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Am Heck grüsst der Zuckerhut

Solide Fahreigenschaften, ordentlich Platz und ein vernünftiger Preis: Mit dieser Mischung hat sich der Ecosport zu Fords globaler Allzweckwaffe gemausert. Seine Wurzeln merkt man dem Mini-SUV aber noch an.

Wie geht bloss diese Klappe auf? Am Heck des Ford Ecosport macht sich Ratlosigkeit breit. Bis die Freundin dazukommt und den in den rechten Rückleuchten versteckten Entriegler entdeckt. Dann heisst es doch noch: Sesam, öffne dich. Aber nicht nach oben, sondern zur Seite hin. Denn die Hecktür ist links angeschlagen und nimmt sich beim Aufschwingen eine Fahrzeugbreite Platz.

Diese nicht eben praktische Eigenart hat mit der Herkunft dieses Mini-SUV zu tun. Ford hat den Ecosport nämlich für den brasilianischen Markt entwickelt und ihm ein Reserverad am Heck verpasst, in Kenntnis der zweifelhaften Qualität südamerikanischer Landstrassen. Und weil es keinen Spass macht, bei jedem Griff in den Kofferraum ein Rad hochzuwuchten, musste das Heck zur Seite öffnen. Eigentlich logisch.

Der Erfolg des Modells in Brasilien sprengte dann aber alle Erwartungen und brachte Ford auf die Idee, die zweite Generation als Weltauto zu lancieren. So kam der Ecosport 2013 auf den europäischen Markt, mitsamt dem Reserverad am Heck und der Hoffnung, dieses könnte in Europa als robustes Accessoire gefallen. Diese Rechnung ging nicht auf, der Ecosport floppte, auch weil er zu hoch eingepreist wurde. Unterdessen hat Ford aber nachgebessert: die Preise auf ein kompetitives Niveau gesenkt und das Ersatzrad gestrichen. Nur beim Öffnen der Heckklappe grüsst noch der Zuckerhut.

Gebaut wird der Ecosport für den europäischen Markt im indischen Chennai, daneben gehören Brasilien, Thailand, China und Russland zu den Produktionsstandorten. In über 100 Märkten steht er zum Verkauf, künftig auch in den USA, wo der Mini-SUV eher Beibootcharakter hat.

Allzu wörtlich sollte man die Rede vom Weltauto trotzdem nicht nehmen. Die kürzlich in L.A. gezeigte US-Variante hat etwa einen anderen Kühler als das europäische Modell. Und während der Ecosport in Brasilien zum Beispiel auch mit 4×4 vom Band läuft, gibt es ihn in Europa nur als Fronttriebler. Der SUV-Charakter beschränkt sich in der Schweiz also auf das hochbeinige Konzept: den bequemen Einstieg, die hohe Sitzposition und respektable Platzverhältnisse auf nur 4,02 Metern Länge.

Im Fahrbetrieb bewährt sich die Basis, die der Ecosport mit dem Fiesta teilt. Das Fahrwerk arbeitet tadellos, das Lenkgefühl ist stimmig, die Handschaltung hakelt nicht. Und mit dem knappen Wendekreis von 10,6 Metern wirkt der Mini-SUV wendig und agil. Der Testwagen ist mit dem bekannten 1-Liter-3-Zylinder Turbobenziner ausgerüstet. Mit seinen 125 PS schiebt dieser recht beherzt an, keucht aber etwas unter Last. Der Werksverbrauch liegt nach NEFZ bei 5,4 Litern, wir messen im Alltag einen Liter mehr. Wer eher dem Eco als dem Sport zugeneigt ist, vermisst einen sechsten Gang und ein Start-Stopp-System.

Alternativ im Angebot sind zwei Vierzylinder: ein Diesel mit 95 und ein Benziner mit 112 PS, wobei Letzterer auch mit einer Sechsstufenautomatik bestellbar ist. Aktuell führt Ford für den Ecosport Aktionspreise. Los geht es ab 15 400 Franken für den 4-Zylinder-Benziner. Unser Testwagen in der höchsten der drei Ausstattungslinien ist ab 18'600 Franken erhältlich, Navi, Rückfahrkamera und Parksensoren kosten je 300 Franken extra. Mehr Technik ist dann nicht mehr im Angebot.

Mit seiner unkomplizierten Art ist einem der Ecosport bald erstaunlich vertraut und lieb. Die mit Knöpfen überfrachtete Mittelkonsole sieht man ihm nach ein paar Tagen ebenso nach wie den kleinen Bildschirm und die umständliche Steuerung von Navi- und Multimediasystem. Vor allem weil sich beides (wie auch diverse Internetdienste) via Sprachsteuerung bedienen lassen. Die Sitzposition, aufrecht wie im Büro, gibt keinen Grund zur Klage. Und trotz genügend Platz für die Passagiere bleibt mit 355 bis 1238 Litern auch noch einiges an Kofferraum.

Eine Schönheit ist der Ecosport zwar nicht. Der leuchtgelbe Lack des Testwagens trägt ihm dann aber doch viele Blicke ein. Und ein Running-Gag ist schnell gefunden: «Dürfen wir Ihre Post mitnehmen?»

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