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Vom Genuss des Autofahrens

Mit dem zweiten R8 ist Audi ein grosser Wurf gelungen. Der offene Spyder steht dem in nichts nach – er ist die Wahl der Geniesser.

Die Augen definieren, wohin es geht. Die Hände am Volant handeln nach dieser Direktive, unbewusst und intuitiv, im Einklang mit dem Radius der Kurve und den Reifen. Der rechte Fuss am Gaspedal führt letztlich um den Scheitelpunkt, ertastet sanft die Grenze, wo der Grip aufhört und der Schlupf beginnt.

Sobald sich die vier Räder wieder fest in den Asphalt krallen und die Lenkung wieder geöffnet ist, kommt das Pedal auf das Bodenblech. Die Beschleunigung raubt den Atem, wörtlich, jedes Mal aufs Neue. Der Blick peilt den nächsten Bremspunkt an, dann rammt der linke Fuss hart aufs Bremspedal. Das Heck schwänzelt leicht, während sich das ­Gewicht auf die einlenkende Vorderachse legt. Wieder geben die Augen die Richtung vor, und das Spiel beginnt von neuem.

Autofahren kann Mobilität sein, die Bewältigung einer Strecke von A nach B. Autofahren ist aber so viel mehr. Leidenschaft. Erlebnis. Lust. Herzklopfen. Ein Tanz mit den Gesetzen der Physik; Adrenalin. Und es kann purer Genuss sein. Mit offenem Verdeck durch den goldenen Herbst brausen. Den Wind spüren. Die Gerüche der abgeernteten Felder riechen. Die intensiven Farben der Wälder. Die Abendstimmung. Autofahren ist fantastisch.

Nur wenige Fahrzeuge bieten diese gesamte Bandbreite. Der Audi R8 Spyder gehört dazu. Supersportwagen, ungeheuer potent, irrwitzig schnell, grossartig abgestimmt und wunderbar ausbalanciert. Ein Biest, jenseits von 5000 Touren hart, brutal, gewaltig. Er ist aber auch sehr genussvoll zu cruisen, lieblich fast schon zu fahren, sehr einfach in der Handhabung, unverfälscht direkt. Ob man nun mit dem Messer zwischen den Zähnen am Limit über eine Rennstrecke hetzt oder entspannt eine Feierabendausfahrt unternimmt, das Auto verschmilzt vollends mit dem Fahrer. Und vice versa.

Allein das Konzept ist grossartig. Der V10-Saugmotor sitzt direkt hinter den beiden Sitzen, die Gewichtsverteilung ist damit ausgewogen, der Schwerpunkt mittig und tief. Der hecklastige Allradantrieb sorgt für eine ungeheure Traktion und ein sicheres Handling. Das Doppelkupplungsgetriebe schaltet blitzschnell, die Gänge lassen sich über Wippen hineinknallen oder wechseln sanft und kaum merklich im Automatikmodus – ganz nach Gusto und Situation. Die verschiedenen Fahrmodi machen hier für einmal wirklich Sinn: Der Charakter wechselt auf Knopfdruck von Dr. Jackyl zu Mr. Hyde.

Mit dem neuen R8 ist Audi ein grosser Wurf gelungen, und der Spyder steht dem in nichts nach. Auch mit geöffnetem Verdeck – es faltet sich bis Tempo 50 vollautomatisch in 20 Sekunden unter eine kunstvolle Abdeckung – ist kein Knacken zu hören, kein Verwinden zu spüren; die Steifigkeit der Karosserie ist enorm. Auch die technischen Daten begeistern: Der 5,2-Liter-V10 leistet 540 PS und erzeugt ein Drehmoment von 540 Newtonmeter bei 6500 Touren – der Durchzug dieses grandiosen Zehnzylinders ist ein Erlebnis.

Der Motorensound ist atemberaubend, genauso wie die Beschleunigung: Tempo 100 ist in 3,6 Sekunden abgehakt, nach nur acht Sekunden fällt die 200-km/h-Marke – Wahnsinn. Der Topspeed von 318 km/h erstaunt da nicht, viel eher aber der Verbrauch: Wir kamen trotz beherztem Gaseinsatz mit 14,5 Litern über die Runden – das ist beachtlich. Der Preis ab 219‘900 Franken passt in diese Liga.

Es gäbe noch einiges an diesem Auto, wovon man schwärmen könnte; die schöne Gestaltung des Cockpits, die virtuellen Instrumente, die tolle Musikanlage, die akkurate Verarbeitung. Uns begeistert vor allem der unvergleichliche Zehnzylinder, das präzise Handling, die gute Alltagstauglichkeit. Selten sind wir einen Supersportwagen gefahren, der diese enorme Bandbreite bietet, der sich so einfach fahren lässt und einen dennoch so fordert. Ja, Autofahren ist fantastisch. Sofern man das Glück hat, in einem solch fantastischen Auto zu sitzen.

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