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Gaudi auf dem Hochsitz

Er fühlt sich an wie ein Dreimaster auf dem Walensee. Trotzdem dürften einige Ford F-150 Raptor in die Schweiz gelangen.

Gehen tut er prächtig, der Nutzwert ist gut, rund 100‘000 Franken sind nicht zu viel und fünf Leute fühlen sich darin pudelwohl. So gesehen spricht wenig gegen den Ford F-150 Raptor. Das Auto ist auch ziemlich gross, breit vor allem, nochmals über 10 Zentimeter mehr als der herkömmliche F150. Gegenwärtig werden in den USA sogar Überpreise verlangt; der Raptor ist so etwas wie der Shelby Cobra unter den Pick-ups.

Der neue 3,5-V6-Biturbo mit 450 PS (128,5 PS pro Liter) imponiert. Strammer Antritt, schöner Klangteppich, nicht weit entfernt von einem bösen V8. Gegenüber dem Vorgänger (5,4-l-V8 mit Kompressor, 360 PS) ist er dank Aluminiumbauweise runde 200 Kilogramm leichter. Die neue Zehngangautomatik funktioniert ebenfalls überzeugend, man bekommt von der vielen Schalterei kaum etwas mit, nur talwärts über das manuelle Eingreifen wird es etwas überreichlich mit dem Runterzupfen am Paddel, sofern man die Schubabschaltung nutzen und den Konsum drosseln will.

Der Raptor ist die sportliche Variante des Ford F-150, der in den USA seit 1987 ununterbrochen die Verkaufsrangliste anführt. Er gilt als unzerstörbar und dient in weiten Teilen des amerikanischen Kontinents nicht bloss als Arbeitsgerät, sondern auch als Familienauto. Bei uns fühlt er sich beim Ausparkieren an, als würde Obelix aus der Badewanne steigen. Trotzdem hat sich der Geschäftsführer der Ford-Vertretung in Sursee, Markus Niffeler, darum bemüht, so rasch wie möglich einen aktuellen Raptor zu ergattern, und dafür eine Ankaufsumme über dem offiziellen Verkaufspreis akzeptiert. Der US-Ford-Spezialist spekuliert darauf, vom Raptor-Hype in den USA profitieren zu können, denn die Schweiz sei ein dankbares Abnehmerland für potent motorisierte Produkte jeder Art.

Wadendicke Fox-Stossdämpfer, Bremsscheiben im Sonnenschirmständer-Format, Erscheinungsbild wie der Kölner Dom, fast zwei Meter hoch – so ein Auto ist der Raptor. Wegen der Good­rich-All-Terrain-Bereifung (17 Zoll, 315/70) wird der Polarisator bei 170 km/h eingebremst, dann liegen im zehnten Gang 2250 Touren an. Beim Beschleunigen aber brennt der Baum (0 bis 100 km/h in 5 Sekunden), und wegen der grandiosen Masse wechselt der Zeiger der Tankuhr in den freien Fall, wenn man ihm die Sporen gibt. Man kann aber artig gefahren mit etwa 12 Litern auskommen. Taucht am Landstrassenhorizont ein Sattelschlepper auf, steigt der Puls: Dass ein Trucker vom Gas geht, kommt eher selten vor, also bleibt man im Raptor der Beckenrandschwimmer. Mit 2,19 Metern Aussenbreite steckt man dann besser zurück.

Deshalb ab ins Outback, wo dem Raptor-Fahrer schon das Terrain ausgeht, bevor es beginnt. In den USA existieren solche Spielwiesen und der Sport-Pick-up soll dort dank variabler Allradtechnik und langen Federwegen alles ausbremsen, was je eine Strassenzulassung bekommen hat, nicht zuletzt dank Sperrdifferenzialen vorne und hinten. Ausserhalb von militärischen Anlagen lässt sich das Fun-Potenzial bei uns leider kaum überprüfen.

Auf dem Foto ist die Version Super Crew mit vier konventionellen Seitentüren abgebildet. Der 5,58 Meter lange Raptor bietet im Fond üppig Raum und optional alle Luxusfeatures, die man sich denken kann, inklusive Bildschirmen in den vorderen Kopfstützen. Die Sitzlehnen lassen sich klappen. Im rund 30 Zentimeter kürzeren Super Cab mit gegenläufig öffnenden, schmaleren Türen ist es hinten enger und spartanischer; Bestuhlung an der Rückwand hochgeklappt, bekommt man einen ordentlichen Laderaum unter Dach. Bei der Parkplatzsuche hierzulande hilft der Komfortverzicht aber nur beschränkt.

Auffallen mit grossem Schuh, verpackt als Lastwagen mit grosser Ladefläche (Nutzlast 545 Kilogramm) und fünf bequemen Sitzen – selbst dafür gibt es in der Schweiz offenbar ein Kundensegment. Offiziell wird der F-150 Raptor aber nicht importiert.

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