Helfen

Ohne gross nachzudenken, spendet sie einer fast Fremden eine Niere

Die Jugendarbeiterin Monika Bosshard spendet eine ihrer Nieren der Eritreerin Hana Zerom. Für diese selbstlose Tat ist sie nun für den «Prix Courage» nominiert worden.

Bald steht die Operation an.  Doch Monika Bosshard (links) und Hana Zerom haben keine Angst.

Bald steht die Operation an. Doch Monika Bosshard (links) und Hana Zerom haben keine Angst. Bild: Johanna Bossart

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«Ich bin ein Mensch, der anderen hilft und gerne teilt», sagt Monika Bosshard (60). Für die Leiterin des Jugendtreffs Gutschick, die auch Katechetin der katholischen Kirche ist, geht das Teilen und Helfen so weit, dass sie bald ihre Niere an Hana Zerom aus Eritrea (47) spendet. Die beiden Frauen kennen sich aus dem Gottesdienst. Die alleinerziehende Hana Zerom wohnt mit ihrer 15-jährigen Nichte im Gutschick und geht jeden Sonntag in die Herz-Jesu-Kirche im Mattenbach-Quartier, wo Bosshard arbeitet.

Sie überlegt nicht lange

Doch Zerom ist krank: Ihre Nierenfunktion ist stark eingeschränkt: eine Niere funktioniert gar nicht mehr, die zweite ist sehr schwach. Sie muss seit zehn Monaten zur Dialyse. Drei Mal pro Woche wird sie dafür ins Kantonsspital Winterthur gefahren. Als einmal der Fahrer ausfällt, springt Bosshard ein und erfährt, dass die Eritreerin auf der Warteliste für eine Nierenspende steht. Die Katechetin überlegt nicht lange, informiert sich im Internet und entscheidet nach zwei Tagen, dass sie ihre Niere an die alleinerziehende Frau spendet, die sie kaum kennt. Für die Katholikin eine logische Entscheidung: «Ich habe zwei funktionierende Nieren und kann diese teilen», sagt Bosshard. «Und Hana ist die erste Person, die ich kenne, die eine Nierenspende braucht.» Für Hana Zerom ist es ein unbeschreibbares Gefühl, als sie von ihrem Glück erfährt. «Ich konnte zuerst nicht glauben, dass das stimmt. Ich meinte zuerst, es sei ein schlechter Witz», erzählt sie. Für ihren Akt von Zivilcourage ist Bosshard nun für den «Prix Courage» des Beobachters (siehe Box) nominiert worden. Eine Freundin hat ihre Geschichte dem Magazin vorgeschlagen.

Bevor jedoch sicher war, dass die Leiterin des Jugendtreffs ihre Niere spenden kann, musste sie einiges auf sich nehmen. Während fünf Monaten musste Bosshard mehrmals ins Transplantationszentrum des Universitätsspitals Zürich, an einem Tag hatte sie elf Untersuchungen. «Alles, was Sie sich vorstellen können, wurde untersucht.» Während zuerst geprüft wird, ob die potentielle Spenderin überhaupt zwei Nieren hat, wird sie nachher auf ihre körperliche Fitness hin getestet. Damit wird sichergestellt, dass die Spenderin genügend gesund ist, um eine Transplantation zu machen. Schlussendlich müssen auch die Blutgruppen der Spenderin und Empfängerin kompatibel sein. Im August kommt dann die erlösende Nachricht: Bosshard ist als Spenderin für Hana Zerom zugelassen.

«Ich habe keine Angst»

Die Transplantation soll nächste Woche im Universitätsspital Zürich stattfinden. Keine der beiden ist nervös. «Ich bin zu abgelenkt und muss ausserdem meine Abwesenheit organiseren, da denke ich keine Sekunde an die Operation», sagt Bosshard. Auch Zerom ist guter Dinge: «Ich bin zwar krank, aber ich habe keine Angst vor der Operation, weil Monika auch keine Angst hat.» Zerom ist inspiriert von der Heldenhaftigkeit der Spenderin. Nach der Transplantation möchte sie auch so leben wie Monika Bosshard: Anderen helfen und teilen.

Erstellt: 03.10.2017, 17:40 Uhr

Preis Für mutige Taten

Beobachter verleiht «Prix Courage»

Seit 1997 verleiht der «Beobachter» jährlich einen Preis für ausserordentliche und mutige Taten. Dieses Jahr sind acht Personen nominiert, darunter Monika Bosshard aus Winterthur. Wer gewinnt, entscheidet einerseits eine Jury unter der Leitung von Ständeräting Pascale Bruderer und das Publikum, das per SMS oder Telefon für seinen Favoriten voten kann. Der Preis ist mit 15 000 Franken dotiert. Erstmals gibt es 2017 auch einen sogenannten Lifetime Award. Er geht an Pfarrer Ernst Sieber, der mit seiner Stiftung knapp 5 000 Menschen in Not hilft. Bis am 5. November kann man für seine Favoritin voten, am 17. November werden die Gewinner bekannt gegeben. (lia)

Nierenspenden

In der Schweiz waren 2015 fast 1500 Personen auf der Warteliste für eine neue Niere, 222 Transplantationen wurden durchgeführt. Die meisten Nieren stammen dabei von Verstorbenen. Seit Anfang der neunziger Jahre steigt die Zahl von Lebensspendern stetig an, inzwischen kommt jede vierte Niere von einer lebenden Person. Grundsätzlich werden nur Spenderinnen und Spender zugelassen, die in sehr gutem Gesundheitszustand sind. Damit soll verhindert werden, dass eine Spenderin später selbst auf eine Ersatzniere angewiesen ist. Die bisher älteste Spenderin in der Schweiz war fast 80-jährig. Über 95 Prozent der Niertransplantationen von lebenden Spendern sind erfolgreich. Die Spenderin erholt sich im Durchschnitt nach etwa 3 - 4 Monaten vollständig von der Operation. Der Empfänger ist auch mit der neuen Niere weiterhin auf sogenannte Immunsupressiva angewiesen, die verhindern, dass das transplantierte Organ vom Körper abgestossen wird. Eine Lebensspenderniere hält im neuen Körper durchschnittlich 17 Jahre. (lia)

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