Fischerei

Zürichsee-Fischer setzen auch auf einst verpönte Fische

Restaurants entdecken die Weissfische. Dass die früher ungeliebten Fische vermehrt auf den Teller kommen, freut die Berufsfischer.

<b>Schleien aus dem Zürichsee,</b> Felchen aus einem anderen Schweizer Gewässer. Müssen die Berufsfischer vom Zürichsee umsatteln? Eine eher bedrohliche Zukunftsvision.

Schleien aus dem Zürichsee, Felchen aus einem anderen Schweizer Gewässer. Müssen die Berufsfischer vom Zürichsee umsatteln? Eine eher bedrohliche Zukunftsvision. Bild: Moritz Hager

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Deutlich weniger Felchen haben die Fischer 2015 aus dem Zürichsee gezogen, aber mehr Albeli und Egli. Und mehr als 36 Tonnen Schwalen. Das sind vier Tonnen mehr als 2014. Die Schwale, auch als Rotauge bekannt, war lange verpönt als «Katzenfutter». Doch heute ist der Weissfisch als Filet im breiten Angebot bei den Berufsfischern Fritz Hulliger in Stäfa oder bei Andreas Braschler in Hurden.

Auch Peter und Monika Grieser aus Obermeilen preisen neben Felchen, Hecht und Egli diverse Weissfische wie Schwalen oder Schleien an.Andreas Hertig, Fischerei­adjunkt beim Amt für Landschaft und Natur des Kantons Zürich, begrüsst diese Entwicklung. «Fischer können nichts gegen die Schwankungen tun. Die meisten wissen das und akzeptieren sie», sagt er. Dass die Schwale beispielsweise in diesem Sommer im Globus Delicatessa angeboten wird, begrüsst Hertig. «Es ist schön, wenn auch solche Fische eine Wertschätzung erhalten und der zu Unrecht schlechte Ruf verblasst», meint er.

Kein neuer Trend

Berufsfischer Fritz Hulliger muss lächeln, als er auf den «neuen Trend» angesprochen wird. «Es ist ja nicht so, dass wir erst seit neustem Schwalen und Schleien anbieten», sagt er. Es gebe einzelne Kunden, die immer wieder Weissfische kaufen. Nur, so richtig leben können die Berufsfischer von den Weissfischen nicht. Der Aufwand sei gross. «Schauen Sie, zwei Drittel des Fisches sind Abfall», sagt Hulliger. Er habe ­eigens einen Koch angestellt, um die Fische für die Kunden gut vorzubereiten. Vor allem Private seien dennoch schwierig zu überzeugen. Die vielen Gräten stören die Kunden. Nur wenn die Fische richtig frittiert würden, falle dieses Problem weg, sagt Hulliger.

Auch preislich liegen die Weiss­fische unter den edleren Exem­plaren. «Mit Weissfischen können wir kein grosses Geschäft machen», sagt Hulliger. Zwar begrüsst auch der Stäfner, dass durch Aktionen wie im Globus auf die Geniessbarkeit der Weissfische aufmerksam gemacht wird. Es gebe auch in der Region Restaurants, die eine eher experimentelle Küche betreiben und kein Problem mit Weiss­fischen haben. Doch allein mengenmässig sei es unmöglich, an die Felchen heranzukommen. Im Winter habe er relativ viele Schwalen gefangen, im Sommer sei das aber nicht machbar. Die Behörden versuchen, im Sinne der Berufsfischer zu handeln. Um Ausfälle und Defizite der Naturverlaichung zu kompensieren, werden durch das ­Fischereikonkordat jedes Jahr Jungfelchen im See ausgesetzt.

Am Bodensee ists schlimmer

Ein oft genannter Grund für einen tieferen Fischbestand ist der tiefe Phosphatgehalt in den Seen. Für den Zürichsee will das Hertig nicht bestätigen. «Der Phosphatgehalt bewegt sich momentan noch in einem idealen Bereich von 15 bis 20 Mikrogramm pro Liter, der eine gute Wasserqualität und gleichzeitig eine gute Biomassenproduktion ermöglicht», sagt er. Mit Blick auf andere Seen, wie beispielsweise den Bodensee, sei aber nicht völlig auszuschliessen, dass sich dies in Zukunft ändern wird. So schlimm wie am Bodensee sei die Lage nicht, sagt Berufsfischer Fritz Hulliger. Dort lag der Felchenfang im letzten Jahr 70 Prozent unter dem Zehnjahresmittel. Im Zürichsee gab es in den letzten zehn Jahren hingegen noch zwei schlechtere Jahre als 2015.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 03.07.2016, 17:57 Uhr

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