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Achterbahn mit dem grünen Biest

Der AMG GT R ist die Krönung einer Baureihe, die den Menschen auch in Jahrzehnten noch den Kopf verdrehen wird. Wir durften den giftgrünen Höllenschlitten über die Rennstrecke jagen.

Ei der Daus, da gerät man ganz schön ins Schwitzen. Vor mir fegt Bernd Schneider wie ein Verrückter über die Achterbahn-Rennstrecke Bilster Berg, und mein Namensvetter nimmt scheinbar keinerlei Rücksicht auf meine Gefühle. Nett immerhin, dass der fünffache DTM-Champion in jeder Runde ein kleines Päuschen einlegt, bis ich ihn wieder eingefangen habe.

Bilster Berg, diese kleine, wunderbare Rennstrecke bei Paderborn, ist sehr anspruchsvoll. Eine Berg-und-Tal-Bahn, eng, mit Kuppen, Kompressionen, blinden Kurven und kaum Auslaufzonen. Das Auto versetzt, hüpft, muss auf der Bremse alles geben. Abfliegen ist hier keine Option. Erst recht nicht im neuen AMG GT R – dieser strassenzugelassene Rennwagen wäre dafür nicht nur zu schön und zu rar, sondern auch zu teuer.

Entwickelt wurde der GT R auf einer noch viel schwierigeren Strecke: der Nordschleife des Nürburgrings, der anspruchsvollsten Rennstrecke überhaupt, der Grünen Hölle. Das sieht man dem zweiplätzigen Flitzer von weitem an: «Green Hell Magno» heisst nämlich seine giftgrüne Farbe, die dem AMG wunderbar steht. Der Innenraum ist so komfortabel und luxuriös, wie es in einem Supersportwagen eben möglich ist; doch alles ist auf den Fahrer, auf das Fahren, auf schnelle Rundenzeiten gepolt.

Einsteigen, Knopf drücken, zusammenzucken – die acht Zylinder krachen und bollern nämlich derart los, dass auch Routiniers ehrfürchtig staunen. Der 4-Liter-V8-Biturbo ist eine Wucht, akustisch, aber auch betreffend Kraftentfaltung, Drehverhalten und nicht zuletzt wegen seines bescheidenen Verbrauchs. Der Motor sitzt hinter der Vorderachse, das 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe via Transaxle an der Hinterachse – das ermöglicht eine gute Gewichtsverteilung und damit eine tolle Balance.

Cup-Reifen, Schmiederäder, verstellbarer Flügel, Hinterachslenkung, Unterboden-Aerodynamik, Gewindefahrwerk, einstellbare Traktionskontrolle – das ist ein echter Rennwagen. Null auf hundert in 3,6 Sekunden, Topspeed 317 km/h – atemberaubend. Das Handling ist beeindruckend, wie das Auto gierig in die Kurve hineinzieht, sensationell. Der Grip ist enorm, dennoch sollte man am Scheitelpunkt behutsam aufs Gas gehen, wenn die elektronischen Fahrhilfen ausgeschaltet sind – die enorme Power kommt schlagartig, und wer nicht geübt und flink im Gegenlenken ist, wird von der Piste kreiseln.

Ja, der AMG GT R ist anspruchs-, aber auch wundervoll. Freilich werden die wenigen glücklichen Besitzer mehrheitlich auf der Strasse unterwegs sein, und das ist auch recht so, ein solches Auto will gefahren und gezeigt werden. Für den Weg ins Büro taugt die Topversion allemal, selbst lange Strecken kann man damit absolvieren – doch dafür sind die etwas zivileren Versionen GT, GT S und GT C besser geeignet – und billiger. Wer sich einen AMG GT R anschaffen will, muss mindestens 212‘526 Franken hinblättern.

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