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So fährt sich der «Lion King»

Längst nicht alles ist perfekt am Peugeot 3008. Und doch wurde der französische SUV vor wenigen Tagen verdient zum Auto des Jahres gekürt. So das Fazit nach dem Test des Spitzenmodells GT.

Stark, mittel, leise – wäre das hier ein Sprach- oder Intelligenztest, bei dem es ein unpassendes Wort aus einer homogenen Gruppe zu streichen gälte, die Antwort fiele nicht schwer. Für Peugeot allerdings wird die Wortreihe zum Stolperstein. Genau so nämlich findet sie sich im neuen 3008, zum Beispiel, wenn es darum geht, die Intensität des Raumduftes auszuwählen, der einen auf Knopfdruck schmeichlerisch umweht.

Wenn an solchen Details herumgenörgelt wird, muss ein Auto freilich ganz gut geraten sein. Und das ist der 3008, wie unterdessen doppelt belegt ist. Nicht nur stimmt der Bestellungseingang mit über 100 000 Ordern seit dem Marktstart im letzten Jahr. Gerade erst hat der Kompakt-SUV aus Frankreich auch die begehrte Krone «Car of the Year 2017» verliehen bekommen – eine der wenigen Auszeichnungen im Autosektor mit Aussagekraft. 58 Journalisten aus 22 Ländern gaben ihr Urteil ab und erklärten den 3008 sozusagen zum Lion King.

Der Titelgewinn liegt in vielerlei Hinsicht am Design. Sah der Vorgänger noch aus wie ein 308, der mit einer Dosis Helium vollgepumpt wurde, ist der neue nun ein schnittiger SUV. Vor allem die Heckpartie darf mit Fug und Recht als stilbildend gelten, die Einfassung der Rückleuchten in eine schwarz lackierte Blende ist ein kleiner Geniestreich der Designer. Aber auch die vorderen Tagfahrlichter und die sportliche Silhouette tragen ihren Teil zum schnittigen Gesamtbild bei.

Bei unserem Testwagen in der ab 48'150 Franken angebotenen Spitzenversion GT verstärken verchromte Doppelendrohre, serienmässige 19-Zoll-Räder und auf Wunsch eine Zweifarbenlackierung den frischen Look. Dazu gibt es innen Zierleisten aus altem Eichenholz, schönes schwarzes Nappaleder über Sitzen (optional), Lenkrad und Schaltknauf, eine Alupedalerie und Ziernähte, etwa an den Teppichen.

Doch das ist alles bloss die Nebenbesetzung. Spektakulär ist, wie Peugeot das Design von Armaturen und Cockpit interpretiert. Schlüsselelement ist das bereits bekannte Steuerrad im Miniformat, das tief über den Knien sitzt und dadurch die Voraussetzung schafft, um die Instrumente darüber, im unverstellten Sichtfeld, anzuordnen. Im 3008 sind diese Instrumente die virtuelle Darstellung einer frei konfigurierbaren Digitalanzeige im 12,3-Zoll-Format. Peugeot ist damit wie auch bei den Assistenzsystemen am Puls der Zeit. Ein zweiter Bildschirm sitzt in der Mitte und dient der Steuerung der vielen Annehmlichkeiten, etwa der Sitzmassage. Knöpfe finden sich lediglich noch in einer Reihe am Armaturenbrett und am Lenkrad, sonst ist alles glatt und elegant gehalten.

Exklusiv hat der GT einen Zwei-Liter-Dieselmotor mit 180 PS unter der Haube, der mit einer Sechsgangautomatik und einem Stopp-Start-System kombiniert wurde. So motorisiert, verbreitet der 4,45 Meter lange und 1,5 Tonnen schwere 3008 durchaus Lust am Fahren. 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 klingen zwar nicht nach Sportfeeling, aber mit 400 Newtonmetern Drehmoment, die ab 2000 Touren zur Verfügung stehen, ist der GT jederzeit für einen kleinen Zwischensprint zu haben. Das Fahrwerk ist für einen Franzosen zudem überraschend straff ausgelegt, aber immer noch genügend bequem – erstaunlich auch die minimale Wankneigung. Das Auto trägt das Kürzel GT nicht zu Unrecht. Das spiegelt sich aber auch beim Verbrauch. Die 4,8 Liter laut NEFZ sind Fantasie, eine 6 ist aber gut vors Komma zu kriegen.

Im Alltag sprechen für den 3008 die grosszügigen Platzverhältnisse und das wertige, wohnliche Interieur. Einen kleinen Abzug machen wir bei der Übersicht nach hinten. Peugeot kompensiert das Manko mit Kameras und einer Aufsichtsperspektive. Das funktioniert in der Praxis zwar, die bildliche Darstellung ist aber nicht ganz so verlässlich und deutlich wie bei der höherklassigen Konkurrenz. Aber auch dieses Detail reicht nicht, um den Lion King vom Thron zu stürzen.

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