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Die Schweizer Extrawurst

Exklusiv für die Schweiz hat VW mit dem Haustuner Abt aus dem Golf R den Golf R360S gemacht. Ein Zusatzsteuergerät hebt die Leistung um 60 auf 360 PS. Obacht: Vom stärksten Golf aller Zeiten gibt es nur noch 20 Exemplare.

Na ja. Wer sich nicht zur Tuninggemeinde zählt, muss seinen Augen erst einmal eine Gewöhnungszeit einräumen. Die schwarze Folierung, ein Streifen über die Motorhaube, je einer entlang der Seitenschweller, ist nicht jedermanns Sache. Ein bisschen pubertär sieht der Golf R360S damit schon aus. Aber gut, die Botschaft kommt unmissverständlich an: Das ist kein normaler Golf, das ist ein ganz besonderer.

Und wie: Zurzeit darf sich der exklusiv für die Schweiz mit dem VW-Haustuner Abt gebaute R360S stärkster Seriengolf aller Zeiten nennen. Die Typenbezeichnung spiegelt wider, auf wie viel der Zwei-Liter-Turbomotor per Zusatzsteuergerät getrimmt wurde: 360 PS, satte 60 mehr als beim normalen Golf R.

Die Sprintzeit auf Tempo 100 verkürzt sich damit von 4,9 auf 4,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit steigt um 15 km/h auf 265. Vor allem aber ist da auch mehr maximales Drehmoment, 460 statt 380 Newtonmeter, was den Golf vor allem im mittleren Drehzahlbereich spürbar spontaner und durchzugsstärker macht. Der Verbrauch pendelt sich, moderat gefahren, bei etwas über 8 Litern ein (NEFZ: 6,9). Wer sich austobt, muss mit zweistelligen Durchschnittsverbräuchen leben.

Er kann aber nicht nur böse, der R360S. Serienmässig mit der adaptiven Fahrwerksregelung DCC ausgestattet, wirft er sich schocksteif in die Kurve, oder aber er rollt auf Knopfdruck ganz zivil ab und bleibt auch über längere Strecken ausreichend komfortabel. Dass der Bequemlichkeit Genüge getan wird, gilt auch für die Sitze, die eher breit und nicht allzu konturiert ausfallen. Sportgurte, Integralsportsitze – auf solcherlei Extreme wurde trotz allem verzichtet.

Von der Leistung abgesehen, ist der R360S ein typisches Sondermodell, das für einen Aufpreis von knapp 10'000 Franken diverse Extras bündelt, ein grosses Panoramadach zum Beispiel, das Navigationssystem Discover Pro, eine Rückfahrkamera oder den elektrisch einstellbaren Fahrersitz. Ebenfalls im Lieferumfang enthalten ist ein Satz Winterräder. Die Freude darüber währt indes nicht lange, denn da werden dem Golf viel zu kleine Schühchen angezogen. Der Radsatz im 17-Zoll-Format mit 205er-Reifen ist viel zu schmal; er verschwindet optisch in der Höhle der ausgestellten Radhäuser. Und auch den 360 Pferden ist er nicht gewachsen.

Dass ein echter Kraftprotz trotz Allradantrieb einmal im Leeren scharrt, ist zwar grundsätzlich zu verzeihen, der Grip auf nassem und trockenem Grund ist den sportlichen Ambitionen des Rekordgolfs aber nicht angemessen. Immerhin: Im Sommer trägt der R360S schwarz lackierte 19-Zöller, die sich die volle Breite der Radhäuser nehmen. Das passt nicht nur besser zum Gesamtbild, sondern verspricht auch deutlich mehr Grip.

Was man sonst noch wissen sollte: Das Facelift der aktuellen Golf-Generation hat der R360S natürlich noch nicht mitgemacht – digitales Cockpit, Gestensteuerung und dergleichen bleiben einem also verwehrt. Er ist wie viele Sondermodelle ein Nachzügler, dazu da, das Interesse der Kunden wachzuhalten.

Der Fünftürer mit Schrägheck steht als Handschalter ab 55‘200 Franken, mit DSG ab 57‘450 Franken in der Preisliste, beim Variant (nur mit DSG) beginnen die Preise bei 58‘000 Franken. Von den 220 Exemplaren, welche die Importeurin Amag seit Ende letzten Jahres unter die Leute bringt, sind noch 20 an Lager, alle schon fixfertig konfiguriert. Allzu sehr unter Druck setzen lassen muss man sich durch die Verknappung des Angebots indes nicht. Wer will, bekommt die Leistungssteigerung bei Abt nämlich auch für jeden anderen Golf R.

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