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Man spricht elektrisch

Da soll einer sagen, die Deutschen könnten nicht mit Batterie: Die neue Smart-Palette gibt es auch als E-Mobil, und diese Kombination ist so erfolgreich, dass sie praktisch vergriffen ist. Wir sind das Cabrio in Genf gefahren – ein Auto wie eine frische Brise.

Der Smart Fortwo war immer ein Stadtauto. Gut, es mag sie geben, die Verrückten, die nicht ihre sieben, sondern ihre drei Sachen zusammenpacken und mit dem Zweisitzer an die Côte d’Azur oder in die Toskana fahren. Ein Vergnügen ist das aber nicht. Und wer auch einmal eine Campingtour in Schweden unternehmen will, der ist mit Zug und Mietwagen oder dem Kombi der Eltern besser bedient. Nein, der Smart ist kein Reisewagen, er ist der König der Kurzstrecke, die sinnfällige automobile Antwort auf die urbane Verdichtung.

Die deutsche Konzernmutter Daimler hat mit der neuen Generation nun alles richtig gemacht und alle drei Modelle – Fortwo, Fortwo Cabrio und Forfour – von Beginn an für zwei Antriebskonzepte ausgelegt: Verbrenner und Elektromotor. Denn was liegt näher, als ein Auto zu elektrifizieren, das kaum je mehr als 50 Tageskilometer macht? Elektromobile sind als Stadt- und Pendlerauto geradezu ideal – das ist eine simple Erkenntnis, die im Hype um Tesla bisweilen aber etwas unterging.

Bei aller Technikbegeisterung: Langstreckenelektromobile mit Fahrleistungen wie Supersportwagen sind teuer und schwer, und in ihren Batteriepaketen ist viel graue Energie gebunden. Wie sehr das die gesamte Ökobilanz belastet, darüber streiten die Experten. Die vergleichsweise vorteilhafte Umweltbilanz von E-Mobilen mit kurzem Radius ist dagegen unbestritten.

Im Fall des neuen Smart For­two Cabrio Electric Drive sind folgende Kennzahlen zu notieren: Die Leistung des Elektromotors im Heck beträgt 60 kW (82 PS), die Reichweite wird mit maximal 155 Kilometern angegeben. Im un­günstigsten Fall ist – so eine Faustregel – von der Hälfte auszugehen. Wer nicht weiter als 80 Kilometer pro Tag fährt, kann sich die Angst, liegen zu bleiben, sparen.

An einer Haushalttankstelle dauert die Ladung rund 6 Stunden. Mit einer Wallbox sind in 3,5 Stunden 80 Prozent nachgeladen. Im nächsten Frühling folgt eine Version mit einem besonders leistungsstarken Schnell­lader, der die Ladezeit auf 45 Minuten verkürzt, da hat mancher Elektrorasierer länger.

Es sind diese Argumente und das Fehlen einschlägiger Mitbewerber, die auf den Smart einen Run ausgelöst haben. Es ist aber auch noch etwas anderes: der Funfaktor. Bei der Präsentation des Cabrios in Genf ist er allgegenwärtig. Purpur, blau und gelb glänzen die Fahrzeuge vor einer hippen Eventlokalität in der Sonne, in Lackierungen, die, wären sie grossflächiger aufgetragen, die Augen reizten. So aber versprühen sie pure Lebenslust. Viele, viele bunte Smarts!

Auch praktisch braucht der E-Smart-Fahrer keine Abstriche zu machen. Im Gepäckraum haben wie im Modell mit Verbrenner 260 bis 340 Liter Platz. Und die Fahrgastzelle, mit zwei schön konturierten Sitzen und einem nicht nur farblich, sondern auch sonst durchgestylten Interieur, ist im Elektro-Smart unvermindert grosszügig.

Wir fahren das Verdeck zurück, was im Stand, aber auch bei voller Fahrt bis zum Tempomaximum von 135 km/h möglich ist, die Sonne scheint uns aufs Haupt, und los gehts. 2,69 Meter Länge und ein Wendekreis von 6,95 Metern – im Smart fährt das Gefühl mit, überall durch- und in jede Lücke zu passen. Dazu kommt das verzögerungslose Ansprechverhalten des Elektromotors. 160 Newtonmeter Drehmoment sind an sich nicht viel, aber wenn sie permanent anliegen, sind sie ein Erlebnis. An der Ampel geht der Smart ab wie Schmitz’ Katze.

Unser Fazit lautet, dieses Auto macht Sinn und Spass, und zwar so sehr, dass man sich fragen kann, ob der Marketingwahnsinn, den Daimler darum herum inszeniert, wirklich nötig ist. Unter dem Titel «Smart Electric Drive Casino» wurden diesen Sommer Wettbewerbsteilnehmer gesucht. Der Einsatz: das eigene Auto. Es dient beim Finale im September zu einem Schrottquader gepresst als Würfel. Wer die höchste Augenzahl erwürfelt, gewinnt einen elektrischen Smart für zwei. Die ganze Aktion wird von Influencern begleitet und laufend auf den sozialen Medien abgebildet.

Diesem Zirkus gegenüber steht die Ernüchterung, dass die Produktion des E-Smart in diesem Jahr weitgehend vergriffen ist. Allzu bald wird man keinen der bunten Elektro-Smarts zu Gesicht bekommen. Die Markteinführung ist in der Schweiz für Frühling 2018 geplant, auch die Preise wurden noch nicht kommuniziert. In Deutschland beginnt das Coupé bei 21‘940 und das Cabrio bei 25‘200 Euro, davon sind 4000 Euro Umweltbonus abzuziehen, die sich in Deutschland der Staat und die Automobilhersteller teilen.

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