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Wuchtig im Auftritt und unter der Haube

Mit einer Länge von 5,25 Metern und einer Breite von 2,23 Metern will der VW Amarok nicht in jede Garage passen. Im Element fühlt sich der rundum aufgewertete Pick-up mit dem neuen V6-Turbodiesel erst, wenn er sich im Freien austoben kann.

In Nordamerika dienen grosse Pick-ups wie der VW Amarok nicht nur als Lastesel, sondern auch als Familienwagen. Kein Wunder, stehen sie an der Spitze der Verkaufsstatistik. Genau das hat Volkswagen ermuntert, die Marktleader Ford und General Motors mit einem selbst entwickelten Fahrzeug moderner Bauart herauszufordern.

Auf den Schweizer Strassen gehören wuchtige Transporter dieser Art zwar noch immer zu den Aussenseitern. Kommunen, Handwerker, KMU und Individualisten wissen ihre vielseitigen Einsatzmöglichkeiten jedoch durchaus zu schätzen. Die beeindruckenden Offroad-Qualitäten werden im Normalfall kaum je genutzt. Wer muss schon 100-prozentige Steigungen oder Schräglagen bis 50 Grad meistern? Doch ein bärenstarker Motor mit einem gut dazu passenden 8-Gang-Automatikgetriebe und permanenter Allradantrieb bescheren dem Pick-up aus Wolfsburg bei allen Verhältnissen Temperament und gute Fahreigenschaften.

Der im Herbst lancierte jüngste Jahrgang des Amarok benimmt sich wie ein grosser SUV und hat Kraftreserven, die manch andere Verkehrsteilnehmer vor Neid erblassen lassen. Muss er dann auch einmal in Richtung Stadt, wird es ungemütlicher. Mit Aussenmassen von 5,25 Metern in der Länge und, die Aussenspiegel mitgerechnet, 2,23 Metern in der Breite lassen sich vorwurfsvolle Blicke nicht vermeiden. Velofahrer und Fussgänger fühlen sich schnell einmal verunsichert. Beim Anpeilen eines Parkplatzes können trotz hilfreicher Parkhilfen und Rückfahrkamera auch Routiniers ins Schwitzen kommen.

Der Pick-up mit Doppelkabine ist eine Referenz an all jene Automobilisten, die ihren Wagen aus prinzipiellen oder finanziellen Gründen nicht nur bei der täglichen Arbeit, sondern auch im Privatleben einsetzen. Die Ladefläche mit einer rekordverdächtigen Breite von 1,22 Metern eignet sich für Transporte aller Art und ist dank der niedrigen Ladekante sehr leicht zu beladen. Die Rücksitze bieten ausreichend Platz für drei Kinder oder Jugendliche, werden den Ansprüchen voll ausgerüsteter Berufsleute aber ebenso wenig gerecht wie den unternehmungslustigen Mitgliedern des Sportklubs oder den rüstigen Senioren, die nach dem geselligen Mittagessen froh wären, wenn sie nach Hause gefahren würden, sich angesichts der hohen Hürde beim Einstieg aber entschuldigend für den öffentlichen Verkehr entscheiden.

Geradezu paradiesische Zustände herrschen im markant aufgewerteten Interieur der Highline-Ausstattung. Die feudalen Vordersitze lassen sich in allen erdenklichen Richtungen verstellen und gut dem Körper anpassen. Dank der hohen Sitzposition ist eine exzellente Rundumsicht garantiert. Da die wichtigsten Instrumente und Bedienungshebel am richtigen Ort angebracht sind, gibt es in dieser Beziehung keinerlei Berührungsängste. Auslöser für das laue Gefühl in der Magengegend auf der verzweifelten und oft erfolglosen Suche nach einem genügend grossen Abstellfeld im unübersichtlichen Parkhaus sind die ungewohnten Aussenmasse.

Entgegen dem aktuellen Trend hat VW dem neuen Amarok einen grösseren Motor eingebaut. Der bisherige 2-Liter-4-Zylinder hat im Topmodell einem 3-Liter-V6 aus dem Konzernregal Platz gemacht, dem mit Ausnahme des erheblichen Verbrauchs von mehr als zehn Litern für 100 Kilometer kaum etwas anzukreiden ist. Die Höchstleistung des agilen Turbodiesels kann mit der Overboost-Funktion kurzfristig um 20 auf 244 PS gesteigert werden. Das maximale Drehmoment von 550 Newtonmetern ist schon in niedrigen Tourenzahlen abrufbar. Aus dem kaum hörbar schlummernden Riesen wird so ein fauchendes Raubtier, das nicht so recht zur gediegenen Ambiance passt.

Der Premium-Charakter des Amarok macht sich im Verkaufspreis deutlich bemerkbar. Die Basisversion mit 163 PS könnte beim offiziellen VW-Händler zwar für weniger als 30'000 Franken abgeholt werden, ist aber ohne 4-Motion-Allradantrieb in der Schweiz nur selten an den Mann zu bringen. Mit der empfehlenswerten Spitzenkonfiguration ist der viele Bedürfnisse abdeckende Alleskönner mehr als 20'000 Franken teurer und definitiv nicht mehr für jedermann zugänglich.

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