Rapperswil-Jona

Zukunft des Schwanen ist ungewiss

Das ­Hotel Schwanen an der See­promenade geht zu. Der Verwaltungsrat zog die Reiss­leine, nachdem der Umsatz ­stetig zurückgegangen war. Den Angestellten wird gekündigt.

Die Tage des Hotels Schwanen an der Rapperswiler Seepromenade sind gezählt. Ende Jahr schliesst es seine Türen.

Die Tage des Hotels Schwanen an der Rapperswiler Seepromenade sind gezählt. Ende Jahr schliesst es seine Türen. Bild: Sabine Rock

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Um das Hotel Schwanen steht es nicht gut. Deshalb plant der Verwaltungsrat, den Betrieb Ende Jahr bis auf weiteres zu schliessen und für die Zukunft ein neues Konzept auszuarbeiten. Hauptgrund ist der Geschäftsgang der vergangenen Jahre. «Der Umsatz ging kontinuierlich zurück. Inzwischen ist der Betrieb stark ­defizitär», sagt Linus Hofmann, Rechtsanwalt der Hotel Schwanen AG. Genauere Zahlen kann er nicht nennen. Jedenfalls habe die aktuelle Analyse der Zahlen gezeigt, dass der Betrieb in der bestehenden Form auf lange Sicht nicht mehr aufrechterhalten werden kann.

Eine der besten Adressen

Weiterer Grund für die «Auszeit», wie es in der gestern verschickten Medienmitteilung heisst, ist die schwere Erkrankung von Margrit Riva, ehemalige Hoteldirektorin. Sie leitete den Schwanen seit 1993 mit Herzblut. Damals übernahm die Familie von Quirino und Margrit Riva das Traditionshaus von der Hotel Schwanen AG, deren Aktionäre – unter ihnen Quirino Riva selbst – das Gasthaus verkaufen wollten.

Das Haus wurde mit beträchtlichen Investitionen und viel Liebe zum Detail umgebaut. Der Schwanen wurde zu einer der besten Adressen am Zürichsee mit luxuriösen Zimmern und gediegener Gastronomie. Mit dem langjährig erfahrenen Team galt das Hotel Schwanen jahrelang als Juwel am See, dessen Restaurant Jardin, mit dem leicht an­gestaubten Charme eines Kurhaus-Speisesaals, die legendäre Schwanen-Bar und das Hotel selbst mehrmals ausgezeichnet wurden.

Nach Margrit Rivas Erkrankung konnte die Leitung erst im Mai an Mathias Rüesch über­geben werden, der sich seither um das Tagesgeschäft kümmert.

Neues Konzept soll es richten

«Der Plan, den Hotelbetrieb an bester Lage bis auf weiteres stillzulegen, fällt uns schwer. Doch nur mit einem Neubeginn kann das Hotel wieder zu einer neuen Blütezeit geführt werden», sagt Quirino Riva im Namen des Verwaltungsrats. In den nächsten Monaten soll zusammen mit Direktor Mathias Rüesch ein neues Konzept für die Zukunft erarbeitet werden, wie es in der Mitteilung weiter heisst. Was am bis­herigen Konzept nicht gestimmt hat, müsse erst analysiert werden, sagt Linus Hofmann. «Fakt ist, dass zu wenig Kunden kamen. Die Gründe gilt es erst noch zu eruieren.» Sicherlich habe aber der Ruf des Schwanen in den letzten Jahren gelitten, meint Hofmann.

Was mit dem Schwanen letztendlich passiert, ist völlig offen. Wahrscheinlich ist laut Hofmann, dass er zu einem späteren Zeitpunkt wieder als Hotel eröffnet wird. «Die Lage und die Infrastruktur sind dafür prä­destiniert.» Verwaltungsrat und Eigentümer wollten sich aber ­alle Optionen offenhalten.

Konsultationsverfahren

Die Mitarbeitenden – unter ­ihnen auch viele langjährige – erfuhren an der gestrigen Betriebsversammlung von der geplanten Schliessung. Rund 20 Arbeitsverhältnisse müssen gekündigt werden. Betroffen seien aber mehr Personen. Die Überraschung sei wohl nicht bei allen Mitarbeitenden gleich gross gewesen, sagt Hofmann. Die Direktion wurde dazu angehalten, keine Stellungnahmen abzugeben und an den Rechtsanwalt zu verweisen.

Derzeit wird nun das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren bei Massenentlassungen durchgeführt. Die Angestellten können in diesem Rahmen ­ihre Ideen und Vorschläge ein­reichen, wie die Schliessung umgangen oder die Anzahl Kündigungen reduziert werden könnte. Diese Frist läuft bis am 11. Oktober. Bleibt das Verfahren fruchtlos, ist die Schliessung per Ende Jahr unausweichlich.

Grosse Betroffenheit

Der Betrieb des Hotels und der beiden Restaurants wird bis Ende Jahr aufrechterhalten. Die Reservationen und die geplanten Anlässe könnten durchgeführt werden, sagt Hofmann. «Ziel ist, dass die Gäste von der geplanten Schliessung nichts spüren.» Die angekündigte Schliessung löste gestern in Rapperswil-Jona einige Betroffenheit aus. Reto Klotz, Präsident des Verkehrsvereins Rapperswil-Jona, hofft, dass das nur vorübergehend ist. «Wenn der Betrieb im Winter geschlossen ist, ist das nicht so schlimm. Anders sieht es im Frühling und Sommer aus.» Klotz hofft aber auch, dass mit einem neuen Konzept frischer Wind einkehrt. «Der Schwanen ist das erste Haus am Platz, auch heute noch.» Sichtlich überrascht war gestern auch Rocco Delli Colli, Präsident des Vereins Gastliche Altstadt. Er konnte sich vorerst überhaupt nicht äussern, so tief sass der Schock. Dann sagte er, was sich wohl alle denken, die im Sommer schon am Hotel vorbeiflaniert sind: «Eine Seepromenade ohne Hotel Schwanen kann ich mir gar nicht vorstellen.»

Erstellt: 28.09.2016, 08:22 Uhr

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