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Lücke in der Lücke geschlossen

Mit dem Stonic schliesst Kia eine Marktlücke im wachsenden Segment der hochbauenden Autos, welches sich längst von der Geländetauglichkeit hin zum alltagstauglichen und stark gefragten Allzweckvehikel entwickelt hat.

Unglaublich, aber wahr: Obwohl es eine eigenständige Autoproduktion in Südkorea erst seit den 70er-Jahren gibt, war Kia der erste Hersteller, welcher mit dem Sportage 1994 einen kompakten SUV mit zuschaltbarem Allradantrieb auf die Räder stellte. Seither ist viel Wasser vom Han-River ins Gelbe Meer geflossen. Und die Kundenbedürfnisse haben sich unübersehbar Richtung hochbauende Autos verlagert. Was kein Wunder ist, angesichts des kontinuierlichen Grössenwachstums der Durchschnittsautos, in die man sich hineinfallen lassen und aus denen man heraussteigen muss. Eine Tendenz, welche auch den CO2-Gesetzen geschuldet wird; flache Flundern sind aerodynamisch günstiger und effizienter im Verbrauch.

Hallo Stonic; markant höher, aber nur acht Zentimeter länger als der fünftürige Kia Rio, auf dem der Neuling basiert. Ein Crossover, wie man diese Autogattung nennt, weder Fisch (stromlinienförmig) noch Fleisch (geländetauglich, mit Allradantrieb), aber stimmig und anmachend. Stylisch, mit Akzentfarben innen und aussen; entweder er gefällt oder eben nicht. Hauptsache nicht banal; der neue Trend, aktiviert durch Ford EcoSport, Nissan Juke, Renault Captur und viele andere mehr. Wegen der beschränkten Kniefreiheit im Fond nicht so geräumig wie die typischen Crossover und SUV, aber für die Enkel reichts.

Die Autohersteller haben erkannt, aus welcher Ecke die Kunden stammen. Es sind nicht die Jungen, die sich mit günstigen Leasingraten eher etwas Grösseres gönnen, sondern die älteren Herrschaften ohne Prestigegedanken. Den stattlichen Kofferraum mit 352 Litern Inhalt – das ist annähernd Astra-Mass – nehmen sie gerne mit, so kann man die Wochenendeinkäufe unsortiert einladen. Anders als die Schwestermarke Hyundai beim ähnlich konzipierten Kona, verzichtet Kia auf den Allradantrieb.

Der quirlige Dreizylindermotor (1 Liter Hubraum, wackere 120 PS, 115 g CO2/km, ab 19‘900 Franken, 0 bis 100 km/h in 10,3 Sekunden) erfüllt deren Ansprüche sehr ordentlich. Sie werden 5000 Franken drauflegen und chauffieren inklusive Road Pack (3000 Franken) und Style Pack (2000 Franken) ein feines ­Trückli. Mit dem muss man nicht mehr einen oberirdischen Lidl-Parkplatz ansteuern, sondern darf sich wieder ins Migros-Parkhaus wagen. Einziger Wermutstropfen: Der Stonic mit sieben Jahren Garantie ist vorderhand nur als Handschalter verfügbar. Auf 2018 ist jedoch eine Getriebeautomatik versprochen.

Und weil es heisst, die Sechziger seien die neuen Vierziger, wird man sich kaum daran stören, dass man im Stonic nicht thront, sondern ziemlich sportlich sitzt. Die miserable Sicht nach hinten lässt sich mit Parksensoren hinten und Rückfahrkamera überspielen. Ebenfalls inkludiert sind Notbremsassistent, Sitz- und Lenkradheizung sowie das Navigationssystem. So braucht es das Style Pack mit Glasschiebedach, Ledertapezierung und härter abrollenden 17-Zoll-Leichtmetall-Rädern gar nicht, um mit einem Stonic glücklich zu werden.

Mit der aktuell gewordenen Dieselfrage hat man sich nicht zu beschäftigen, weil ein Selbstzünder für die Third-Ager-Generation weder Thema sein sollte noch vorgesehen ist. Marktkenner fragen sich eher, welche Position der Stonic im Kia-Modellprogramm einnehmen soll, wo die Koreaner schon die kompakten und hochbauenden Venga, Soul und Carens im Angebot haben. Mit dem Stonic schliesst Kia eine ausgemachte Lücke in der Lücke zwischen Rio und Cee’d; zeitnah dürfte sich zeigen, welche Modelle neben dem trendigen Stonic überleben werden.

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