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55’000 Neuinfektionen pro TagPandemie spitzt sich zu – und Trump feiert Arbeitsmarktzahlen

Täglich vermelden die USA neue Rekordzahlen an Neuinfektionen. Der US-Präsident spielte die Gefahr am Donnerstag allerdings herunter und feierte die rasche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt.

«Wir verstehen diese schreckliche Krankheit jetzt»: US-Präsident Donald Trump spielte die Gefahr der Corona-Pandemie in den USA am Donnerstag herunter.
«Wir verstehen diese schreckliche Krankheit jetzt»: US-Präsident Donald Trump spielte die Gefahr der Corona-Pandemie in den USA am Donnerstag herunter.
KEYSTONE
Es gebe noch vereinzelte Corona-Brandherde, diese würden aber schnell bekämpft. Zugleich feierte Trump die relativ guten Arbeitsmarktzahlen.
Es gebe noch vereinzelte Corona-Brandherde, diese würden aber schnell bekämpft. Zugleich feierte Trump die relativ guten Arbeitsmarktzahlen.
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Trump hatte sich am Mittwoch auch in der Maskendebatte geäussert. Er hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht, aber «ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe», sagte er. Er habe ausgesehen wie «Lone Ranger», eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist – und eine Augenmaske trägt. (Trump hier beim «Spirit of America Showcase» vor dem Unabhängigkeitstag im Weissen Haus.)
Trump hatte sich am Mittwoch auch in der Maskendebatte geäussert. Er hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht, aber «ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe», sagte er. Er habe ausgesehen wie «Lone Ranger», eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist – und eine Augenmaske trägt. (Trump hier beim «Spirit of America Showcase» vor dem Unabhängigkeitstag im Weissen Haus.)
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Die Corona-Pandemie in den USA spitzt sich dramatisch zu. Täglich werden neue Rekordzahlen an Neuinfektionen vermeldet. Am Donnerstag wurden fast 55’000 Neuinfektionen festgestellt. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Florida, Texas, Arizona, Georgia und Kalifornien. Insgesamt verzeichneten die USA, die etwa 330 Millionen Einwohner haben, seit Beginn der Pandemie bisher rund 2,7 Millionen nachgewiesene Infektionen und fast 130’000 Tote.

US-Präsident Trump redete die Gefahr durch die Pandemie bei einer Pressekonferenz allerdings klein und feierte zugleich die relativ guten Arbeitsmarktzahlen. Es gebe noch vereinzelte Corona-Brandherde, diese würden aber schnell bekämpft. «Wir löschen die Flammen oder Feuer», sagte er. «Wir verstehen diese schreckliche Krankheit jetzt.» Die Öffnung des Landes gehe «viel schneller» als erwartet.

Der US-Präsident forderte am Donnerstag auch, dass auch die Kirchen in den Vereinigten Staaten wieder geöffnet werden sollten. Am Mittwoch hatte er dem Fernsehsender Fox Business noch gesagt, das Virus werde «irgendwann gewissermassen einfach verschwinden».

Wirtschaft empfindlich getroffen

Die Wirtschaft des Landes, die empfindlich von der Pandemie getroffen wurde, ist Trump wenige Monate vor der Wahl im November ein wichtiges Anliegen. Im Weissen Haus bejubelte er die rasche Verbesserung der Lage am Arbeitsmarkt, die «alle Erwartungen übertroffen» habe. Die am Donnerstag veröffentlichte Arbeitslosenquote fiel stärker als erwartet von 13,3 Prozent im Mai auf 11,1 Prozent im Juni. Fast fünf Millionen Amerikaner haben im Juni wieder Arbeit gefunden.

Die positiven Nachrichten sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen – denn wegen der Zuspitzung der Lage im Süden des Landes droht neues Unheil. Die Arbeitslosenquote für Juni beruhte auf Daten, die nur die Situation bis zur Mitte des Monats abbildeten. Mögliche Auswirkungen der jüngsten Zuspitzung spiegelten sich darin deshalb noch nicht wider.

Nach Berechnung von US-Medien haben mindestens 20 Staaten infolge der rapide steigenden Infektionszahlen die phasenweise Wiedereröffnung der Wirtschaft gebremst, pausiert oder Lockerungen gar zurückgenommen.

Trumps designierter Herausforderer bei der Präsidentschaftswahl im November, der Demokrat Joe Biden, widersprach Trump denn auch deutlich: «Das ist einfach keine ehrliche Bewertung von dem, was geschieht», sagte Biden. Für ihn und viele Amerikaner sei die Entwicklung besorgniserregend, doch der Präsident weigere sich, das Thema anzusprechen. An einigen Orten im Land würden die Notfallbetten in den Krankenhäusern bereits knapp.

Trump trug Maske und «fand, es sah in Ordnung aus»

Mit Blick auf den Nationalfeiertag am 4. Juli zeigten sich mehrere US-Gesundheitsexperten angesichts des erwarteten höheren Reiseaufkommens und der Lockerungen besorgt. Es könne sich «ein perfekter Sturm» zusammenbrauen, zitierte der Sender CNN einen Arzt für Infektionskrankheiten. In Kalifornien und Michigan wurden Lockerungen bereits wieder zurückgenommen. Die Innenbereiche von Bars und Restaurants wurden in mehreren Städten wieder geschlossen. Im US-Bundesstaat Pennsylvania wurde eine Maskenpflicht angeordnet.

In Texas vollzog Gouverneur Greg Abbott angesichts des dramatischen Anstiegs der Neuinfektionen eine Kehrtwende. Der Republikaner ordnete am Donnerstag eine Maskenpflicht für alle Bezirke mit 20 oder mehr Corona-Fällen an. Damit könne die Ausbreitung des Virus nicht nur verlangsamt, sondern auch die Wirtschaft am Laufen gehalten werden, erklärte Abbott. Er folgte damit der Linie von mehr als einem Dutzend Bundesstaaten. Der Schritt war dennoch bemerkenswert. Abbott hatte im Juni noch gesagt: «Die Regierung kann nicht vorschreiben, dass Einzelpersonen Gesichtsmasken tragen müssen.»

In der Debatte um die Maskenpflicht hatten sich Trumps Parteifreunde ebenfalls von seiner bislang gefahrenen Linie entfernt. Der Präsident hält nichts von einer landesweiten Maskenpflicht und zeigt sich auch selbst nicht mit Mund- und Nasenbedeckung. Im Fox-Interview betonte er, in den USA gebe es genug Orte, an denen ausreichend Abstand eingehalten werden könne. Er habe persönlich aber keine Probleme damit, eine Maske zu tragen. «Ich hatte sogar eine Maske auf (und) ich mochte irgendwie, wie ich ausgesehen habe», sagte er. «Es war eine dunkle, schwarze Maske und ich fand, es sah in Ordnung aus.» Er habe ausgesehen wie «Lone Ranger», eine fiktive Figur, die unter anderem aus Westernfilmen bekannt ist – und eine Augenmaske trägt.

SDA