Rapperswil-Jona

Zwingli steht im Mittelpunkt des Jubiläumsjahres

Ein Musical, ein Oratorium, Stadtführungen, Vorträge und Bibelauslegungen: Die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona feiert 500 Jahre Reformation mit einem vielfältigen Programm – ein ganzes Jahr lang.

«Wir müssen in einer verständlichen Sprache über die Themen unserer Zeit reden», sagt Pfarrer Heinz Fäh von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona.

«Wir müssen in einer verständlichen Sprache über die Themen unserer Zeit reden», sagt Pfarrer Heinz Fäh von der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona. Bild: Sabine Rock

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«Quer denken, frei handeln, neu glauben.» Unter dieses Motto stellt der Schweizerische Evan­gelische Kirchenbund das Re­formationsjubiläumsjahr. Für Pfarrer Heinz Fäh soll dieser ­Leitsatz es ermöglichen, festgefahrene, verkrustete Vorstellungen neu zu denken, wie er anlässlich eines Gesprächs zu den Jubiläumsaktivitäten in Rapperswil-Jona festhält.

Querköpfe seien für die Reformierten immer wichtig gewesen, sagt Fäh. «Wir müssen in unserer Gesellschaft Querköpfe sein, um das Salz der Erde sein zu können, wie Jesus seine Gefolgsleute ­einmal bezeichnet hat.» Die Freiheit, die im mittleren Teil des Mottos anklingt, darf laut Fäh niemals absolut verstanden werden. «Freiheit steht nie allein, denn der evangelische Glaube ist stark von der Verantwortungsethik geprägt.» Alles, was der Mensch tut, muss er vor Gott und seinen Mitmenschen verantworten können. Das führt direkt zum dritten Teil des Leitsatzes: neu glauben.

Der Fokus bei der Aus­legung der Bibel sei auf die heutige Zeit zu legen, erklärt Pfarrer Fäh, der auch im St. Galler Kirchenrat tätig ist und sich selbst als leidenschaftlichen Prediger bezeichnet. Jesus habe in einer verständlichen Sprache über die Themen seiner Zeit geredet. «Das müssen wir heute auch machen.»

Etwas Tapferes tun

Mit dem Jubiläumsprogramm will die Evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Rapperswil-Jona nicht rückwärtsgewandt feiern, wie Pfarrer Heinz Fäh betont. Wichtiger sei, nach vorne zu schauen und dabei Impulse der Reformation für die Gestaltung der Zukunft weiterzudenken. ­Dafür müsse man aber zuerst die Geschichte kennen. «Luther kennen alle», sagt Pfarrer Heinz Fäh. Doch Zwingli werde massiv unterbewertet, gerade auch in der Beurteilung seiner Theologie. Er sei zwar von Luther geprägt gewesen, habe aber auch eigenständige theologische Akzente gesetzt. Fäh findet es deshalb richtig und wichtig, dass der ­Fokus im Jubiläumsjahr auf dem Schweizer Reformator liegt.

Das Programm startet am Reformationssonntag (5. November) mit einem Festgottesdienst. Bereits zwei Tage vorher, am Freitagabend, findet die erste Aufführung des Zwingli-Musicals statt, das einen berühmten Ausspruch des Schweizer Reformators im Titel trägt: «Tuond umb Gotzwillen etwas dapfers!» Der Bearbeitung durch Christos Papadopoulos und Diakon Matthias Bertschi liegt das Zwingli-Musical von Andrew Bond zugrunde. Einheimische Laien­darsteller aus vier Generationen versuchen zu ergründen, was es heute heissen könnte, etwas Tapferes zu tun.

Evangelium heute

An Weihnachten startet eine Predigtreihe zum Matthäusevangelium, die am Reformationssonntag 2018 endet. Bei seinem Amtsantritt am Zürcher Grossmünster begann Zwingli mit der Auslegung dieses Bibeltextes. Dieser Tradition wollen die Pfarrer und Pfarrerinnen in Rapperswil-Jona folgen, indem sie das erste Evangelium für die heutige Zeit neu interpretieren. In Gesprächen nach der Predigt will das Pfarrteam mit den Kirch­gängern darüber hinaus in einen Dialog treten.

Im Februar folgt eine Reihe von Vorträgen mit anschliessender Diskussion zu den prägenden Persönlichkeiten Martin Luther, Huldrych Zwingli und Joachim von Watt, genannt Vadian. Zu ihm, dem St. Galler Universal­gelehrten, Politiker, Theologen und Reformator, eröffnet das Historische und Völkerkundemuseum St. Gallen am 28. Oktober aus­serdem eine Ausstellung. Mit dem szenischen Oratorium «Akte Zwingli», das Ende Mai 2018 ­aufgeführt wird, soll zudem das tradierte Bild des Reformators als eines puritanischen und lustfeindlichen Theologen korrigiert werden. Im Mittelpunkt des Werks, das unter der Regie von Hans-Jürgen Hufeisen mit der Kantorei Rapperswil-Jona auf­geführt wird, steht Zwinglis Frau Anna Reinhard. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 24.10.2017, 17:12 Uhr

Den Schweizer Reformator Huldrych Zwingli aus dem Schatten holen. Das ist eines der Ziele im Jubiläumsjahr 500 Jahre Reformation. (Bild: Walter Bieri)

Als Rapperswil und Jona reformiert wurden

1531 wechselten Rapperswil und Jona für 25 Wochen zum reformierten Glauben. Nach dem Kappeler Landfrieden folgte die Rekatholisierung – mit schwerwiegenden Folgen für diejenigen, die nicht zum alten Glauben zurückkehren wollten. Die katholischen Schwyzer Truppen nahmen furchtbare Rache und zwangen die «Neugläubigen» zur Flucht. Stadtführer Markus Thurnherr und Diakon Christopher Wellauer führen auf einem Rundgang durch die Altstadt zu den wichtigsten Schauplätzen der Reformation (4./5. Mai 2018).(jä)

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