Garten-Blog

Aus der Reihe tanzen

Buben lassen sich nicht in Schubladen stecken. Dass aber auch so manche Pflanze ihren ganz eigenen Kopf hat und sich einen Deut um gängige Konventionen schert, war unserer Autorin neu.

Dreijährige Buben interessieren sich für Bagger und Autos. Sie mögen Elefanten, Löwen und Affen und essen am liebsten Pizza. Oder Spaghetti. Dachte ich. Jetzt habe ich selber einen und besagter weigert sich standhaft, den seinem Geschlecht und seiner Alterskategorie zugedachten Interessensgebieten zu entsprechen. Er macht einen grossen Bogen um Baustellen, stürzt sich auf Oliven, Muscheln und Tintenfisch und will im Zoo immer nur das Chamäleon sehen.

Da kann ich noch so begeistert auf den süssen, kleinen Elefanten hinweisen. Oder den prächtigen Löwen. Dieser könnte auf einem Einrad über ein Hochseil fahren, meinen Sohn würde es nicht die Bohne interessieren. Hauptsache, wir gehen jetzt ENDLICH das Chamäleon suchen. Auch sein Vater kann mit gängigen Männerthemen wie Autos oder Fussball wenig anfangen. Lieber macht er die Küchen und Kunstmuseen dieser Welt unsicher.

Sohnemann mag (noch) keine Bagger. Dafür den Swiffer. (Bilder: Sandra Weber)

Buben sind eben nicht gleich Buben. Und Königskerzen sind nicht gleich Königskerzen. Denn wie sonst liesse sich erklären, warum sich das von mir gepflanzte Exemplar nur mit grösstem Widerwillen dazu herabliess, so wie in der Fachliteratur beschrieben am wärmsten, sonnigsten Plätzchen in unserem Garten zu blühen?

Dieser angeblich sonnenhungrigen Königskerze gefällt's viel besser auf der Nordseite des Hauses. (Bilder: Sandra Weber)

Stattdessen beschloss meine Königskerze, ihre Nachkommen um zwei Hausecken herum in den kühlen, schattigen Norden zu entsenden (vermutlich hatte sie dabei Tränen in den Augen und flüsterte erstickt: «Ihr sollt es dereinst besser haben als ich!»). Dort bringen sie jetzt zwar mein Pflanzkonzept durcheinander, blühen aber zwischen Frauenmantel, Farn und Funkien besser und schöner denn je.

Ähnlich aus der Reihe tanzt der Fingerhut. Den hatte ich in so ziemlich alle meine Schatten- und Halbschattenbeete gesetzt, wo er in der Regel einmal schwächlich aufblühte und dann auf Nimmerwiedersehen verschwand, statt sich, wie in den konsultierten Fachbüchern versprochen, kräftig selbst auszusäen.

Fingerhüte mögen lockere, humose Böden an halbschattiger Lage? Oh nein. Lieber humusfreie Plätze an voller Sonne. (Bilder: Sandra Weber)

Dieses Jahr aber treffe ich ihn plötzlich wieder an. Ganz anscheinend mag er keine frischen, lockeren, humosen Böden in lichtem Schatten sondern bevorzugt die staubtrockenen Ritzen zwischen den Pflastersteinen unseres Gehwegs an der prallen Sonne.

In den trockenen Ritzen dieses vollsonnigen Plätzchens haben sich gleich drei Fingerhüte eingemietet. (Bilder: Sandra Weber)

Entweder müssen die Gartenbücher neu geschrieben werden, oder meine Pflanzen mögen es einfach genauso wenig wie meine Männer, in Schubladen gesteckt zu werden.

Lichtbedingungen im Garten – ein Überblick

Pflanzen muss man sich dem Standort entsprechend auswählen. Oft herrscht aber Unsicherheit bezüglich der Angaben zu den Lichtbedingungen. Hier sind die Faustregeln im Überblick.

Sonnig: Der Standort ist möglichst den ganzen Tag, spätestens aber ab dem späten Vormittag an der vollen Sonne.

Absonnig: Der Standort wird nicht den ganzen Tag und vor allem nicht über Mittag direkt von der Sonne beschienen, ist aber hell und wird nie vollständig von Mauern, Gebäuden oder Gehölzen beschattet. Am besten pflanzt man hier Pflanzen, die es sonnig bis halbschattig mögen.

Halbschattig: Der Standort ist nach Osten oder Westen ausgerichtet, hat also 4 bis 5 Stunden, entweder am Vormittag oder am Nachmittag, nicht aber über Mittag, direkte Sonne.

Lichter Schatten: Der Standort wird ähnlich einer Stelle in einem lichten Laubwald, von Gehölzen oder Bäumen so beschattet, dass die Sonne stellenweise durchdringt.

Schattig: Der Standort wird die meiste Zeit des Tages durch eine Mauer, ein Gebäude oder dichte Gehölze voll beschattet. Grundsätzlich beziehen sich die Standortbedürfnisse auf die Hauptvegetationszeit der Pflanze. Sonne liebende Frühlingsblüher zum Beispiel, die ab April einziehen, brauchen ab dem Zeitpunkt keine Sonne mehr, sondern dürfen von später austreibenden Stauden und Gehölzen beschattet werden.

Auch diese Akeleien und Stockrosen legen wenig Wert auf saftiges Erdreich. Ihnen reicht ein winziger Spalt am Trottoirrand. (Bilder: Sandra Weber)

Erstellt: 03.06.2016, 08:17 Uhr

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