Rheinau

«Ohne uns wäre es eine zerfallene Ruine»

Wie geht es der Musikinsel? Wie sieht Stifter Christoph Blocher das Projekt? Am Rande des Interviews zu seiner Winterthurer Berchtoldstagsrede beantwortete der Alt-SVP-Bundesrat dem «Landboten» auch Fragen zu Rheinau.

Die renovierte Musikinsel mit Klosterkirche in Rheinau.

Die renovierte Musikinsel mit Klosterkirche in Rheinau. Bild: Archiv/Heinz Diener

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Sind Sie zufrieden damit, wie sich das Projekt der Musikinsel in Rheinau entwickelt?
Christoph Blocher: Ja, es kommt gut. Es war ein Abenteuer mit noch unbestimmtem Ausgang. Heute ist der Erfolg greifbar. Ich wollte zwei Dinge: Erstens sollte der Kanton Zürich die Klosterinsel endlich renovieren können. Die Insel ist ein architektonisches Wunder. Der Regierungsrat sagte aber jahrelang zu recht: Ohne künftigen Nutzer keine Renovation. Es bringt ja nichts, wenn die Gebäude nachher leer stehen. Zweitens kamen private Vereine von Musikern auf mich zu. Sie suchten einen Rückzugsort, an dem sie in Ruhe musizieren können. Und Musik zu fördern, war stets mein Anliegen.

Warum fördern Sie klassische Musik?
Als ich die Landwirtschaftsschule in Wülflingen besuchte, durften wir jeweils gratis die Konzerte des Musikkollegiums im Winterthurer Stadthaus besuchen. Das hat mir sehr gefallen und bis heute bedeutet mir klassische Musik viel. Wir hatten also die Klosterinsel, die eine Nutzung suchte, und Musiker, die einen Übungsort brauchten. Diese beiden Dinge konnte man verbinden, und ich gründete die Stiftung Musikinsel Rheinau. Damit hatte der Kanton einen Mieter, der für 15 Jahre die Hälfte der Klostergebäude nutzt, jetzt konnte der Kanton renovieren und hatte als Eigentümer Mieteinnahmen.

«Übers Wochenende könnten wir die Betten auf der Musikinsel  teilweise mehrfach vermieten.»Christoph Blocher, Alt-Bundesrat, Stifter Musikinsel Rheinau

Zuletzt war die Auslastung der Musikinsel ein Thema: Gibt es genügend Buchungen?
Übers Wochenende könnten wir die 133 Betten teilweise mehrfach vermieten. Und wer einmal hier war, will wieder kommen. Unter der Woche ist die Auslastung noch ungenügend. Es sind ja Laien-Musiker, die wir ansprechen, und unter der Woche sind sie beruflich tätig. Gleichzeitig zahlen wir einen sehr hohen Mietzins.

Wie viel denn?
Es sind 330 000 Franken im Jahr. Dazu kommt, dass das alte, wunderbare Gebäude hohe Nutzungskosten verursacht. Die Wege sind lang, der Unterhalt teuer, denken Sie nur an die vielen Fenster. Das müssen aber schliesslich die Gäste der Musikinsel bezahlen. Der Kanton hat nun einen privatrechtlichen Mieter, seine Rechnung stimmt, zumindest für den Teil der Gebäude, der an unsere Stiftung vermietet ist. Mir gefällt, wie die Klosterinsel wieder lebt. Ohne uns wäre das Klostergebäude unterdessen eine zerfallene Ruine.

Rheinau wollte kürzlich mit dem Grundeinkommen experimentieren. Es fehlten sechs Millionen Franken für einen Testlauf. Haben Sie sich keine Sekunde überlegt, das Geld zu spenden?
Ich habe zwar ein gewisses Alter, den Verstand habe ich aber noch nicht verloren.

Wurden Sie angefragt für diese Spende?
Selbstverständlich, ist ja klar. Aber ich bin doch kein Spinner.

Das wäre doch eine schöne Provokation gewesen: Christoph Blocher ermöglicht den Versuch mit dem Grundeinkommen.
Mit Dummheiten soll man nicht provozieren.

Erstellt: 27.12.2018, 11:14 Uhr

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