, Wachsglocken oder Fingerhut stehen den Prachtstauden in Sachen Blüte nämlich in nichts nach. Und der Duft der Mondviole übertrifft den mancher Rose.

Und wenn jemand – so wie bei mir kürzlich geschehen – fragt, warum man das Unkraut da nicht ausrupfe, darf man das nicht persönlich nehmen. Nicht jeder weiss eben die Schönheit des „Nesselkönigs“ zu schätzen. Sonne kann jeder. Schatten aber ist was für Kenner.

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